gfbvAddis Abeba. - Um den Massenexodus aus dem Südsudan zu stoppen, muss die internationale Staatengemeinschaft viel mehr Anstrengungen für einen umfassenden Waffenstillstand unternehmen. Das hat GfbV-Direktor Ulrich Delius am Montag anlässlich des Sondergipfels zur Lage im Südsudan gefordert.

"Täglich fliehen mehr als 2.000 Südsudanesen vor Krieg und Hunger in das benachbarte Uganda – vor allem Frauen und Kinder. Der Weltsicherheitsrat, die USA und die Europäische Union müssen endlich handeln, um das Morden im Südsudan zu beenden“, so Delius. "Da genügt es nicht, nur humanitäre Hilfe für die Notleidenden zu leisten. Auch der politische Druck auf die Konfliktparteien muss verstärkt werden, damit das Friedensabkommen vom August 2015 umgesetzt wird."

Am 12.6. wollen die in der Regionalorganisation IGAD zusammengeschlossenen Staaten Ostafrikas in Addis Abeba über Frieden für den Südsudan beraten. Schon im Vorfeld des Sondergipfels haben die Konfliktparteien vor zu hohen Erwartungen gewarnt. Südsudans Staatspräsident Salva Kiir hat seine Teilnahme an dem Gipfeltreffen abgesagt.

"Die in Uganda eintreffenden Flüchtlinge gehören überwiegend ethnischen Minderheiten an. Sie berichten von gezielten Morden, Vergewaltigungen und anderen schlimmen Übergriffen von regulären Soldaten, die der im Land dominierenden Dinka-Bevölkerungsgruppe angehören", sagte Delius. "Wenn die Massenflucht aus dem Südsudan weiter so dramatisch anhält, wird Dadaab in Kenia bald nicht mehr das größte Flüchtlingslager der Welt sein." In Dadaab leben heute noch rund 270.000 Flüchtlinge aus Somalia, während in Bidi Bidi in der ugandischen Provinz Westlicher Nil nun schon 250.000 Südsudanesen Schutz gesucht haben. Im Südsudan sind inzwischen 3,9 Millionen Menschen auf der Flucht. 1,9 Millionen von ihnen haben in den Nachbarländern Zuflucht gesucht.   

"Mit ihrer brutalen Verfolgung anderer ethnischer Gruppen, politischer Oppositioneller und Journalisten hat die südsudanesische Regierung jede Glaubwürdigkeit verloren", kritisierte Delius. Für ausländische Journalisten werde es immer schwerer, der Außenwelt ein realistisches Bild über Krieg und Flucht im Südsudan zu vermitteln, da die Behörden eine unabhängige Berichterstattung gezielt behindern. So gab die Medienbehörde des Südsudan am vergangenen Donnerstag bekannt, dass 20 ausländischen Journalisten die Einreise verweigert werde, weil sie mit ihrer Berichterstattung angeblich Hass geschürt hätten. Ende April 2017 waren Eyder Peralta, ein Korrespondent des US-amerikanischen National Public Radio, und sein Assistent verhaftet und vier Tage lang festgehalten worden.

Quelle: gfbv.de/


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