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Kathmandu. - Die Zahl der Todesopfer des verheerenden Erdbebens im Himalaya ist nach offiziellen Angaben auf mehr als 4.400 gestiegen. Die Regierung Nepals hat den Notstand ausgerufen und ab Dienstag eine drei-tägige Staatstrauer angeordnet. Nepals Premierminister Sushil Koirala hat davor gewarnt, dass sich die Zahl der Toten bis auf 10.000 Menschen verdoppeln könnte. Er forderte ausländische Unterstützung an, insbesondere Zelte und Medikamente werden benötigt. Wasser, Nahrung und Elektrizität sind knapp und die Angst vor Krankheiten wächst. Die meisten Opfer beklagt Nepal (rund 3,300), wo zudem rund 8.000 Menschen verletzt wurden. Auch in Indien und im chinesisch regierten Tibet starben Menschen. Da das Epizentrum des Bebens der Stärke 7,8 noch nicht umfassend mit Hilfe versorgt werden konnte, ist das ganze Ausmaß der Katastrophe noch nicht absehbar. Die internationale Hilfe ist angelaufen, doch sind viele abgelegene Dörfer noch nicht erreichbar. Das Auswärtige Amt hat 2,5 Millionen Euro Soforthilfe bereit gestellt. Mittlerweile ist es Rettungskräften gelungen entlegene Gebiete zu erreichen.

Nepals Regierung hat erstmals öffentlich eingeräumt, sie sei trotz zahlreicher Warnungen vor einem bevorstehenden großen Beben nicht ausreichend darauf vorbereitet gewesen. "Prime Minister Sushil Koirala admitted that the rescue and relief operations have not been effective", berichtete der Press Trust of India (PTI)

"Auf eine Katastrophe diesen Ausmaßes sind wir nicht vorbereitet," sagte Innenministerr Bam Dev Gautam der Zeitung The Australian. "Wir haben nicht genügend Ressourcen und wir brauchen mehr Zeit um alle Menschen zu erreichen. " das

Die nepalesische Regierung hat angeordnet, dass Privatkrankenhäuser Erdbebenopfer gebührenfrei behandeln. Patienten, die nicht bezahlen konnten wurden nach Angaben des nepalesischen Journalisten Kanak Mani Dixit wieder weggeschickt. Die Regierung drohe damit Krankenhäusern die Lizenz zu entziehen, wenn Erdbebenopfer nicht behandelt werden.

Der Bergsteiger Reinhold Messner forderte, dass die 26 in Nepal verfügbaren Hubschrauber zuerst zur Rettung der nepalesischen Bevölkerung eingesetzt werden sollten, statt Bergsteiger aus dem mit Nahrung und Ärzten ausgestatteten Camp auf dem Mount Everest zu "retten".

"Our thoughts are with the people of Nepal as they deal with the loss of life and devastation caused by Saturday’s earthquake and aftershocks", sagte die UN-Koordinatorin für Humanitäre Hilfe, Valeria Amos

Der nepalesische CBM-Mitarbeiter Mitralal Shrestha berichtete: "Als das Erdbeben begann, saß ich mit meiner Familie gerade beim Mittagessen. Wir rannten hinaus und um unser Leben. 300 Meter von uns entfernt stürzte ein siebenstöckiges Gebäude ein. Wir kümmerten uns um die Verletzten, brachten sie ins Krankenhaus. Die Verletzten lagen reihenweise auf den Fluren und warteten darauf behandelt zu werden."

Nepal zählt zu den 20 ärmsten Ländern der Welt. Der Regierung fehlt es an Mitteln für Katastrophenvorsorge und -hilfe. CBM-Geschäftsführer Brockhaus erklärte: "Wir prüfen derzeit, wie wir über unsere langjährigen bewährten Partner vor Ort am effizientesten Nothilfe leisten können."

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Der Direktor der Caritas Nepal, Pius Perumana, berichtete, dass die Helfer vor großen Herausforderungen stehen: "Der Zugang zu Erdbebenopfern ist vielerorts noch nicht möglich, weil die Straßen blockiert sind. Die Kommunikation ist aufgrund des Stromausfalls schwierig." Die Hilfs- und Rettungseinsätze würden zudem durch schwere Nachbeben beeinträchtigt. Caritas international, das Hilfswerk des Deutschen Caritasverbandes, stellte für die Nothilfe 100.000 Euro bereit.

Die am schwersten betroffene Region zwischen Kathmandu und Pokhara ist das am dichtesten besiedelte Gebiet Nepals. Die Caritas befürchtet deshalb, dass die bislang bekannten Opferzahlen noch ansteigen werden. "Die Rettung von Menschenleben hat jetzt oberste Priorität", so Caritas-Direktor Pius Perumana. "Viele Menschen haben ihr Zuhause verloren und müssen auf offener Straße leben. Wir müssen sie dringend mit Nahrung und Notunterkünften versorgen."

