altOsnabrück. - Die Zahl der chinesischen Touristen wächst stetig. 2011 überholten die Chinesen Deutsche und Amerikaner als Reiseweltmeister. Seit 2012 reisen regelmäßig mehr als 80 Millionen Chinesen pro Jahr ins Ausland – vermehrt auch nach Europa. Wie können sich deutsche Städte auf diese Zielgruppe einstellen und wie gut sind sie bereits vorbereitet? 24 Studierende des Bachelor-Studiengangs Öffentliches Management der Hochschule Osnabrück haben fünf deutsche Städte auf ihre Attraktivität und ihre Marketing-Potenziale für Besucherinnen und Besucher aus dem China überprüft.

Beim Stadtmarketingprojekt "China-Readiness deutscher Städte" haben sie fünf deutsche Städte aus unterschiedlichen Bundesländern miteinander verglichen. Entschieden hat man sich für Wolfsburg, Münster, Dresden, Magdeburg und Mainz, denn diese Städte können unter anderem mit der Nähe zu großen Flughäfen, Einkaufsmöglichkeiten sowie mit Weingütern und Natur im Umland punkten.

Als erstes haben die Studierenden ihre Kernzielgruppe, die sogenannten ‚Neuen Chinesischen Touristen‘ (NCTs), definiert und mithilfe einer Datenbank des China Outbound Tourism Research Institutes (COTRI) das Reiseverhalten und die Ansprüche dieser Gruppe herausgearbeitet. "Die NCTs sind zwischen 25 und 40 Jahren jung, verbinden oftmals Geschäftsreisen mit privaten Städtetrips, sprechen Fremdsprachen, möchten sich auf Reisen weiterbilden und sind zahlungskräftig“, erläutert Gottfried Schwarz, Student des Öffentlichen Managements. Kommilitonin Christina Kossen ergänzt: "Wichtig für diese Zielgruppe sind beispielsweise eine nahe Anbindung an einen internationalen Flughafen." Auch nahe gelegene Messestädte seien Pluspunkte, da die Zielgruppe so das geschäftliche mit dem privaten Reisen verbinden können. Die Nähe zur Natur oder gute Einkaufsmöglichkeiten seien ebenfalls wichtig.

Durch Internetrecherche sowie einer Vorortbegehung haben die Studierenden die fünf Städte untersucht. Zudem haben die sie Interviews mit Experten der Tourismusbüros und mit Städtevertretern geführt. "Mainz ist bereits auf einem guten Weg. So bietet die Stadt ihre Internetseite neben Englisch sogar auf Chinesisch an. Sie kann ihr Potenzial aber noch ausbauen“, meint Schwarz. Die Empfehlung der Studierenden: Die Stadt sollte die Nähe zur Messestadt Frankfurt mit dem internationalen Flughafen noch stärker nutzen und sich als ‚romantische Alternative‘ zu Frankfurt präsentieren. 

Am besten vorbereitet auf Touristen aus Asien sei Dresden. Die Landeshauptstadt Sachsens hat beim Ranking der Hochschule den ersten Platz belegt. „Dresden hat die Bedürfnisse der Zielgruppe bereits gut im Blick und verkauft den Charme der Stadt mit der einmaligen Silhouette am Fluss mit Emotionen. Die Stadt vermarktet sich zudem mit hochwertigen Broschüren auf Chinesisch“, berichtet eine Studentin.

Wolfsburg sei der Überraschungskandidat gewesen: Die Autostadt habe bereits eine gute Strategie und vor Ort habe man auch einige chinesische Touristen angetroffen. Die Studierenden haben aber auch gemerkt, dass einige Städte, wie beispielsweise Münster oder Magdeburg, das Thema noch gar nicht in den Blick genommen hätten. Diese Städte hätten noch keine Strategie für diese Zielgruppe und müssten sich zunächst grundsätzlich entscheiden, ob die chinesischen Touristen in Zukunft gewonnen werden sollen. Insgesamt zeige die Untersuchung aber, dass viele mittelgroße deutsche Städte durchaus attraktiv für chinesische Touristen sind, ihre Potenziale aber oftmals unterschätzen.

Quelle: www.wiso.hs-osnabrueck.de


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