Gr?nland-EisMünchen (epo.de). - Der Klimawandel könnte schneller als erwartet kritische Wendepunkte erreichen und Prozesse auslösen, die nicht mehr gestoppt werden können. Darauf weist die neueste Ausgabe der Zeitschrift natur+kosmos hin. So schmelze etwa das Grönlandeis viel schneller als bislang angenommen, und die Himalaja-Gletscher könnten bis Ende des Jahrhunderts verschwunden sein. Damit wäre die Wasserversorgung von mehreren hundert Millionen Menschen gefährdet.

Die neue Ausgabe von natur+kosmos, die in Kooperation mit der Nord-Süd-Initiative Germanwatch und dem Bundesumweltministerium erarbeitet wurde, konzentriert sich auf die wichtigsten "Kipp-Punkte" im Klimasystem. Darunter verstehen Wissenschaftler Schwellenwerte, die - sind sie erst einmal eingetreten - Veränderungen anstoßen, die nicht mehr gestoppt werden können.

So schmelze das Grönlandeis viel schneller als bislang angenommen. Die Eismassen gleiten auf Schmelzwasserflüssen Richtung Atlantik, brechen ab und tauen auf dem offenen Meer. Noch in diesem Jahrhundert könnte deshalb der Meeresspiegel um mehrere Meter steigen. "Wenn ein Eisschild sich aufzulösen beginnt, dann kann es einen Kipp-Punkt geben, jenseits dessen der Auflösungsprozess dramatisch schnell abläuft", warnte NASA-Direktor Jim Hansen.

Eine ganz andere Dramatik zeichnet sich im Himalaja ab. Wenn der gegenwärtige Trend anhält, sind den Forschern zufolge bis zum Ende des Jahrhunderts alle Gletscher im Himalaja verschwunden. Weil diese Gletscher die größten Ströme Asiens mit Wasser speisen, wäre die Wasserversorgung von mehreren hundert Millionen Menschen gefährdet.

Am Amazonas wiederum herrscht das zweite Jahr in Folge eine bislang nicht gekannte Trockenheit. Der gesamte Regenwald drohe binnen weniger Jahrzehnte zur Steppe zu werden, so natur+kosmos. Damit würde so viel Kohlendioxid in die Atmosphäre freigesetzt, wie im gesamten 20. Jahrhundert durch das Verbrennen von Kohle, Öl und Gas.

Ungewöhnliche Schwankungen des Monsuns führten bereits dazu, dass große Teile Indiens unter langen Dürreperioden, andere unter dramatischen Überschwemmungen zu leiden haben. Im gesamten südliche Afrika könnte sich die Savannenlandschaft in eine lebensfeindliche Wüste verwandeln.

Die in natur+kosmos berichteten Forschungsergebnisse wurden gemeinsam mit Germanwatch und dem Bundesumweltministerium zusammengetragen. Angesichts der dramatischen Erkenntnisse mahnen immer mehr Forscher, im globalen Durchschnitt dürfe sich die Erde um nicht mehr als zwei Grad erwärmen. Für die Staatengemeinschaft heißt das: Bis Mitte des Jahrhunderts müssen die Treibhausgase weltweit um 50 Prozent reduziert werden - die der Industrieländer sogar um 80 Prozent. Auf dem UN-Klima-Gipfel in Nairobi im November sollen die Weichen dafür gestellt werden.

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