unite to end TBWürzburg. - Rund 10,4 Millionen Menschen sind im Jahr 2015 an Tuberkulose erkrankt, fast 1,8 Millionen daran gestorben. Auf diese traurige Bilanz der Weltgesundheitsorganisation (WHO) haben die DAHW Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe und die Deutsche Stiftung Weltbevölkerung zum Welt-Tuberkulosetag am 24. März hingewiesen. Die DAHW fordert von den Regierungen der reichen Länder, mehr in Forschung zu investieren. Medikamente müssten für Menschen in armen Ländern bezahlbar sein.

Fast 5.000 Menschen sterben jeden Tag an Tbc, mehr als an HIV und Malaria zusammen. Die Zahl der neu erkrankten Patienten ist um 800.000 auf nunmehr 10,4 Millionen gestiegen. 580.000 sind an resistenten Formen der Tbc erkrankt, fast 1,2 Millionen waren gleichzeitig mit HIV infiziert.

Die DAHW Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe warnt bereits seit einigen Jahren vor dieser gefährlichen Entwicklung, die nach vier Jahren langsamer Steigerungen nun gefährlichen Schwung aufgenommen habe. In vielen der am stärksten betroffenen Ländern fehlten flächendeckende Tbc-Kontrolle und Prävention.

Besonders in den riesigen Slums Südost-Asiens stecken sich immer mehr Menschen mit der tödlichen Krankheit an: Mehr als die Hälfte der neuen Patienten (5,7 Mio.) lebt in diesen Ländern. Diese haben oftmals keinen Zugang zu bezahlbarer medizinischer Versorgung, durch die schlechten räumlichen und hygienischen Zustände und die oft mangelhafte Situation der Ernährung bricht die Krankheit auch schnell aus.

Experten der DAHW fordern die Entwicklung eines zuverlässigen Impfstoffs sowie wirksamer und bezahlbarer Medikamente gegen die resistenten Formen der Tbc. Die Regierungen der reichen Länder müssten gezielt die Forschung unterstützen und gleichzeitig dafür sorgen, dass die daraus entwickelten Medikamente in armen Ländern bezahlbar sind. Dort scheitere die Therapie von Patienten mit multiresistenter Tbc (MDR-TB) immer noch zu oft an den hohen Kosten.

Die stark steigende Zahl von Resistenzen ist neben der Tbc/HIV-Koinfektion auch das größte Problem: Rund die Hälfte aller Patienten stammt aus Indien, China und Russland. In osteuropäischen Ländern wie Ukraine, Weißrussland oder Moldawien sind rund ein Drittel aller Patienten an resistenter Tbc erkrankt, bis hin zur total resistenten Form (XDR-TB), gegen die es kein bekanntes Medikament gibt.

Bei dieser Entwicklung werde es schon in wenigen Jahren keine funktionierende Behandlung mehr geben, wenn keine neuen Möglichkeiten erforscht werden, warnt die DAHW. Dann werde – wie in den Nachkriegsjahren auch in Deutschland – das Überleben zur Glücksache: Ohne Behandlung stirbt jeder zweite Patient, von den Überlebenden wiederum wird die Hälfte bleibende Schäden behalten. Die Möglichkeit der Liege- und Frischluftkuren, wie von Thomas Mann im Roman Zauberberg beschrieben, sind allerdings keine Therapien. Sie dienten lediglich dazu, Tbc-Kranke zu isolieren, um das Infektionsrisiko zu senken.

Die DAHW füllt Lücken in den Gesundheitssystemen, besonders bei den Krankheiten der Armut wie Lepra und Tbc. Dafür unterstützt die DAHW im laufenden Jahr 151 Projekte und Programme in 20 Ländern mit rund 12,2 Mio. Euro.

Renate Bähr, Geschäftsführerin der Deutschen Stiftung Weltbevölkerung sagte: "Die meisten Tuberkulose-Todesfälle wären vermeidbar, wenn mehr in die Forschung und Entwicklung von wirksamen Impfstoffen, verbesserten Diagnosetechniken und Medikamenten investiert würde. Vermehrte Investitionen sind auch deshalb dringend nötig, weil die Standardmedikamente gegen Tuberkulose häufig nicht mehr wirken: Allein im Jahr 2015 gab es 580.000 Fälle von antimikrobiellen Resistenzen. Für viele von ihnen bedeutet das den Tod. Pro Jahr wären für die Forschung und Entwicklung zur Tuberkulose-Bekämpfung rund zwei Milliarden US-Dollar erforderlich – derzeit steht jedoch mit nur 0,7 Milliarden US-Dollar noch nicht einmal die Hälfte der Mittel zur Verfügung."

Quelle: www.dahw.de  / dsw.org


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