Frankfurt. - Im Karibikstaat Dominikanische Republik steht  die Deutsche Bank an der Spitze eines Finanzkonsortiums für zwei neue Kohlekraftwerke im Ort Punta Catalina. Die Bauaufträge für das 2 Milliarden US-Dollar teure Projekt hat der brasilianische Konzern Odebrecht erhalten. Diesem wird, laut Bank Track Bestechung im Bieterprozess vorgeworfen, sein Angebot gilt als massiv überteuert. Vertreter der Organisationen urgewald, Banktrack und CNLCC (Dom. Republik) fordern von der Deutschen Bank, aus dem Projekt auszusteigen.

Laut Bank Track hat Odebrecht am 21.12.2016 vor einem New Yorker Gericht zugegeben, 92 Mio. US-Dollar an dominikanische Beamte und Mittelsmänner gezahlt zu haben, um sich Aufträge für verschiedene Infrastrukturprojekte zwischen 2001 und 2014 zu sichern. Inwieweit dies auch Zahlungen für Punta Catalina betrifft, wird derzeit untersucht. Die Fälle reihen sich, nach Angaben der NGOs ein in einen größeren Schmiergeldskandal Odebrechts, der zwölf Länder Lateinamerikas umfasst.

Die Deutsche Bank hat sich zum Kampf gegen Korruption bekannt: als Unterzeichner des Global Compact, einem von den UN initiierten Pakt für verantwortliche Unternehmensführung, und in einem eigenen Compliance-Programm. "Für Punta Catalina darf kein weiteres Geld fließen. Ansonsten droht ein neues Reputations- und Umwelt-Desaster. Hier kann die Deutsche Bank beweisen, wie wichtig ihr Gesetzestreue in den von ihr finanzierten Projekten ist", sagte Regine Richter von der Umweltorganisation urgewald.

Wie stark die Kraftwerke künftig der Umwelt schaden würden, wird Enrique de León von der Klimaschutzorganisation CNLCC auf der Hauptversammlung am Donnerstag schildern: "Mein Land ist mit einem Überfluss erneuerbarer Energiequellen gesegnet. Statt hier einen positiven Beitrag zu leisten, nimmt die Deutsche Bank uns mit den neuen Kohlekraftwerken über Jahrzehnte in fossile Geiselhaft. Der Korruptionsskandal bei Odebrecht bietet der Bank eine gute Gelegenheit, um aus diesem schmutzigen Projekt auszusteigen." Die Punta-Catalina-Kraftwerke würden pro Jahr über 6 Mio. Tonnen Kohlendioxid ausstoßen und so den CO2-Ausstoß der Dominikanischen Republik um 20 Prozent erhöhen, berichtet CNLCC.

Laut einer neuen Richtlinie will die Deutsche Bank künftig keine neuen Kohlekraftwerke wie Punta Catalina finanzieren. Dies gilt jedoch nicht für Firmen, die diese Kraftwerke bauen sowie für weitere klimaschädliche Geschäfte. Greig Aitken, Kohleexperte des NGO Netzwerks BankTrack, kommentierte: "Um das Klimaziel von Paris zu erreichen und nicht weiter anderen Banken beim Klimaschutz hinterherzuhinken, muss die Bank deutlich ambitionierter werden. Aus Punta Catalina sollte sie sich schon allein aufgrund der rechtlichen Untiefen schleunigst zurückziehen."

Quelle: banktrack.org / urgewald.org


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