oneBerlin. - Im Vorfeld der Münchner Sicherheitskonferenz und der Osloer Geberkonferenz für die Tschadseeregion beginnt am Donnerstag das zweitägige Treffen der G20-Außenminister in Bonn. Für die Bundesregierung als Gastgeberin des diesjährigen G20-Gipfels ist die wirtschaftliche Zusammenarbeit mit Afrika ein Themenschwerpunkt. Die entwicklungspolitische Lobbyorganisation ONE fordert eine neue Partnerschaft mit Afrika.

"Wir begrüßen, dass Deutschland Afrika ganz oben auf die Agenda seiner G20-Präsidentschaft setzt", sagte Stephan Exo-Kreischer, Deutschland-Direktor von ONE. "Afrikas Bevölkerung wird sich bis 2050 auf über zwei Milliarden Menschen verdoppeln. Das kann ein großes Risiko oder eine Riesenchance sein – dies hängt auch davon, ob die G20 jetzt die richtigen Maßnahmen ergreifen. Wenn die G20 und die afrikanischen Staats- und Regierungschefs nun die richtigen Weichen stellen, können sie den Bevölkerungsboom positiv gestalten und in eine demographische Dividende verwandeln. Ob die Menschen, die heute geboren werden, in Zukunft Frust oder Perspektiven und Arbeit vorfinden werden, entscheidet über die Zukunft Afrikas. Wir haben jetzt eine historische Chance."

Um die Verdoppelung der Bevölkerung in Afrika positiv zu gestalten und die demografische Dividende zu nutzen, fordert ONE, dass die G20 ihre Mittel zur öffentlichen Entwicklungsfinanzierung (ODF, Official Development Finance) für Afrika ebenfalls verdoppeln – von derzeit rund 60 Milliarden US-Dollar auf 120 Milliarden US-Dollar bis 2020. Dazu zählten neben der klassischen Entwicklungshilfe (ODA, Official Development Aid) auch Investitions- sowie Kredithilfen zu günstigen Konditionen. Gleichzeitig müssten die G20 Maßnahmen gegen Steuertricks, Geldwäsche und Korruption ergreifen. Derzeit entgehen afrikanischen Volkswirtschaften jährlich etwa 89 Milliarden US-Dollar durch illegale Finanzströme, so ONE.

Bei den Investitionen sollten sich die G20-Staaten aus der Sicht von ONE auf drei Schwerpunkte konzentrieren: Bildung, Beschäftigung und Beteiligung. Dazu sagte Exo-Kreischer: "Bildung ist der Schlüssel zu sozialem und ökonomischem Aufstieg. Insbesondere Frauen und Mädchen müssen unterstützt werden. Sie sind nicht nur am stärksten von extremer Armut betroffen, sondern haben auch das größte Potential, diese zu beenden. Mehr Bildungsangebote mindern das Risiko von Konflikten signifikant, insbesondere, wenn zudem Perspektiven für Beschäftigung und gesellschaftlicher Teilhabe geschaffen werden."

ONE fordert, dass vor allem die am wenigsten entwickelten Länder (LDCs, Least Developed Countries) sowie fragile Staaten unterstützt werden. Die Notlage in der Tschadseeregion, in der Millionen Menschen auf der Flucht und auf Nothilfe angewiesen sind, zeige die Dringlichkeit einer groß angelegten internationalen Reaktion. Die Osloer Geberkonferenz für die Tschadseeregion, die kommende Woche von der Bundesregierung mitveranstaltet wird, müsse genügend Mittel akquirieren, um den 8,2 Millionen Menschen, die unter der humanitären Notlage leiden, zu helfen. Langfristig sei jedoch wichtig, dass die Ursachen für die Krise bekämpft und den Teufelskreis aus Armut und Instabilität durchbrochen werden kann. Die G20 sollten deshalb einen Compact mit der Tschadseeregion initiieren.

Das Bonner G20-Außenministertreffen ist eines von drei Treffen, die in den kommenden zehn Tagen stattfinden und "richtungsweisend für eine neue Partnerschaft mit Afrika sein werden", so ONE: Am kommenden Wochenende findet die Münchner Sicherheitskonferenz statt, bei der U2-Sänger und ONE-Mitbegründer Bono sprechen wird. Er will dafür werben, dass Stabilität und Wohlstand in Afrika nur mit klugen Entwicklungsinvestitionen erreicht werden können. Entwicklungspolitik muss ein essentieller Bestandteil globaler Außen- und Sicherheitspolitik sein. In München wird Bono begleitet von einer Delegation von ONE.

Zudem findet am 24. Februar die Osloer Geberkonferenz für die Tschadseeregion statt. Um die Vertriebenen vor Ort mit notwendiger Hilfe zu versorgen, werden 2017 rund 1,5 Milliarden US-Dollar benötigt. Im vergangenen Jahr seien lediglich 52 Prozent der benötigten Mittel für die Nothilfe in Nigeria durch die internationale Gemeinschaft finanziert worden, berichtete ONE. In Teilen des Bundesstaates Borno in Nordost-Nigeria seien Medienberichten zufolge bereits Hungersnöte aufgetreten. Hinzu komme, dass Nigeria das Land mit der höchsten Rate an Kindern ist, die keine Schule besuchen können. 2017 seien die G20-Staaten dringend zum Handeln aufgefordert: Als Teil eines "G20 Compacts" mit der Tschadseeregion fordert ONE die Finanzierung der akuten Nothilfe sowie Investitionen in nachhaltige entwicklungspolitische Maßnahmen, die Bildung, Beschäftigung und Beteiligung in den Fokus setzen.

Quelle: www.one.org 


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