Bern. - Die Klima-Allianz Schweiz hat das vom Bundesrat vorgeschlagene CO2-Gesetz am Dienstag abgelehnt. Es enthält weder die Zielsetzungen des Pariser Klimaabkommens noch adäquate Umset­zungsmassnahmen. Für eine angemessene Umsetzung muss die wohlhabende Schweiz ihre Ambitionen verdoppeln. Und zwar in allen Sektoren. In den nächsten Tagen endet die Vernehmlassung des neuen Schweizer Klimagesetzes.

Alle Mitgliedstaaten müssen derzeit das Pariser Klimaabkommen mit nationalen Regeln beleben. Auch die Schweiz. Am 30. November endet die Vernehmlassung des neuen Klimagesetzes der Schweiz. Der Bundesrat ignoriere in seinem Vorschlag die Zielsetzungen von Paris: Dass die Erderwärmung deutlich unter 2 bzw. möglichst unter 1.5 Grad Celsius zu beschränken ist, lässt er aus, kritisiert die Klima-Allianz. Die Zielsetzung, die Emissionen möglichst schnell zu ver­ringern und mittelfristig auf netto Null zu stabilisieren, findet sich ebenfalls nicht im Ge­setzesentwurf. Der Bundesrat setzt zwar ein Reduktionsziel der Inlandemissionen von minus 30 Prozent (im Vergleich zu 1990), nötig wären zur Erreichung der Pariser Klima­ziele aber minus 60 Prozent. Auch die Emissionsreduktionen im Ausland können dieses Manko nicht wettmachen: Reduktionen im Ausland sind zwar unentbehrlich, weil durch den Konsum von importierten Gütern ausserhalb der Grenzen Emissionen verursacht werden. Anstrengungen zur Reduktionsminderung im Inland können und dürfen sie aber nicht ersetzen.

Was das neue CO2-Gesetz der Schweiz definiert, ist wenig fortschrittlich; es enthält bloss minimale Nachsteuerungen: So wird der Verkehr, der relevanteste Sektor im Inland, mit zu wenig griffigen Massnahmen verschont. Das erfolgreiche Gebäudeprogramm wird er­satzlos gestrichen. Ein subsidiäres Verbot der besonders klimaschädlichen fossilen Hei­zungen sieht der Bundesrat nur als Notmassnahme vor, und viel zu spät. Weiter lässt der Bundesrat Vorschläge aus, wie die Ärmsten und am stärksten vom Klimawandel betroffe­nen Bevölkerungen durch Finanz- und andere Mittel unterstützt werden sollen. "Hier tappt der Bundesrat noch immer im Dunkeln", so Jürg Staudenmann, verantwortlich für Klimapolitik bei Alliance Sud und Co-Koordinator der Klima-Allianz. "Obwohl in den Er­läuterungen zur CO2-Gesetzesvorlage anerkannt wird, dass die Schweiz bis 2020 mit an­steigenden Zahlungen an das internationale Klimaregime von bis zu 1.1 Milliarden Fran­ken pro Jahr zu rechnen habe, fehlen jegliche Instrumente zur Mobilisierung dieser Gel­der". Auch aus diesem Grund beurteilt die Klima-Allianz die Vorlage als komplett un­genügend.

Am vergangen Klimagipfel in Marokko waren sich alle Länder einig: Um den Klimawandel zu verhindern, müssen wir noch vor 2050 aus den fossilen Energien aussteigen. Der Um­stieg auf eine effiziente, erneuerbare und im Inland angesiedelte Energieversorgung wird sich sowohl klimatisch wie ökonomisch voll auszahlen, weil das Geld dann in der Schweiz bleibt statt für Erdöl-Importe ins Ausland zu fliessen. "Doch ohne griffiges CO₂-Gesetz können wir nicht von diesen Vorteilen im Klimaschutz profitieren und schieben die Ver­antwortung für eine saubere Zukunft einfach anderen zu", sagte Georg Klingler, Leiter Klima bei Greenpeace und Co-Koordinator der Klima-Allianz. Philip Gehri, Projektleiter Klima und Energie beim WWF Schweiz ergänzte, dass "eine ambitionierte Klimapolitik kurzfristig nicht der bequemste Weg ist. Doch nichts dürfte so unbequem sein wie ein ungebremster Klimawandel."

Quelle: alliancesud.ch


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