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camnet logoDouala. - Kamerun steht vor einem Internet-Boom. Jeder Unternehmer, der ein bisschen Ahnung von Elektrotechnik und Elektronik hat, versucht derzeit auf den Hightech-Zug aufzuspringen. "Offiziell" wollen alle Beteiligten  den Kamerunern schnellere und billigere Internet-Anschlüsse bereitstellen, damit sie besser online lernen, kommunizieren und Geschäfte machen können. Doch eigentlich geht es in dem zentralafrikanischen Land derzeit um das große Absahnen.

Vor allem bei der Nutzung von Hochgeschwindigkeits-Netzen hinkt Afrika noch weit hinterher. Aber auch bei der generellen Internet-Nutzung gibt es noch ein großes Ausbaupotenzial. In Kamerun hatten 2012 nur sechs Prozent der Bevölkerung einen Internet-Anschluss (Deutschland: 83,4%).   

Kamerun ist derzeit mit drei Tiefsee-Glasfaserkabeln an die Welt angeschlossen:

  • SAT-3 (South Atlantic 3) führt von Südafrika nach Portugal, verfügt über eine Kapazität von 340 Gigabit pro Sekunde und wird von der staatlichen Telekommunikationsgesellschaft CAMTEL genutzt. Kamerun ist seit 2002 via Douala angeschlossen.
  • WACS (West Africa Cable System) führt von Südafrika nach London, hat eine Kapazität von 5,12 Terabit pro Sekunde und wird von MTN genutzt, einem mehrheitlich südafrikanischen Unternehmen, das auch größter WACS-Investor war. Kamerun wurde 2012 an WACS angeschlossen. Der Landungspunkt des Kabels ist in Limbe.
  • ACE (African Coast to Europe) führt von Frankreich nach Südafrika und wurde ebenso wie WACS von dem Konzern Alcatel-Lucent gebaut. Größte Investoren waren France Télécom und Orange. Die Glasfaserverbindung, die in Kribi ankommt, hat ebenfalls eine Kapazität von 5,12 Terabit pro Sekunde und wird seit 2012 von Orange Cameroun genutzt.

Geplant sind zudem Glasfaserverbindungen auf dem Festland in den Tschad und in die Zentralafrikanische Republik, so dass Kamerun als Transitland Geld damit verdienen könnte. Ferner gibt es Internet-Anbindung über Satelliten.

Datensammel-Konzerne wie Google und Facebook wollen den Afrikanern schnelles Internet über Drohnen bzw. Fesselballons bereitstellen. Entsprechende Pläne sind bereits in der Erprobung.

2012 verfügte Kamerun über weniger als 6.000 Kilometer Glasfasernetze, will diese aber auf rund 10.000 km ausbauen. Das zuständige Post- und Telekommunikationsministerium (MINPOSTEL) bezifferte die Investitionskosten auf rund 10 Millionen Franc CFA pro Kilometer - etwa 153.000 Euro. Das Problem: Es müssten staatliche Zuschüsse und/oder Entwicklungshilfegelder fließen, denn die geringe Bevölkerungsdichte auf dem Land macht ein dichtes Glasfasernetz nicht lukrativ.

Ein schöner Nebeneffekt der Glasfaser-Pläne ist aber, dass hier die Kommunikation gebündelt wird - und bequem abhörbar ist. Die Deutsche Gesellschaft für Informatik (GI) hielt im September 2013 in einer Informationsschrift zur NSA-Affäre mit dem Titel "FAQ-Liste zu Sicherheit und Unsicherheit im Internet" fest:

"Ob Seekabel, Überlandkabel, Richtfunk oder Satellit - all diese Verkehrswege können mit geeigneten technischen Einrichtungen angezapft und laufend überwacht werden. Auch wenn derzeit insbesondere der amerikanische und britische Geheimdienst ins Visier der Medien geraten sind, gehen wir davon aus, dass im Prinzip alle Länder, die einen Geheimdienst betreiben, solche Einrichtungen zur Nachrichtenbeschaffung nutzen."

