containerschiff maren maersk wmc 720

Paris. - Mehr Handel = mehr Frachtverkehr = mehr CO2-Emissionen = mehr Klimakatastrophen. Auf diese einfache Formel lässt sich der neue "ITF Transport Outlook 2015" bringen, den die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) am Dienstag veröffentlicht hat. Den OECD-Prognosen zufolge wird sich der internationale Frachtverkehr bis 2050 vervierfachen, die dadurch verursachten CO2-Emissionen um 290 Prozent steigern und den Passagierverkehr damit als Hauptquelle von Kohlendioxid–Emissionen aus landbasiertem Verkehr ablösen.

Die negativen Klima-Folgen des "Frei"-Handels", wie der staatliche gelenkte Konsumterror euphemistisch genannt wird, werden im Zusammenhang mit Freihandelsabkommen wie CETA und TTIP selten erwähnt. Um so bemerkenswerter, dass die OECD, eine Institution der westlichen Industriestaaten, die die "freie" Marktwirtschaft weltweit propagiert, nun auf die mit dem steigenden Frachtvolumen einhergehenden Folgen für die Erderwärmung eingeht.  

"Mit der Verschiebung globaler Handelsströme wird sich das internationale Frachtvolumen bis 2050 mehr als vervierfachen", teilte die OECD mit. "Die Entfernung, die internationale Güterfracht durchschnittlich zurücklegt, wird um zwölf Prozent steigen." Den Berechnungen des aktuellen "ITF Transport Outlook 2015" zugfolge steigen dadurch auch die CO2-Emissionen: Bis 2050 erwartet das International Transport Forum der OECD einen Anstieg um 290 Prozent! Damit werde die Fracht den Passagierverkehr als Hauptquelle von CO2–Emissionen aus landbasiertem Verkehr ablösen, so die OECD.

Konkret gehen die Autoren des Ausblicks davon aus, dass die Nordpazifikroute, gemessen am Frachtvolumen, bald wichtiger sein wird als der Nordatlantik-Handelskorridor. Auch für die Seerouten im Indischen Ozean sehen sie starkes Wachstum voraus. Der Binnengüterverkehr wird laut Bericht besonders stark in Afrika  und Asien zunehmen. Mangels Alternativen erfolgen die Frachttransporte hier zumeist auf der Straße.

Zum ersten Mal berechnet der Ausblick auch den nationalen Anteil an internationalen Frachtströmen. Dieser liegt bei zehn Prozent der globalen Handelsfracht, verursacht aber dreißig Prozent der CO2–Emissionen. Hierin sehen die Autoren eine Chance – "hat doch die nationale Politik größere Handlungsspielräume als die internationale, die sich auf Abkommen einigen müsste".

Warum immer mehr "Frei"-Handel, mehr Konsum, mehr Güterverkehr benötigt wird, steht nicht in dem Bericht. Deshalb hilft Entwicklungspolitik Online aus: Mit Konsum wird der Erdenbürger, der das Glück hat, im reicheren Teil der Welt zu leben, davon abgelenkt, dass es wichtigere Dinge im Leben geben könnte, als einen Acht-Stunden-Tag in der Fabrik oder im Büro zu verbringen und Dinge herzustellen oder vermarkten zu helfen, die keiner braucht oder jeder schon hat. Nur mit "Wachstum" lassen sich diese begehrten Arbeitsplätze erhalten, neue schaffen und Menschen in der "globalen Wertschöpfungskette" ruhigstellen. Wem diese Masche dient, hat eine Oxfam-Studie kürzlich nachgewiesen: Super-Reiche, die ein Prozent der Weltbevölkerung ausmachen, besitzen mehr als die Hälfte des Weltvermögens!

"Die absehbare Zunahme des weltweiten Frachtverkehrs stellt den internationalen Transportsektor vor eine noch nicht dagewesene Herausforderung", räumte ITF-Generalsekretär José Viegas bei der Vorstellung des "ITF Transport Outlook 2015" in Paris ein. "Kapazitätsengpässe im Frachtverkehr können zur Wachstumsbremse werden. Vervierfachen sich die CO2-Emissionen des globalen Güterverkehrs, kann das die Klimaziele ernsthaft untergraben.”

Vier Handlungsfelder könnten ein solches Szenario nach den Aussagen Viegas verhindern:

  • Verbessertes Kapazitätsmanagement: Teile der Frachtinfrastruktur sind nicht ausgelastet
  • In "Missing Links” investieren: Mehr alternative und multi-modales Verbindungen erhöhen die Effizienz
  • Auf Mega-Schiffe vorbereiten: Die Infrastruktur an mehr und größere Frachtschiffe anpassen – auch die Hinterland-Anbindung
  • Fahrzeug-Auslastung erhöhen: Entlang der globalen Logistikketten die Lastfaktoren erhöhen und Leerlaufzeiten reduzieren.

Der "ITF Transport Outlook 2015" enthält zusätzlich Informationen zum Passagierverkehr. Dazu gehören Mobilitätszenarien für Megastädte in China, Indien und Lateinamerika. Nach diesen Berechnungen werden die großen Städte in den drei Regionen bis 2050 mehr als ein Drittel aller zusätzlichen Emissionen des Passagierverkehrs erzeugen. Geringerer Individualverkehr und mehr öffentlicher Nahverkehr in Megastädten könnten dieses Wachstum um 30 bis 40 Prozent senken. Allerdings müssen Klima- und Gesundheitsschutz zusammen gedacht werden, da einige Maßnahmen zwar CO2 reduzieren, aber andere Emissionen erhöhen können.

Foto: 7600 TEU Container Schiff MV "Maren Maersk"

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Quelle: OECD - www.oecd.org


Kommentare   

0 #1 Hanul Rizner 2015-05-06 15:31
Sind wir Menschen eigentlich verrückt geworden?

(Frei nach dem neuesten Werbespruch eines Energieunternehmens)

P. S.: ...“geworden“?
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