tdfBerlin. - In Deutschland leben rund 48.000 Mädchen und Frauen, die von weiblicher Genitalverstümmelung (Female Genital Mutilation, FGM) betroffen sind. Dies geht aus der neuesten "Empirischen Studie zu weiblicher Genitalverstümmelung" hervor, die anlässlich des "Null-Toleranz-Tages" gegen weibliche Genitalverstümmelung am Montag im Bundesfamilienministerium in Berlin vorgestellt wurde.

"Weibliche Genitalverstümmelung ist eine schwere Menschenrechtsverletzung, an der die meisten Frauen ein Leben lang leiden. Wir fordern, dass alle Regierungen weltweit diesen Eingriff in die Unversehrtheit von Mädchen und Frauen gesetzlich verbieten und aktiv bekämpfen", erklärte Christa Stolle, Bundesgeschäftsführerin von TERRE DES FEMMES.

"Die weibliche Genitalverstümmelung ist eine schwere Menschenrechtsverletzung. Sie verursacht unfassbare körperliche Qualen und seelisches Leid. Die Studie zeigt, dass das Thema auch bei uns in Deutschland hochaktuell ist – gerade auch vor dem Hintergrund von Flucht und Migration. Deshalb müssen wir handeln: Mit Aufklärung, Prävention und Strafverfolgung", sagte Ralf Kleindiek, Staatssekretär im Bundesfamilienministerium.

Doch mit gesetzlichen Maßnahmen alleine ist es nicht getan, so TERRE DES FEMMES. Deshalb beteiligt sich die Frauenrechtsorganisation an den zwei europäischen Projekten "United to End FGM" und "CHANGE Plus". Sie werden im Rahmen des Rights, Equality and Citizenship Programms der EU finanziert.

Beim EU-Projekt "CHANGE Plus" bildet TERRE DES FEMMES mit sieben Partnerorganisationen europaweit CHANGE Agents aus. Sie agieren als MultiplikatorInnen und sollen in ihren Familien und Communities über FGM aufklären und sollen so dazu beitragen, dass FGM nicht mehr praktiziert wird. Tiranke Diallo ist eine von sechs CHANGE Agents, die TERRE DES FEMMES in Berlin trainiert hat. Nach der theoretischen Ausbildung im vergangenen Jahr setzt sie ihr Wissen nun bei Aufklärungstreffen in ihren Communities ein. Die Mutter einer kleinen Tochter möchte, dass kein Mädchen mehr beschnitten wird. "Wir müssen diese Tradition aus den Köpfen bringen, damit weibliche Genitalverstümmelung nicht mehr praktiziert wird", sagt sie.

Eine Schlüsselrolle bei der Prävention und Unterstützung von betroffenen Frauen spielt das Fachpersonal. An das wendet sich die von TERRE DES FEMMES gemeinsam mit elf europäischen Partnerorganisationen entwickelte Wissensplattform "United to End FGM". Ziel der neunsprachigen Plattform ist es, das Wissen über FGM unter Fachkräften aus verschiedenen Bereichen, wie etwa Gesundheit, Asyl, Justiz, Strafverfolgung/Polizei, Bildung, Sozialdienst und Kinderschutz sowie Medien zu verbessern. Die Wissensplattform umfasst: einen E-Learning-Kurs, der in neun Sprachen verfügbar ist, länderspezifische Informationen zu elf EU-Mitgliedsstaaten sowie interaktive Zusatzangebote wie Webinars und ein Online-Diskussionsforum. Der Onlinekurs ist ab sofort kostenlos auf Deutsch, Englisch, Französisch und in sechs weiteren Sprachen verfügbar.

Quelle: www.frauenrechte.de 


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