stiftung hildesheimHildesheim.- Anlässlich des am Freitag beginnenden Weltkongresses für Politikwissenschaft stellt die Universität Hildesheim ihre Beiträge dazu vor. Die Forschergruppe "Internet und Politik" aus Hildesheim untersucht, welche Rolle das Internet in politischen Prozessen spielt, etwa im Nahen Osten und beim Regimewandel in Ägypten. Die Politikwissenschaftler gehen der Frage nach, wie im Internet Prozesse der Meinungsbildung angestoßen und Entscheidungen getroffen werden können und beobachten, wie Politiker soziale Online-Medien nutzen. Die Professoren Marianne Kneuer und Thomas Demmelhuber untersuchen die Rolle neuer Medien in Transformations- und Demokratisierungs-Prozessen.

Die Politikwissenschaftler untersuchen, wie Menschen über Twitter und Facebook in sozialen und politischen Bewegungen kommunizieren. Meist geht es weniger um inhaltliche Debatten. Erste Analysen der Forschergruppe zeigen, dass über soziale Medien vielmehr Symbole und Emotionen vermittelt werden, etwa Empörung über Banken und Verunsicherung mit dem politischen System und seinen Reaktionen auf die Finanzkrise. Die Forscher haben posts in europäischen Ländern und den USA ausgewertet.

Ein weiteres Forschungsprojekt aus Hildesheim untersucht am Fallbeispiel Ägyptens den Einfluss von sozialen Medien auf demokratische Transformationsprozesse. Prof. Dr. Thomas Demmelhuber analysiert zusammen mit der ägyptischen Wissenschaftlerin Dr. Hanan Badr von der Universität Kairo die Funktionen sozialer Medien in autoritären Regimen und Herrschaftstypen während Umbruchsphasen. So wird etwa deutlich, dass soziale Medien in den einzelnen Phasen politischer Transformation variierende Funktionen erfüllen und keineswegs aus sich selbst heraus einen Weg in Richtung Demokratisierung verstärken. Die Ergebnisse werden auf dem Weltkongress für Politikwissenschaft vom 19.- 24. Juli in Montreal, Kanada vorgestellt.

Nach Angaben der Forschergruppe haben die spanischen Zeltlager an der Puerta del Sol und die Occupy-Bewegung des Jahres 2011 bewiesen, dass Facebook und Twitter durchaus ein Vehikel sind, um Demonstrationen zu organisieren und Menschen zu mobilisieren. Marianne Kneuer erklärte: "Wir möchten herausfinden, ob soziale Onlinemedien zu Verbesserungen demokratischer Prozesse führen können – etwa durch mehr Teilhabe der Bürger oder durch zusätzliche Plattformen der Debatte und Verständigung."

Die Wissenschaftlerinnen untersuchen, in welcher Form (liking und favoriting, sharing und retweeting, commenting und answering) welche Art von Beiträge (Text, Link, Foto, Video) kommuniziert werden. Außerdem interessiert die Reichweite der Kommunikation: Findet sie tatsächlich transnational statt, was etwa unterstellt wird, wenn Occupy als globale Bewegung verstanden wird, oder handelt es sich um überwiegend nationale Vernetzungen?

Auch in Konflikten spielen Soziale Medien immer mehr eine wichtige Rolle wie diese Berichte über den Twitter-Krieg zwischen Israel und der Hamas und die Islamic State Group im Irak zeigen.

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft 

 


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