Berlin (epo). - In Berlin ist am Montag die 'Anticolonial Africa Conference 2004' zu Ende gegangen. Die Teilnehmer forderten die Entschädigung von Opfern der Kolonisierung, einen umfassenden Schuldenerlass und die Beendigung von rassistischer Diskriminierung.



Die Konferenz in der 'Alten Feuerwache' in Kreuzberg war zwei Jahre lang von einer Gruppe überwiegend afrikanischer Flüchtlinge vorbereitet worden. Vier Tage lang trafen sich täglich rund 250 Menschen zu Vorträgen, Filmen, Diskussionen, einer Ausstellung und Workshops. Bei einer Veranstaltung an der Berliner 'Neuen Wache' (Unter den Linden) wurde am 11. November der Opfer der deutschen Kolonialkriege gedacht. Die Bundesregierung wurde aufgefordert, eine weitere Gedenktafel mit folgender Aufschrift anzubringen: "Jeder Kolonialismus ist ein Verbrechen gegen die Menschheit. Die Bundesrepublik Deutschland gedenkt der Menschen in Afrika, Asien und Ozeanien, die durch den deutschen Kolonialismus verletzt, ihrer Würde beraubt, verjagt und ermordet wurden. Sie bittet die Nachfahren um Entschuldigung".

An einer 'Antikolonialen Demonstration' in Berlin beteiligten sich rund 400 Personen. Eine 'Antikoloniale City-Tour' vermittelte Informationen zu verschiedenen "kolonialen Orten" in Berlin.

Themen der Konferenz waren u.a.
- Verbrechen der Kolonisierung (mit Schwerpunkt Völkermord an Herero und Nama in Namibia und deren Kampf um Entschuldigung und Entschädigung bis
heute)
- 'Fortress Europe' (Außen- und Innengrenzen in Europa, Lager in Nordafrika)
- Rassistische Diskriminierungen im Hartz IV - Gesetz
- Ausbeutung Afrikas (Natürliche Ressourcen und Kriege/Konflikte in Afrika
- Widerstand gegen die Kolonisierung

Die Konferenz hielt fest, dass die aktuelle Entwicklungshilfe- und Migrationspolitik von kolonialen Strukturen durchzogen ist. Die zentrale Forderung der Konferenz lautet: Entschuldigung und Entschädigung für die Kolonisation.

Forderungen, die auf der Konferenz weiterentwickelt wurden:

1. Beendigung aller Kriege, kein militärischer Schutz bei der Ausbeutung von Rohstoffen, kein Export von Waffen nach Afrika, keine Entsendung von Interventionstruppen, kein Flüchtlingsmanagement durch NGOs

2. Koloniale Mentalitäten aufbrechen, kein Demokratieexport nach Afrika, Wahrnehmung des afrikanischen Widerstandes gegen die Kolonisation, die bis heute andauert

3. Entschädigung - Legalisierung - Aufenthalt, Übernahme der politischen Verantwortung durch die Unterzeichnerstaaten der Berliner Kongo Konferenz für ihre Kolonialherrschaft, Pflicht der Entschädigung, Legalisierung des Aufenthalts, freier Zugang zu Europa Eine Forderung wurde konkretisiert: Deutsche Eigentümer u.a. die Familien Oetker und Schleyer sollen ihre Großfarmen in Namibia, die nicht ihrem Lebenserhalt dienen, ohne Entschädigung der Bevölkerung zurückgeben.

4. Rassistische Gesetze abschaffen Abschiebestopp, Auflösung von Abschiebeknästen und Ausreisezentren, Aufhebung von Einreise-, Arbeitsverboten und der Residenzpflicht. Keine Lager in Nordafrika und anderswo

5. Einführung eines Antidiskriminierungsgesetzes

6. Schuldenerlass sofort

7. Schädel und Körperteile, die zur erb- und rassenbiologischen Forschungszwecken verwandt wurden, sollen sofort in ihre Herkunftsländer zurückgebracht und dort würdig beerdigt werden.

8. Rückgabe von entwendeten Kunst- und Kulturschätzen

Die Konferenz wurde am Montag mit einer Protestaktion am Reichstag beendet. An dieser Stelle hatte Bismarck vor 120 Jahren die Berliner Kongo-Konferenz eröffnet.

Anticolonial Africa Conference 2004


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