kinderarbeit schulaktion knhBerlin. - Zum Welttag gegen Kinderarbeit am 12. Juni machen Schulen in ganz Deutschland auf den Missbrauch von Kindern als billige Arbeitskräfte aufmerksam. Schülerinnen und Schüler bilden auf den Schulhöfen ein riesiges Ausrufezeichen und beteiligen sich damit an der Kindernothilfe-Aktion "Ein Ausrufezeichen (!) gegen Ausbeutung". "Leider sind Kinderarbeit und sogar Kinderhandel in vielen Ländern immer noch traurige Realität", erklärte Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU).

"Für einen Euro Tagelohn schuften Kindern in Westafrika auf Kakao-Plantagen, ohne Chance auf Schule und Zukunft", sagte Entwicklungsminister Müller. "In Ghana habe ich Kinder auf giftigen Müllhalden gesehen, die versuchen, noch etwas Kleingeld aus Elektroschrott zu machen. Mädchen leiden unter Zwangsheirat und Frühschwangerschaften sowie Genitalverstümmelung."

Kinder und Jugendliche seien unsere Zukunft und unsere Hoffnung, betonte Müller. "Gerade sie tragen das Potenzial, zu einer friedlichen und nachhaltigen Entwicklung weltweit beizutragen. Sie brauchen unseren Schutz und eine Grundbildung, damit sie überhaupt eine Chance auf eine Zukunft haben. Deswegen vergeben wir zum Beispiel in Burkina Faso Schulstipendien oder bauen Schulkantinen."

Jeder könne mit seinem Konsumverhalten mit dazu beitragen, dass Schokolade, Kaffee oder Kleidung zu fairen Bedingungen hergestellt werden, so Müller weiter. "In unserem Forum Nachhaltiger Kakao oder dem Bündnis für nachhaltige Textilien setzen wir uns gemeinsam mit Wirtschaft und Zivilgesellschaft dafür ein, dass Kinderarbeit reduziert wird."

Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) fördert weltweit aktiv den Schutz von Kindern. In Burkina Faso beispielsweise setzt sich das Ministerium dafür ein, dass es weniger ausbeuterische Kinderarbeit, Kinderhandel und geschlechtsspezifischer Gewalt gibt. Deutschland unterstützt Fortbildungen und Aufklärungskampagnen für Sicherheitskräfte, Sozialarbeiter, Gemeindeverantwortliche sowie die Bevölkerung, einschließlich der Kinder selbst. In Bangladesch hat das Ministerium ein Programm gegen Kinderarbeit in der Textil- und Bekleidungsindustrie aufgebaut. Es unterstützt Unternehmen dabei, Arbeits- und Umweltgesetze einzuhalten. Mit einem weltweiten Auf- und Ausbau von Kinderschutz-Netzwerken sollen Kinder vor Gewalt und Ausbeutung geschützt werden, damit sich ihre Lebenssituation und ihre Zukunftschancen verbessern.

EIN AUSRUFEZEICHEN GEGEN AUSBEUTUNG

Bei der Kindernothilfe-Aktion "Ein Ausrufezeichen (!) gegen Ausbeutung" setzen tausende Mädchen und Jungen ein sichtbares Zeichen gegen die Ausbeutung Gleichaltriger. Denn Kinderarbeit ist nach wie vor ein weltweit bedeutsames Problem: Nach Schätzungen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) müssen 168 Millionen Kinder arbeiten, rund die Hälfte von ihnen unter gefährlichen und ausbeuterischen Bedingungen.

So auch in Sambia, wo derzeit in weiten Teilen des Landes die Tabakernte stattfindet. Die Erntehelfer sind teilweise erst sieben Jahre alt und schuften jeden Tag auf den Plantagen. Dabei birgt der Tabak eine unsichtbare Gefahr: Durch den Kontakt mit den Pflanzen nehmen die Jungen und Mädchen so viel Nikotin zu sich wie ein starker Raucher. In der Folge leiden sie häufig unter Nikotinvergiftungen.

"Wir fordern die Menschen in Deutschland dazu auf, beim Einkauf auf faire Produkte ohne Kinderarbeit zu achten und sich für eine nachhaltige Entwicklung einzusetzen", sagte Katrin Weidemann, Vorstandvorsitzende der Kindernothilfe. "Erst wenn wir elende Produktionsbedingungen und Armut beenden, können Kinder auch zur Schule gehen und spielen und müssen nicht als meist billige Arbeitskräfte fungieren. Auch dafür stehen die bundesweiten Ausrufezeichen gegen Ausbeutung!"

Um das Ziel, die Armut zu beenden, zu erreichen, fördert die Kindernothilfe in Sambia die Mütter der Kinderarbeiter. Die Frauen erhalten unter anderem Schulungen darin, wie sie ein eigenes kleines Unternehmen – beispielsweise einen Marktstand oder eine Hühnerzucht – aufbauen können. Wenn die Familien dadurch genügend Geld einnehmen, müssen ihre Kinder nicht mehr arbeiten, um zum Familieneinkommen beizutragen.

Mit dem seit 2002 existierenden Welttag gegen Kinderarbeit macht die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) darauf aufmerksam, dass viele Kinder immer noch unter gefährlichen und gesundheitsschädlichen Bedingungen arbeiten müssen. Deutschland hat das Programm der Internationalen Arbeitsorganisation zur Abschaffung von Kinderarbeit mit initiiert und finanziell seither mit über 70 Millionen US-Dollar unterstützt.

Quellen: www.bmz.de | www.kindernothilfe.de 


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