brot fdw eedBerlin. - Der Tourismus kann lokaler Entwicklung dienen. Doch dazu bedarf es nicht nur einzelner nachhaltiger Projekte, mahnt die evangelische Hilfsaktion "Brot für die Welt" anlässlich des Welttourismustages am 27. September. Soll Tourismus der lokalen Bevölkerung nutzen, müssen der Schutz der Menschenrechte und der Umweltschutz auch im Massentourismus Priorität haben.

Als Beispiel für einen Tourismus, der die Bedürfnisse der Menschen in den Urlaubsländern vernachlässigt, steht der boomende Kreuzfahrt-Tourismus. Antje Monshausen, Tourismusreferentin bei Brot für die Welt: "Es reicht nicht, allein einzelne vorbildliche Initiativen auf lokaler Ebene zu fördern, wenn gleichzeitig etwa der Kreuzfahrt-Tourismus Impulse für lokale Entwicklung geradezu sabotiert." In Haiti und anderen armen Entwicklungsländern geht der Trend zur Nutzung von Liegeplätzen auf Privatinseln. So bekommen Händler und Restaurantbesitzer keine Chance mehr, bei Landgängen vom Tourismus zu profitieren. Monshausen: "Darüber hinaus sind die Klima- und Umweltwirkungen von Kreuzfahrtriesen immens. Der Klimawandel trifft aber besonders arme Menschen im globalen Süden, die selbst kaum vom Tourismus profitieren."

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Damit auch die einheimische Bevölkerung etwas vom Tourismus hat, haben viele Entwicklungsländer ihre Hoffnung auf den Aufbau eines gemeindebasierten Tourismus gesetzt, der von dörflichen Gruppen selbst getragen wird. Er stößt jedoch schnell an Grenzen, wenn die Infrastruktur unzureichend ist und die Politik vor allem die Interessen des herkömmlichen Massentourismus vertritt. Monshausen: "Gemeindebasierter Tourismus in Entwicklungsländern gerade auf dem Land ist kein Selbstläufer." Gebraucht werden Investitionen in die Infrastruktur und ein langer Atem bei der Entwicklung und Vermarktung der Tourismusprodukte. Gemeindebasierter Tourismus muss darüber hinaus eingebunden sein in die Tourismusstrukturen des Landes. Monshausen: "Die Bevölkerung braucht ein Mitspracherecht nicht nur bei lokalen Projekten, sondern auch bei der Entwicklung von Tourismusplänen und staatlichem Marketing."

Brot für die Welt fördert Partner in Entwicklungsländern bei der Qualifizierung und Vernetzung gemeindebasierter Tourismusaktivitäten und stärkt sie dabei auch bei ihrer politischen Vertretung in der nationalen Politik. Gleichzeitig setzt sich das evangelische Hilfswerk mit seiner Arbeitsstelle Tourism Watch gegenüber der Tourismuswirtschaft für die Achtung der Menschenrechte ein und fordert beispielsweise verbindliche Reduktionen der Klimawirkungen im Bereich der Mobilität.

Der vierteljährliche TourismWatch Informationsdienst veröffentlicht Hintergrundberichte aus Entwicklungs- und Schwellenländern. Im Mittelpunkt der aktuellen Ausgabe stehen Berichte über gemeindebasierten Tourismus in China, Namibia, Thailand und El Salvador sowie über die Auswirkungen des boomenden Kreuzfahrt-Tourismus.

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Quelle: brot-fuer-die-welt.de


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