Kamerun selbst verfügt offiziell nicht über einen Geheimdienst. Da die schnellen Tiefseekabel, die die das Land angeschlossen ist, von Alcatel-Lucent gebaut wurden und Präsident Paul Biya, der sich seit 1982 an sein Amt klammert, enge Beziehungen zu Frankreich unterhält, ist der wohl größte Datensammler der französische Geheimdienst. Der derzeit schnellste Internet-Anbieter Ringo, eine CAMTEL-Tochterfirma, wird selbstredend von einem Franzosen geleitet. Ringo wird nach Aussagen kamerunischer IT-Experten auch von Regierungsstellen genutzt.

Da die Verlegung und Unterhaltung von Tiefseekabeln teuer ist, sind es vor allem multinationale Telekommunikationskonzerne und von potenten Investoren gebildete internationale Konsortien, die in diesem Bereich investieren. Der Erfinder des World Wide Web, Tim Berners-Lee, erklärte in einem Interview mit Spiegel Online die Strategie, die dahinter steckt:

"Ein großes Problem sind vermeintliche 'Zuckerbrot-Geschäfte', in denen große internationale Telekommunikationskonzerne einem Land versprechen, alle Schulen kostenlos an das Netz anzuschließen, wenn sie im Gegenzug Monopolanbieter werden können - das hält die Preise hoch und verhindert Innovation."

MARKTLIBERALISIERUNG FÜHRT NICHT IMMER ZU BILLIGEREN ANGEBOTEN

Das deutsche Außenhandels-Portal Germany Trade & Invest (GTAI) sieht in den neuen Glasfasernetzen in Kamerun einen "Quantensprung in Punkto internationaler Bandbreite" und ist optimistisch: "Die Kunden können auf deutlich höhere Übertragungsgeschwindigkeiten sowie stark fallende Preise für die Internetnutzung einstellen."

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10.000 FCFA sind 15,30 Euro. Grafik: MTN

Paradoxerweise wird überall in der Welt die Privatisierung der Telekommunikation gefordert, obwohl sie häufig nicht zu einer Verbesserung der Angebote führt. So auch in Kamerun, wo die "Liberalisierung" des Marktes mit dem Argument begann, man müsse mehr Konkurrenz schaffen, damit sich mehr Bürger einen Internet-Zugang leisten können. Heute sind rund ein halbes Dutzend Anbieter auf dem Markt und bilden - wieder mit dem Argument, die Preise müssten sinken - ein Oligopol, um sich den Markt aufteilen und gute Profite machen zu können.

Einziger Festnetz-Anbieter in Kamerun war lange Zeit CAMTEL, die staatliche Telefongesellschaft. Sie ist jetzt ein strategisches Bündnis mit MTN eingegangen. Beide Unternehmen greifen den Bürgern und den Unternehmern in Kamerun tief in die Tasche, wenn sie einen DSL-Anschluss haben möchten. Die Preise von MTN:

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Ein "Highspeed"-Anschluss mit bis zu 1 Megabit Übertragungsgeschwindigkeit kostet knapp 400 Euro pro Monat

Die meisten Kameruner werden trotz des beginnenden ADSL-Hypes mobil ins Internet gehen, wenn sie schnell eine Information benötigen, denn im Gegensatz zum Festnetz ist das Mobilfunknetz gut ausgebaut. Und wenn sie länger recherchieren müssen, gehen sie ins Internetcafé, das es an jeder Ecke gibt und mit 300 Franc CFA (0,46 Euro) pro Stunde Nutzung recht günstig ist.

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Datensicherheit wird in den "Cybers" allerdings nicht sehr beachtet. Heruntergeladene oder eingescannte Dateien werden einheitlich im Ordner "Eigene Dateien" abgespeichert - und anschließend nicht selten vergessen. So konnte der Autor dieses Berichts in einem Internetcafé in Douala unter anderem eine Patentanmeldung nebst Patent-Zeichnung und die Korrespondenz eines anderen Kunden mit dem Finanzministerium einsehen.

Die früheren Folgen:

 


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