Kinder in ?thiopienBerlin/Genf (epo). - Jedes Jahr gleiten 100 Millionen Menschen in die Armut ab, weil sie medizinische Leistungen bezahlen müssen. Weitere 150 Millionen sehen sich gezwungen, nahezu die Hälfte ihres Einkommens für die Gesundheit aufzuwenden. Eine Konferenz zu den sozialen Sicherungssystemen in Entwicklungsländern, die derzeit in Berlin tagt, zeigt auf, dass die Gesundheitsversorgung von Menschen in vielen Ländern nicht durch eine erschwingliche Krankenversicherung oder durch staatlich finanzierte Gesundheitsdienste gesichert ist.

Paradoxerweise leisten die Menschen in den ärmsten Ländern der Welt gemessen an ihrem Einkommen einen höheren Beitrag zur Gesundheitsversorgung als Menschen in den wohlhabenden Industrienationen. In Deutschland zum Beispiel, wo das durchschnittliche Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro Kopf bei 32.860 US-Dollar liegt und fast jeder im Krankheitsfall sozial abgesichert ist, tragen die Haushalte landesweit zehn Prozent aller Gesundheitsausgaben. In der Demokratischen Republik Kongo dagegen, wo das BIP pro Kopf nur 120 US$ beträgt und die Gesundheitsversorgung nur in den wenigsten Fällen durch soziale Sicherungssysteme abgedeckt ist, werden rund 70 Prozent der Ausgaben für medizinische Versorgung direkt von den Haushalten bestritten.

In dieser Woche tagen Fachkräfte aus rund 40 Ländern in Berlin und entwickeln Strategien, wie Länder und ihre Partner solche Katastrophen verhindern können. Die Konferenz wurde einberufen vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO), der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und von der Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) GmbH.

"Ein soziales Gesundheitswesen ist auch in Entwicklungsländern möglich, hat aber bisher nicht die Aufmerksamkeit erhalten, die es verdient. Länder müssen nun damit beginnen, gut organisierte Systeme zu entwickeln, und internationale Geber werden helfen müssen. Es dauert Jahre, bis ein solches System eingerichtet ist, aber wenn wir jetzt anfangen, dann könnten wir bis 2015 - der Zeitvorgabe zur Verwirklichung der Millenniums-Entwicklungsziele - auf gutem Wege sein, Menschen in aller Welt durch eine gerechte Finanzierung des Gesundheitswesens abzusichern", sagte Dr. Timothy Evans, Assistant Director-General for Evidence and Information for Policy der WHO.

In Ländern mit niedrigen Einkommen müssten durchschnittlich rund 35 US$ pro Kopf und Jahr aufgebracht werden, um ein soziales Gesundheitswesen zu finanzieren, das eine medizinische Grundversorgung leisten kann. Davon müssten 15 bis 25 US$ von internationalen Gebern kommen.

Soziale Sicherungssysteme können mehr leisten, als Menschen vor Armut zu schützen - sie können auch Leben retten. "Mindestens 1,3 Milliarden Menschen weltweit fehlt selbst die elementarste Gesundheitsversorgung. Oft liegt es daran, dass sie sich eine solche nicht leisten können. Die Folge davon ist, dass Millionen Menschen jedes Jahr wegen vermeidbarer oder heilbarer Gesundheitsprobleme schwer erkranken oder sterben. So fordern behandelbare Infektionen und vermeidbare Komplikationen in der Schwangerschaft und bei der Geburt mehr als 10 Millionen Todesopfer jährlich", sagt Dr. Rüdiger Krech, der im Bereich Gesundheit, Bildung, Soziale Sicherheit der GTZ für soziale Sicherheit zuständig ist.

"Ein soziales Gesundheitswesen ist nicht nur ein Schlüsselinstrument, um Gesundheitsfürsorge für alle zugänglich zu machen und Millionen Menschen aus der Armut zu befreien. Es ist auch eine Investition in die Gesundheit, Produktivität und Entwicklung - eine Investition, die Vorbedingung ist für internationale Wettbewerbsfähigkeit", sagt Assane Diop, Executive Director der ILO.

Weil sie medizinische Behandlungen selbst bezahlen müssen, verlieren Landwirte ihre Herde und Familien ihr Geschäft. Diese Erfahrung mussten Amos und Gloria Chinwuba vor kurzem machen. Das Ehepaar Chinwuba und seine fünf Kinder lebten in Abakpa (Kenia) komfortabel von den Einnahmen ihrer kleinen Baustoffhandlung. Als bei Gloria ein Notkaiserschnitt vorgenommen werden musste, wurden ihnen plötzlich Rechnungen für medizinische Leistungen in Höhe von 200 US$ vorgelegt - so viel verdienten sie in der Regel in vier Monaten nicht. Weil er die Rechnung nicht in voller Höhe bezahlen konnte, musste Amos dem Krankenhaus sein Motorrad als Sicherheitspfand übergeben. Ohne das Motorrad konnte er kein Material vom Großhändler besorgen, und sein Geschäft kam zum Erliegen. Er musste die Kinder aus der Schule nehmen, weil kein Geld für Schulgebühren und Schuluniformen da war, und die Familie lebt nun von einer Mahlzeit pro Tag.

Einige Länder mit niedrigen Einkommen - unter ihnen Ghana, Ruanda und Senegal - haben bereits versuchsweise innovative Wege zur Absicherung der Menschen gegen die finanziellen Risiken von Gesundheitsproblemen beschritten. Ausgehend von diesen Erfahrungen bieten die GTZ, die ILO und die WHO Ländern, die Pläne für ein soziales Gesundheitswesen entwickeln wollen, direkte technische Hilfe an.

GTZ


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