amerika 21Brüssel. - Die EU-Kommission hat ungeachtet heftiger Kritik dem Erwerb des Schweizer Syngenta-Agrakonzerns, durch die chinesische Firma Chemchina zu einem Kaufpreis von 43 Milliarden US-Dollar zugestimmt. Die Fusion und die Kontrolle des weltweiten Saatgut- und Agrarmarktes gefährdet laut Amigos de la Tierra jedoch die Ernährungssouveränität, die kleinbäuerliche Landwirtschaft, die Ernährung und ökologische Integrität von Milliarden von Menschen. Das hat amerika21 am Mittwoch berichtet.

Seit Jahren hatten unzählige Umwelt-, Bauern- und Entwicklungsorganisationen wie Grain, Friends of the Earth, der Dachverband kleinbäuerlicher Organisationen "La Via Campesina" und das Netzwerk für ein Gentechnik-freies Lateinamerika die EU-Kommission vor der Fusion gewarnt, weil sie die globale Machtkonzentration im Saatgut- und Pestizidmarkt einerseits (93 Milliarden US-Dollar Umsatz jährlich) und Düngemittelsektor (193 Milliarden Jahresumsatz) auf die Spitze treibe. Syngenta ist weltweit einer der größten Konzerne im Agrargeschäft, ChemChina eines der größten Chemieunternehmen in der Volksrepublik China.

Syngenta-Chemchina konkurriert mit dem unlängst fusionierten Unternehmen Bayer-Monsanto um den Platz als weltgrößter Agrarkonzern. Bereits Ende März 2017 hatte die EU-Kommission auch die Fusion der US-Chemiegiganten Dupont und Dow-Chemicals unter Auflagen erlaubt. Bei diesen Konzernen konzentrieren sich seit bereits einem Jahrzehnt 75 Prozent der weltweiten Agrarchemieverkäufe sowie rund zwei Drittel des globalen Saatgutkommerzes. Zivilgesellschaftliche Organisationen fordern deshalb, das Wettbewerbsrecht zu verschärfen und die Fusionskontrolle zu verbessern.

Syngenta ist der weltgrößte Pestizidproduzent, der unter anderem die hoch giftigen Agrargifte Atrazin und Paraquat herstellt und in vielen lateinamerikanischen Ländern als "Lösungen" gegen Wildkräuter vertreibt und bewirbt. Pestizide greifen bei lebenden Organismen in lebenswichtige Stoffwechselvorgänge ein. Neben den beabsichtigten "Schädlingen" werden auch wild lebende Tiere und Pflanzen, Nutztiere und -pflanzen wie auch Menschen beeinträchtigt, bei denen ein Kontakt mit Pestiziden zu Vergiftungen und Krankheiten führen kann.

Viele Wissenschaftler warnen vor dem Herbizid Atrazin wegen schwerwiegender Schäden für Ökosysteme sowie die Gesundheit von Mensch und Tier: Es beeinträchtige die Fruchtbarkeit und steigere das Risiko von Fehlgeburten und Krebserkrankungen.

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Quelle: amerika21.de


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