Berlin (epo). - In Guatemala und El Salvador suchen noch immer Tausende Eltern nach ihren Kindern, die ihnen während Kriegswirren entrissen wurden. Darauf hat amnesty international (ai) anlässlich des Internationalen Tags des Kindes am 20. November hingewiesen. Während der blutigen Bürgerkriege in Guatemala (1960 - 1996) und El Salvador (1980 - 1992) entführte die Armee zahlreiche Kinder. Von vielen habe man nie wieder etwas gehört, so die Menschenrechtsorganisation.



Manche Kinder hätten ins Ausland fliehen können. Andere seien in Waisenhäuser gebracht oder - meist unter neuem Namen - in die Adoption vermittelt worden, so amnesty. "Wir fordern die Regierungen der beiden zentralamerikanischen Länder auf, dem Schicksal der verlorenen Kinder nachzugehen, die Angehörigen dabei zu beteiligen und endlich dafür zu sorgen, dass die Schuldigen zur Verantwortung gezogen werden", sagte Christa Rahner-Göhring, Mittelamerika-Expertin von ai.

In El Salvador hat die Familienorganisation "Asociaci?n Pro-B?squeda de Ni?as y Ni?os Desaparecidos" laut ai inzwischen das Schicksal von mehr als 200 Kindern aufklären können. Viele von ihnen seien zur Adoption freigegeben worden und lebten heute im Ausland. Die Regierung habe bis vor kurzem jegliche Zusammenarbeit mit der Organisation verweigert. Sie habe auch eine Aufforderung der Interamerikanischen Menschenrechtskommission ignoriert, das Schicksal zweier Mädchen aufzuklären. Der Fall ist inzwischen vor dem Interamerikanischen Gerichtshof für Menschenrechte anhängig. Das Urteil wird in den nächsten Wochen erwartet.

Auch in Guatemala hat die Regierung amnesty zufolge das Schicksal der rund 5.000 "verschwundenen" Kinder bisher ignoriert. Die Wahrheitskommission habe in ihrem Bericht von 1999 die Regierung aufgefordert, eine Suchkommission einzurichten. Die Kommission existiere bis heute nicht. Seit 2002 suche die Angehörigen-Organisation "Comisi?n Nacional de B?squeda de la Ni?ez Desaparecida" nach diesen Kindern. Sie habe bereits mehr als 1.000 Fälle dokumentiert, bisher erst etwa 60 Familien wieder zusammenführen können, weil ihnen der Zugang zu den staatlichen und militärischen Archiven verweigert werde.

In den kommenden Wochen machen lokale Gruppen von ai bundesweit mit Veranstaltungen und Vorlagen für Appellbriefe eine breite Öffentlichkeit auf das Thema der verschwundenen Kinder in Mittelamerika aufmerksam.

 amnesty international


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