one movement data refugees

Berlin. - Die entwicklungspolitische Organisation ONE hat am Dienstag die Plattform MOVEMENT gestartet. MOVEMENT ist ein Daten-Tracker, der Regierungen und Geber dabei unterstützen soll, fundierte Entscheidungen treffen zu können, wie sie den 65 Millionen vertriebenen Menschen und ihren Gastländern effektiv helfen können. Der Tracker zeige auch, dass eines der größten Hindernisse für die humanitäre Hilfe der Mangel an verlässlichen Daten ist.

Laut ONE, zieht MOVEMENT die sichersten und aktuellsten Datensammlungen humanitärer Organisationen zusammen. Er zeigt, wo sich vertriebene Menschen befinden, was genau die größten humanitären Bedarfe sind und ob die humanitäre Hilfe dorthin hin fließt, wo der Bedarf am größten ist. 

Sara Harcourt, Policy-Direktorin bei ONE für Entwicklungsfinanzierung, erklärte: "MOVEMENT ist das erste Instrument dieser Art. Es zieht die besten verfügbaren Daten über humanitäre Bedarfe, humanitäre Hilfe und geflüchtete Menschen zusammen und verfügt über eine länderspezifische Suchfunktion. Es zeigt gleichzeitig auch die massiven Datenlücken, die gefüllt werden müssen, um humanitäre Hilfe effektiv finanzieren zu können."

Die Untersuchungen von ONE haben gezeigt, dass das aktuelle System zur Erfassung humanitärer Daten damit kämpft, ein akkurates Bild zeichnen zu können über die Folgen für und die Bedarfe von sowohl Vertriebenen als auch der Gastländer. Der neue Bericht von ONE "Movement: Minding the data gaps around displacement, funding, and humanitarian needs" zeigt, dass Informationen häufig isoliert und unvollständig vorliegen und verstreut sind über dutzende Organisationen und auf verschiedenen Plattformen und in unterschiedlichen Formaten vorliegen. Die Folge ist, dass die vorhandenen Daten nicht ausreichen, um aufzeigen und vorhersagen zu können, was tatsächlich auf dem Spiel steht, wenn die humanitären Bedarfe nicht gedeckt werden.

MOVEMENT nutzt aktuelle Daten und kann neue Datensammlungen von humanitären Organisationen wie dem UNHCR, IOM oder UNOCHA schnell einbinden. Es zeigt die Statistiken in einem Open-Source-Format, das von jeder Person im humanitären Sektor genutzt werden kann.

Die Probleme des Datenmangels werden nicht sofort behoben werden können, aber die neue zentrale Datendrehscheibe erlaubt Aktivisten, Geberländern und anderen besser erfassen zu können, wo Finanzmittel nicht den tatsächlichen Bedarfen der Menschen entsprechen oder wo es massive Finanzierungslücken gibt.

Sara Harcourt fügte hinzu: "Europäische Länder konzentrieren sich hauptsächlich auf die Flüchtlinge, die in ihre Länder kommen. MOVEMENT zeigt jedoch, dass  es die fragilsten Länder der Welt sind, in denen die große Mehrheit der vertriebenen Menschen unterkommt." Sie ergänzt: „Unsere Daten zeigen etwa, dass die EU etwa 24 Prozent des globalen Bruttoinlandsprodukt ausmacht, aber nur 5 Prozent der weltweit Vertriebenen aufnimmt. Alle Regierungen weltweit sollten die fragilsten Länder mehr unterstützen – und dennoch sind die globalen UN-Appelle zu weniger als einem Drittel finanziert. Das macht es unmöglich, angemessene Hilfe leisten zu können.“

Während der Welt-Flüchtlingswoche blickt die Welt auf die Millionen vertriebenen Menschen. ONE ruft Regierungen und Geberorganisation auf, mehr Transparenz in ihre Finanzierung und Finanzflüsse zu bringen sowie Daten-Initiativen zu unterstützen, damit Geflüchtete und ihre Gastländer die Hilfe erhalten, die sie benötigen.

Besucher der Internetplattform MOVEMENT können die aktuelle Flüchtlingssituation mit Hilfe einer interaktiven Karte erforschen. Die Karte zeigt die aktuellen Bedarfe der Länder, die geographische Verteilung der Geflüchteten und wie viel Unterstützung in diese Länder fließt. Die Daten sind für jeden zugänglich unter:https://www.one.org/movement

MOVEMENT zeigt unter anderem Folgendes:

  • Weltweit benötigen mindestens 152 Millionen Menschen in über 64 Ländern humanitäre Hilfe – das sind mehr Menschen als die gesamte Bevölkerung Russlands. Aufgrund der Datenqualität ist es nicht möglich, zwischen den Bedarfen von Flüchtlingen und anderen Vertriebenen und den Millionen weiteren Menschen, die humanitäre Hilfe benötigen, zu unterscheiden – diese Zahlen wurden auf Länderebene zusammengezogen.  
  • 115 Millionen Menschen haben keinen Zugang zu gesundheitlicher Grundversorgung, 93 Millionen haben keinen Zugang zu Wasser oder Sanitäranlagen, 34 Millionen Menschen haben keinen Zugang zu Bildung – um diese Bedarfe zu decken, sind mindestens 23,1 Milliarden US-Dollar nötig, bisher sind die humanitären Appelle nur zu 30,9 Prozent finanziert.
  • Die 36 fragilsten Staaten auf der Welt machen etwa 2,6 Prozent der globalen Bruttoinlandsprodukt aus, bieten aber 62 Prozent aller gewalttätig Vertriebenen Zuflucht; dies schließt 72 Prozent aller Binnenvertriebenen mit ein. Die fragilen Staaten sind außerdem der Ausgangspunt für 82 Prozent aller Flüchtlinge und Asylsuchenden.
  • Die Mitgliedstaaten der EU machen 24 Prozent des globalen Bruttoinlandsprodukt aus, nehmen aber nur 5 Prozent der weltweit durch Gewalt Vertriebenen auf und etwa 15 Prozent aller Geflüchteten und Asylsuchenden.
  • In Süssudan, dem fragilsten Staat der Welt, kommen auf 1.000 Einwohner 210 Vertriebene. In Großbritannien kommen auf 1.000 Einwohner drei vertriebene Menschen.

=> Den Bericht "Movement: Minding the data gaps around displacement, funding, and humanitarian needs"

Quelle: one.org/


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