Wie viele Menschen von der Katastrophe betroffen sind, zeigt eine Übersicht von ReliefWeb / UN OCHA:

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Karte im Großformat 

Der Malteser Hilfsdienst bereitet den Transport von über einer halben Tonne Medikamente vor, die von Malteser International als Hilfslieferung für Nepal verschickt werden. Das Material kann zur medizinischen Versorgung von 10.000 Menschen für drei Monate eingesetzt werden. "Insbesondere medizinisches Material wird dort dringend benötigt", berichtete Ingo Radtke, Generalsekretär von Malteser International. Für die Erstversorgung enthalten diese "Emergency Health Kits" daher vor allem Anästhetika, Schmerzmedikation, OP-Ausstattung, Infusionen, Wasserreinigungstabletten und Desinfektionsmittel. Die medizinischen Notfallsets gehen zunächst in ein Zwischenlager bis das Flugzeug für den Transport bereit ist. 

Die Rettungsarbeiten im Erdbebengebiet in Nepal werden immer wieder von schweren Nachbeben erschüttert. Die Menschen haben Angst in ihre Häuser zurückzukehren und irren auf den Straßen umher auf der Suche nach Verwandten und Freunden.

"Wir arbeiten derzeit im Hof unserer Partnerorganisation, da es im Büro bei all den Nachbeben zu gefährlich ist. Die Menschen sind so voller Angst und versuchen bisher vergeblich Kontakt in die ländlichen Gebiete zu ihren Angehörigen zu bekommen", berichtete Barbara Zilly, Landeskoordinatorin der Welthungerhilfe Nepal. "Wir stehen in ständigem Austausch mit unseren Partnern hier vor Ort, um erste Hilfsmaßnahmen einzuleiten. Es braucht behelfsmäßige Unterkünfte, aber auch Nahrungsmittel und Dinge für den täglichen Bedarf. Die Kommunikationsnetze fallen immer wieder aus, Nachrichten versuchen wir per SMS auszutauschen." Das Nothilfeteam der Welthungerhilfe befinde sich mit dem THW und den Maltesern bereits auf dem Weg in das Katastrophengebiet, um die Kollegen vor Ort zu unterstützen.

Das THW hatte bereits am Sonntagmittag ein Vorausteam nach Kathmandu entsandt. Aufgabe des vierköpfigen Teams ist die Unterstützung der Deutschen Botschaft bei der Koordinierung und Lageerkundung sowie die Vorbereitung des Einsatzes. Weitere elf Einsatzkräfte der Schnell-Einsatz-Einheit Wasser Ausland fliegen am Abend ins Einsatzgebiet. Sie sollen zunächst die Lage vor Ort erkunden und mögliche Einsatzorte inklusive Wasserentnahmestellen identifizieren.

Mitarbeiter von World Vision haben am Dienstagnachmittag entlegene Gebiete erreichen können. Das größte Problem bei den Rettungsmaßnahmen ist der extrem schwere Zugang zu den weit verstreuten Siedlungen außerhalb der Hauptstadt Kathmandu. "Selbst wenn die Straßen halbwegs frei sind, so liegen diese Dörfer oft an steilen Abhängen", berichtete World-Vision-Mitarbeiter Matt Darvas. "Eingestürzte Häuser blockieren zudem die Zugänge in die Dörfer. Die Kinder sind hungrig, es fehlen Medikamente und Zelte." In einem Dorf, das Darvas erreichte, sind alle 176 Häuser zerstört, ein Viertel der Bewohner wird noch immer vermisst. Matt Darvas: "Die Zeit wird knapp für Hilfe. Denn selbst wenn die Bewohner Nahrungsmittel in ihren Häusern hatten – sie kommen durch die Trümmeer nicht mehr an ihre Vorräte heran."

Foto: © CBM 

=> UN OCHAReliefWeb | Ushahidi | ICRC Personensuche 
=> Facebook Safety Check | Google Person Finder  | Deutsche Botschaft Kathmandu | Krisenreaktionszentrum Auswärtiges Amt  
=> Nepal-Dossier bei Al Jazeera | 
=> weitere Infos: https://twitter.com/hashtag/Nepal | http://tersee.com/#!q=nepal&t=text | Timeline: Nepal earthquakes | The Guardian: Nepal Eartquake live updates

=> Englisch-sprachige Nepalesische Zeitungen: The Kathmandu Post | Nepali Times


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