oneBerlin. -  Anlässlich des Weltwirtschaftsforums für Afrika (World Economic Forum on Africa, WEFA) im südafrikanischen Durban hat die Lobbyorganisation ONE hat die Bundesregierung aufgefordert ihre verschiedenen Afrika-Initiativen koordinieren. Nur so könne eine erfolgreiche G20-Präsidentschaft gewährleisten werden, sondern auch ein nachhaltiges Wirtschaftswachstum in Afrika ermöglicht werden, von dem alle profitieren.

Stephan Exo-Kreischer, Deutschland-Direktor von ONE sagte: "Afrikas Bevölkerung wird sich bis 2050 auf 2,5 Milliarden Menschen verdoppeln. Dies kann eine Riesenchance sein - wenn die G20 und die afrikanischen Partnerstaaten eng zusammenarbeiten, um das rasante Bevölkerungswachstum positiv zu gestalten und eine demografische Dividende für Afrika zu erzielen. Die aktuellen Hungersnöte zeigen leider nur zu deutlich, was passieren kann, wenn Entwicklung ausbleibt. Neben der akuten Nothilfe benötigen wir dringend Investitionen in Bildung, Beschäftigung und Beteiligung, um der afrikanischen Jugend Perspektiven zu schaffen. Das ist die Basis für ein nachhaltiges und inklusives Wirtschaftswachstum in Afrika."

Bildung ist die Voraussetzung sowohl für Beschäftigung als auch Beteiligung. Weltweit haben immer noch 130 Millionen Mädchen keinen Zugang zu Bildung, davon 51 Millionen in Afrika. Sie müssen deswegen im Zentrum der Bemühungen zur Stärkung des Bildungssektors stehen. Konkret fordert ONE, dass:

  • die Geberländer ihre bildungsbezogene Entwicklungshilfe (ODA) bis 2020  von 13 Milliarden auf 26 Milliarden Euro verdoppeln,
  • Länder mit niedrigem und niedrig-mittlerem Einkommen die eigenen staatlichen Bildungsausgaben auf einen Anteil von 5,8 Prozent ihrer Wirtschaftsleistung steigern,
  • Empfängerländer Reformen durchführen, um Bildungsbarrieren für Mädchen zu beseitigen,
  • die G20 in diesem Jahr die Weltbank und regionale Entwicklungsbanken auffordern, einen innovativen Finanzierungsmechanismus aufzubauen, um globale Bildungsinvestitionen in einer dem Bedarf angemessenen Höhe zu tätigen.

Deutschland als Gastgeber des diesjährigen G20-Gipfels hat das Thema Afrika oben auf die Agenda gesetzt. Mit den 'Compacts with Africa' (Finanzministerium), dem 'Marshall-Plan für Afrika' (Entwicklungsministerium) und der 'Pro!Afrika-Initiative' (Wirtschaftsministerium) präsentiert die Bundesregierung drei verschiedene Strategien für eine engere Zusammenarbeit mit Afrika, die nicht gut miteinander abgestimmt scheinen. Exo-Kreischer sagte:  "Wir begrüßen, dass die Bundesregierung das Potential einer stärkeren Kooperation mit unserem afrikanischen Nachbarkontinent erkennt und viele Ministerien in dieser vertieften Zusammenarbeit beteiligt sind. Es fehlt allerdings eine übergeordnete stimmige Strategie der Bundesregierung. An ihr müsste sich die inhaltliche Schwerpunktsetzung der Initiativen orientieren und die bisher mangelnde Abstimmung zwischen den Ministerien verbessert werden. Es liegt jetzt an der Bundeskanzlerin und G20-Präsidentin Angela Merkel: Wir brauchen eine  kohärente Afrika-Strategie, welche die afrikanischen Partnerländer auf Augenhöhe einbezieht."

 "Wenn Schäubles 'Compact with Africa' sowohl für Afrika als auch die G20 ein Erfolg werden soll, müssen sie Schlüsselstaaten wie Nigeria sowie fragile Staaten generell mit einschließen", sagte Exo-Kreischer. "Über 40 Prozent der Menschen, die extreme Armut erleiden, leben in fragilen Staaten. Handeln wir nicht umgehend, wird sich der Anteil der extrem Armen in fragilen Staaten verdoppeln. Das wirft diese Länder nicht nur weiter zurück, es bedeutet auch eine wachsende Gefahr für die politische und wirtschaftliche Stabilität der jeweiligen Nachbarländer.“ Darüber hinaus fordert ONE einen wirksamen Mechanismus für die Fortsetzung der „Compacts with Afrika“ nach Ender der deutschen G20-Präsidentschaft. „Andernfalls sind sie nicht mehr als ein Papiertiger", so Exo-Kreischer.

Quelle: one.org/de


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