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Radio PacisArua (epo.de). - "Radio Pacis", ein katholischer Radiosender in Arua, der wichtigsten Stadt der Westnile-Region in Nord-Uganda, ist von der BBC als afrikanisches "Radio of the Year" ausgezeichnet worden. Der Westnile an der Grenze zum Süd-Sudan und der Demokratischen Republik Kongo war die Heimatregion Idi Amins und wurde in der Zeit seines Sturzes, 1979, weitgehend zerstört. Die Bevölkerung floh zum grossen Teil über die Grenzen in die Nachbarländer. Erst ab 1986 kamen die Menschen zurück in ihre Heimat. Erhard Brunn sprach mit der Managerin von "Radio Pacis", Sherry Meyer.

Erhard Brunn: Schwester Meyer, herzlichen Glückwunsch zu den vielen BBC-Preisen, die ihr Radio in den letzten Wochen erhalten hat. Sie waren ja auch selbst bei der Preisverleihung in Nairobi dabei. Wie geht es ihnen damit?

Sherry Meyer: Vielen Dank. Natürlich fühle ich mich grossartig. Immerhin sendet unser Radio noch nicht einmal drei Jahre und bekommt jetzt schon eine so gute Beurteilung, zumal von einer so wichtigen Institution wie der BBC.

EB: Wie sind Sie dazu gekommen, hier im Grenzgebiet ein Radio zu leiten? Sie kommen eigentlich aus den USA. Seit wann leben sie hier im Westnile?  

Sherry Meyer: Ich bin 1991 hierher gekommen. Da war die Lage hier natürlich noch viel schwieriger. Die ersten Jahre habe ich in der Pastorale gearbeitet.

EB: Und wie sind Sie zum Radio gekommen?

Sherry Meyer. Foto: BrunnSherry Meyer: Schon im Jahre 2001 hatte Bischof Frederick Drandua zwei Missionare mit der Aufgabe betraut, nicht nur ein Radio, sondern ein ganzes Informationszentrum zu planen. Der Bau des Informationszentrums startete schon im Folgejahr und die Hauptgebäude konnten 2004 eröffnet werden. On Air testing begann im Oktober, die offizielle Eröffnung im November 2004. Ich war ja schon in der Pastorale, und der wurde die Aufgabe übertragen, dieses Projekt durchzuführen. Ich wurde die Assistentin von Fr. Tonino Passolini, einem Combino-Bruder, der heute auf über 40 Jahre Arbeit in Uganda zurückschaut und der seit der Eröffnung des Radios dessen Direktor ist.

EB: Das Motto von Radio Pacis ist: Peace of Christ for ALL. Was bedeutet Ihnen das?
 
Sherry Meyer: Das Radio war nie als ein katholisches Radio im strikten Sinne gedacht. Es soll ein Radio für alle sein und der Region in ihrer sozialen Entwicklung helfen. Im Gegensatz zu anderen Radios sind wir keinen kommerziellen Zwängen unterworfen und brauchen auch nicht die ganze Zeit Musik zu spielen, um die Leute zu unterhalten. Wir machen also Programme über Gesundheitsfragen, über Ernährungsfragen, Landwirtschaft, Frauenrechte, häusliche Gewalt oder Bildung.

EB: Sie haben also auch - im Gegensatz zu anderen katholischen Radiostationen im Land - keinen Schwerpunkt auf Verkündigung?

Sherry Meyer: Nein, denn woraus besteht denn sonst unsere Arbeit vor allem? Doch auch nicht einfach nur aus Verkündigung, sondern daraus, dass wir Schulen, Gesundheitsstationen und vieles andere unterhalten, was allen Menschen hier nutzt. Genauso ist es mit dem Radio. Wir wollen  z.B. auch ganz bewusst die muslimische Bevölkerung erreichen. Wir haben, neben Protestanten, in unserem katholischen Sender auch mehrere Muslime angestellt, die auch gute Arbeit machen. Und unsere sozialen und politischen Themen interessieren ja nicht nur Katholiken. So haben wir auch viele Hörer unter den Protestanten und Muslimen, was umso mehr ein Erfolg ist, als auch diese eigene Radiostationen in der Stadt unterhalten. Allerdings ist es bei den ersteren ein Verkündigungssender und bei den Muslimen ist dessen Besitzer eher kommerziell orientiert. Wir beobachten, dass sich beide Radios ein Stück an uns orientieren und bemüht sind, journalistisch anspruchsvoll zu arbeiten.

EB: Worauf führen Sie das zurück?

Sherry Meyer: Unter anderem darauf, dass wir sehr viel Geld in die Aus- und Fortbildung unserer Mitarbeiter stecken. Wir haben ja auch ein grosses Netz ausgebildeter freier Mitarbeiter, die hier im Radio anrufen, wenn in ihren Dörfern etwas von allgemeiner Bedeutung passiert. Dadurch und auf andere Weise sind die Leute an der Gestaltung des Programms beteiligt, das ausser in englisch auch in mehreren lokalen Sprachen ausgestrahlt wird. Wie gesagt, wir denken, dass sich die anderen regionalen Radios davon etwas abgeschaut haben.

EB: Und hatte dies schon irgend eine messbare Wirkung, z.B. auf Muslime?

Sherry Meyer: Ich denke schon. Zum Beispiel sagten mir Muslime, sie hätten früher geglaubt, dass im katholischen Gottesdienst viel Schlechtes über sie gesagt würde. Seitdem sie aber Pater Toninos Gottesdienst über das Radio verfolgen können, wissen sie das besser. Das hatte eine gute Wirkung.

EB: Und wie wird ihr Radio finanziert?

Sherry Meyer: Natürlich brauchten wir für die Gründung des Radios Geld von den Kirchen des Nordens. Da danken wir den Katholiken in Deutschland und Österreich, denn von dort kam sehr viel Geld. Und auch jetzt bekommen wir noch einen Teil des Geldes, um das Radio zu unterhalten, aus Deutschland. Missio Aachen und missio München sind hier als die größten Geldgeber zu nennen.

EB: Haben Sie auch eigene Einnahmen?

Sherry Meyer: Ja, die von missio München finanzierte Druckerei bringt uns Geld ein, das wir wiederum ins Radio stecken können.

EB: Sie erfahren mit Ihrer Arbeit zurzeit viel Anerkennung

Sherry Meyer: Ja, wir sind natürlich sehr stolz, dass wir von der BBC in mehreren Bereichen Preise als bestes nicht-kommerzielles englischsprachiges Radio Ost-Afrikas bekommen haben.

EB: Herzlichen Dank für das Interview.


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