gfbv 200Göttingen. - Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) hat am Mittwoch davor gewarnt, vorschnell den Kampf gegen die Terrorgruppe Boko Haram in Nigeria und seinen Nachbarländern für beendet zu erklären. "Die radikal-islamische Terrororganisation ist zwar stark geschwächt, aber noch immer äußerst gefährlich", erklärte der GfbV-Afrikareferent Ulrich Delius in Göttingen.

Nachdrücklich forderte der Menschenrechtler, die schwierige Lage der Zivilbevölkerung im Kampf gegen Boko Haram stärker zu berücksichtigen. „Nigerias Nordosten braucht nicht nur dringend mehr humanitäre Hilfe, sondern dem Schutz der Zivilbevölkerung muss im Antiterror-Kampf mehr Vorrang eingeräumt werden.“

Mehrfach hatten führende nigerianische Politiker und Militärs in den vergangenen Wochen Boko Haram für besiegt erklärt. Doch am Montagabend überfielen Boko-Haram-Kämpfer das Dorf Dzaku im Bundesstaat Borno, töteten acht Bewohner und entführten ein Dutzend Frauen und Kinder. Am 16. Januar 2017 hatte ein sieben Jahre altes Kind einen Terroranschlag in der Moschee der Universität Maiduguri verübt, bei dem vier Menschen getötet wurden. Seit Anfang Dezember 2016 sind mehr als 150 Menschen aufgrund des Terrors von Boko Haram gestorben.

Doch auch die Sicherheitskräfte setzen die Zivilbevölkerung großen Gefahren aus. So blieb Nigerias Luftwaffe bis heute jede Information darüber schuldig, welche Folgen ihre Bombardements im Nordosten des Landes für Zivilisten hatten, so die GfbV. Nach Informationen des Verteidigungsministeriums Nigerias flog die Luftwaffe 2.105 Einsätze in dem Konfliktgebiet im Jahr 2016. Besonders dramatisch war die Lage im April/Mai 2016, als Kampflugzeuge während 23 Tagen massiv mutmaßliche Stellungen von Boko Haram angriffen. Zehntausende Zivilisten flohen damals vor den großflächigen Bombardements, berichtete die GfbV.

"Wir gehen davon aus, dass die rücksichtslose Kriegsführung der nigerianischen Sicherheitskräfte indirekt den Tod zahlloser Zivilisten verursachte. Doch niemand wird dafür in Nigeria zur Rechenschaft gezogen", kritisierte Delius. „Seit der Eskalation der Gewalt im Jahr 2011 werden die Belange der Zivilbevölkerung von den Behörden systematisch missachtet und dem bewaffneten Kampf gegen die Terrorgruppe untergeordnet.“ Auch humanitären Helfern wurde oft der Zugang zur Notleidenden verweigert.

Quelle: gfbv.de


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