misereorBerlin. - Das katholische Entwicklungswerk MISEREOR hat am Dienstag dazu aufgerufen, in den Nachbarländern Syriens mehr Gelder für Schulunterricht, Bildungsmaßnahmen und Berufsbildung für Kinder und Jugendliche bereit zu stellen. "Eine der Ursachen, warum immer mehr syrische Flüchtlinge, die Schutz in den Nachbarländern gefunden haben, weiter nach Europa ziehen wollen, ist der mangelnde Zugang zu Schule und Bildung", erklärte MISEREOR-Geschäftsführer Martin Bröckelmann-Simon. 

Von den mehr als vier Millionen Menschen, die aus Syrien geflohen sind, sind MISEREOR zufolge über die Hälfte Kinder und Jugendliche. Die Vereinten Nationen schätzen, dass in den Nachbarländern Syriens zwei Drittel aller Kinder keine Schule besuchen können. Sie gelten damit als Generation ohne Perspektive, ohne Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Eltern sehen dann als letzte Möglichkeit nur noch die weitere Flucht nach Europa, um ihren Kindern dort eine bessere Zukunft zu ermöglichen.

"Aufgrund der dramatischen Unterfinanzierung der Flüchtlingshilfe der Vereinten Nationen sind Bildungsmaßnahmen - wenn überhaupt - nur marginal möglich. Diese werden vor allem durch Nichtregierungsorganisationen übernommen, da auch die Nachbarländer Syriens Irak, Jordanien und Libanon unter einer akuten Finanzkrise leiden", sagte Bröckelmann-Simon. "Wir appellieren daher dringend an die Staaten der Weltgemeinschaft, einen höheren Anteil an den Kosten der Flüchtlingshilfe zu zahlen, damit überhaupt weiter Geld in Schul- und Bildungsmaßnahmen und die Integration in die Schulsysteme der aufnehmenden Länder fließen kann. Die Kinder leiden ohnehin unter dem Verlust an Heimat, an Sicherheit und Alltag. Ohne Schulbildung verlieren sie dann auch noch die Hoffnung auf eine bessere Zukunft", so Bröckelmann-Simon. Darüber hinaus sei die Gefahr der Radikalisierung der Jugendlichen als Folge fehlender Perspektiven hoch.

PERSPEKTIVLOSE GENERATION VON FLÜCHTLINGSKINDERN

Besonders problematisch sei der Bildungsnotstand im Libanon, warnte MISEREOR. Weniger als die Hälfte der Flüchtlingskinder gehe dort zur Schule. Das libanesische Schulwesen, schon vor dem Syrienkrieg dringend reformwürdig, sei durch die Ankunft von über 350.000 Kindern im schulfähigen Alter hoffnungslos überlastet. Die Auswirkungen seien verheerend. Kinderarbeit, Kriminalität und Radikalisierung seien Wegbereiter für eine perspektivlose und zerrüttete Generation von morgen. MISEREOR unterstützt im Libanon mehrere Projekte, unter anderem im syrischen Grenzgebiet, aber auch in Beirut und den palästinensischen Flüchtlingslagern.

Insgesamt finanziert MISEREOR aktuell in Syrien und den Nachbarländern Libanon, Irak und Jordanien 12 Projekte in Höhe von über 3,7 Millionen Euro im Bildungsbereich. Darunter zählen die Finanzierung von Lehrpersonal, Schulmaterialien, Sprachkursen, Schulessen, Förderunterricht, berufliche Bildung, psychosoziale Unterstützung und Vermittlung von Arbeitsstellen. Weitere Bildungsvorhaben in der Region befinden sich derzeit in der konkreten Planung.

Quelle: www.misereor.de 


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