gfbvGöttingen. - Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) warnt vor dem wachsenden Einfluss radikaler Islamisten in Mali. "In der Mitte und im Norden des westafrikanischen Landes schüchtern extremistische Terrorgruppen die Zivilbevölkerung massiv ein und bedrängen die Armee und UN-Friedenstruppen immer stärker. So verbieten sie den Verkauf von Zigaretten oder das Fußballspielen und verbannen unverheiratete Paare aus der Öffentlichkeit", berichtete GfbV-Afrikaexperte Ulrich Delius am Donnerstag in Göttingen.

Am Dienstag wurde nach Angaben der GfbV im Norden des Landes ein unverheiratetes Paar von extremistischen Islamisten gesteinigt. Seit Jahresbeginn habe sich die Sicherheitslage im Norden und im Zentrum Malis deutlich verschlechtert. So seien seit Januar 2017 dort 311 Menschen bei 72 bewaffneten Auseinandersetzungen getötet worden.

"Weder die UN-Friedenstruppen noch der vielfältige Einsatz der Bundeswehr in Mali haben die Gewalt spürbar zurückdrängen können. Im Gegenteil: Zurzeit weiten radikale Islamisten ihren Einfluss aus und schaffen auch unter den Augen der Bundeswehr Fakten. Sie setzen auf einen baldigen Abzug der ausländischen Truppen, um dann ganz offen ihren Einfluss auszuspielen. Viele Tuareg fürchten, dass die Islamisten die Zivilbevölkerung mit gezielten Attacken weiter einschüchtern, um die Scharia durchzusetzen", sagte Delius.

Am Mittwochabend wurde in der Stadt Kidal eine Patrouille der UN-Blauhelme beschossen, so die GfbV. Am Montag seien bei einem Überfall auf das Dorf Ouatagouna zwei Menschen getötet und bei Timbuktu ein Soldat und zwei Gendarmen von Islamisten angeschossen worden. Am gleichen Tag sei in der Stadt ein Blauhelmsoldat aus Burkina Faso bei einem Feuergefecht mit islamistischen Kämpfern verwundet worden. Anfang Mai seien bei mehreren Angriffen und Anschlägen 15 Personen gestorben.

Die Steinigung am Dienstag ereignete sich laut GfbV in einer vor allem von Tuareg bewohnten Region zwischen den Orten Aguelhoc und Tessalit im Norden Malis. In dem Dorf Taghlit hatten radikale Islamisten ein Paar aufgegriffen, das unverheiratet zusammenlebte. Da dies mit islamischem Recht unvereinbar ist, wurden sie von den Islamisten gesteinigt. Die Frau und der Mann wurden dazu nach Augenzeugenberichten jeweils in Löcher eingegraben und von vier Personen mit Steinen beworfen, bis ihr Tod eintrat. Es war die erste Steinigung im Norden Malis gemäß dem Scharia-Recht seit dem Jahr 2012, als radikale Islamisten die Region für einige Monate unter ihre Herrschaft gebracht hatten.

Quelle: www.gfbv.de 


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