greenpeace Hamburg. - Die Europäische Kommission gefährdet aus der Sicht von Greenpeace mit dem geplanten Handelsabkommen zwischen der EU und dem südamerikanischen Staatenbund Mercosur europäische Verbraucherschutzstandards beim Import von Fleisch. Die EU sei offenbar bereit, laxere Kontrollen der Lebensmittel und um bis zu 50 Prozent höhere Fleischimporte zu akzeptieren, wenn die Mercosur-Staaten Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay ihrerseits die Zölle für den Export von Autos und Autoteilen aus der EU absenken. Das zeigten bislang geheime Verhandlungsdokumente, die Greenpeace Niederlande veröffentlichte, so die Umweltorganisation. 

Brasilien wurde vor wenigen Monaten von einem Gammelfleischskandal erschüttert, der längst noch nicht ausgestanden ist. Statt das Prüfsystem zu verbessern, um den Export verdorbenen Fleischs zu verhindern, schlage die EU-Kommission laut der nun veröffentlichten Dokumente eine zwischenstaatliche Schnellkontrolle vor. "Höhere Autoexporte dürfen nicht mit dem Risiko erkauft werden, dass demnächst brasilianisches Gammelfleisch in deutschen Kühlregalen liegt", sagte Greenpeace-Handelsexperte Jürgen Knirsch. "Die EU-Kommission hat nichts aus dem TTIP-Fiasko gelernt. Handelsabkommen müssen transparent verhandelt werden, und sie müssen Verbraucher schützen, nicht Konzerne." 

Viele Standards für den Schutz der Verbraucher lägen in südamerikanischen Staaten niedriger als in der EU, so Greenpeace. Die Regeln für den Einsatz von Antibiotika in der Tierzucht etwa seien in Brasilien weit weniger strikt als in Europa. Während andere Wachstumsförderer wie die Substanz Ractopamin in der EU und in vielen Ländern verboten seien, dürften Tierzüchter sie in Argentinien und Brasilien einsetzen. In Brasilien habe vor einigen Monaten ein Skandal um korrupte Kontrolleure die Schwächen der dortigen Kontrollen gezeigt: Damals sei verdorbenes Rinderfleisch und gestrecktes Hühnerfleisch in den Handel und teilweise auch in den Export gekommen. Die Ausweitung der Weideflächen für Rinder bedrohe zudem schützenswerte Wälder und sei für das Klima Gift.

Die 171 Seiten umfassen sechs Kapitel des geplanten Abkommens zeigen laut Greenpeace den Verhandlungsstand aus dem Sommer, hätten sich nach Informationen aus Verhandlungskreisen jedoch seither nicht grundlegend verändert. Laut EU-Kommission handelten die EU und die Mercosur-Staaten im Jahr 2016 Waren im Wert von mehr als 80 Milliarden Euro. Damit liege die wirtschaftliche Bedeutung des Mercosur-Abkommens deutlich höher als die des CETA-Abkommens zwischen Kanada und der EU. Die Verhandlungen seien weit fortgeschritten und sollten noch in diesem Jahr politisch abgeschlossen werden.

=> https://trade-leaks.org

Quelle: www.greenpeace.de 


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