Strassenkinder in Haiti. Foto: SalesianerPort-au-Prince (epo). - Die für den 8. Januar 2006 geplanten Wahlen in Haiti sind erneut auf einen späteren Zeitpunkt verlegt worden. Dies teilte der Vorsitzende des Wahlrates CEP am Wochenende in der haitianischen Hauptstadt Port-au-Prince mit. Als Grund für die bisher fünfte Verschiebung wurde angegeben, dass die meisten Wahlzettel und Ausweise noch nicht bei den Wahlberechtigten angekommen seien.

"In Haiti herrschen Gewalt und Anarchie, weil niemand das Land regiert", erklärte Pater Jacques Charles vom katholischen Orden der Salesianer Don Boscos, der seit 30 Jahren in Haiti Schul- und Berufsbildung für Straßenkinder organisiert. Überfälle, Entführungen und Morde an Zivilisten seien in Port-au-Prince an der Tagesordnung, obwohl erst im Juli die Zahl der Blauhelm-Soldaten auf 7.400 aufgestockt worden war.

"Zwischen Weihnachten und Neujahr sind zahlreiche Menschen entführt worden, darunter auch Kinder. Können die Eltern nicht zahlen, bringt man sie um", so Charles. Auch Mitarbeiter von Hilfsorganisationen seien nicht sicher. Im Dezember sei ein Mitarbeiter des Ordens vor dem Eingang zum Straßenkinderzentrum in Port-au-Prince entführt und nur nach Zahlung eines Lösegelds wieder frei gelassen worden, so der Priester.

UN-MANDAT REICHT NICHT AUS

Die Armenviertel von Port-au-Prince wie Bel Air oder Cit? Soleil sind nach Angaben der Salesianer von jugendlichen Gangs abgeriegelt, sämtliche Straßen im Zentrum leer gefegt und Geschäfte geschlossen. "Die Menschen haben Todesangst. Jeder überlegt zehn Mal, bevor er sein Haus verlässt."  Die UN-Schutztruppe MINUSTAH trage kaum zur öffentlichen Sicherheit bei, weil ihr Mandat nicht ausreiche, kritisierte der Priester. "Die Aufgabe der UN-Truppen lautet: Den Frieden aufrecht erhalten. Aber hier herrscht kein Frieden, sondern Krieg."

Strassenkinder in Haiti. Foto: Salesianer
Straßenkinder im Jugendzentrum der Salesianer
? Don Bosco Mission

Derzeit wird Haiti von Übergangspräsident G?rard Latortue verwaltet, der im Februar sein Amt für eine neue Regierung räumen soll. Pater Jacques Charles bezweifelt, dass die Situation sich durch Neuwahlen verbessert. "Es besteht die Gefahr, dass der Präsident auswechselt wird, aber alles beim Alten bleibt. In Haiti gibt es keine Infrastruktur, keine funktionierenden Ministerien und keine fähigen Beamten. Wie soll ein neuer Präsident das Land allein regieren?"

Die gesamte Verwaltung und vor allem das Justiz-, Gesundheits- und Bildungssystem Haitis müssten neu aufgebaut werden, so der Priester. Wichtig sei dabei die schnelle und effektive Hilfe der internationalen Gemeinschaft. Darüber hinaus sollten die UN-Truppen direkt eingreifen und die "Chimären" - jugendliche Gangmitglieder - konsequent entwaffnen dürfen. Und länger im Land bleiben, denn das UNO-Mandat endet im Februar 2006. "Die internationale Gemeinschaft muss Haiti auch in Zukunft unterstützen. Sonst waren alle bisherigen Anstrengungen vergeblich", sagte Charles.

Die "Salesianer Don Boscos" sind ein katholischer Orden, gegründet 1854 von dem italienischen Priester Johannes Bosco (1815-1888). In 132 Ländern der Welt unterstützt die Ordensgemeinschaft arme und sozial benachteiligte Jugendliche durch Schulunterricht, Berufsbildung und Jugendarbeit. In Haiti leiten die Salesianer in Port-au-Prince, Petion-Ville, Les Cayes und Cap Haitien Slumschulen, Straßenkinderzentren sowie Ausbildungswerkstätten für mittellose Jugendliche.

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