Göttingen/Berlin (epo). - Anlässlich des Besuches des äthiopischen Ministerpräsidenten Meles Zenawi hat die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) auf die systematische Verfolgung von Bürgerrechtlern der Oromo-Volksgruppe in Äthiopien hingewiesen. An Bundeskanzler Gerhard Schröder, Außenminister Joschka Fischer und andere deutsche Gesprächspartner des Staatsgastes appellierte die Menschenrechtsorganisation, sich besonders für die Freilassung von drei inhaftierten Führern einer Kultur- und Wohltätigkeitsorganisation der Oromo einzusetzen.

"Journalisten, Lehrer, Schauspieler und Studenten werden inhaftiert, weil sie sich für die kulturellen und sozialen Rechte der Oromo eingesetzt und friedlich gegen deren Unterdrückung protestiert haben", kritisierte der GfbV-Afrikareferent Ulrich Delius in Göttingen. Dirribi Demissie, Gamachu Feyera und Sintayehu Workneh von der Macha Tulema Entwicklungs- und Hilfsorganisation seien am 18. Mai festgenommen worden. Die Büros ihrer Organisation seien geschlossen und ihr Eigentum beschlagnahmt worden. Zwar seien die Inhaftierten auf Anordnung des Bundesgerichts Äthiopiens am 6. August gegen Kaution freigelassen worden, doch schon eine Woche später seien sie unter Verletzung der äthiopischen Verfassung und des Völkerrechts erneut verhaftet worden.

Mitarbeiter der Hilfsorganisation Oromo Relief Association (ORA) würden seit Jahren ohne Gerichtsverfahren festgehalten, über ihren Verbleib gebe es keine Auskunft, sagte Delius. So fehle von dem Entwicklungshelfer Husein Abdi seit seiner Verhaftung am 5. November 1996 jedes Lebenszeichen. Auch über das Schicksal des am 20. August 2000 festgenommenen ORA-Mitarbeiters Amanti Abdisa gebe es seither keine Informationen. Hunderte Oromo-Studenten seien seit dem Jahr 2000 von den Universitäten Addis Abeba, Mekelle, Jimma, Debub und Alemaya zwangsweise exmatrikuliert worden, weil sie gegen die Diskriminierung der Oromo protestiert hätten. Im Jahr 2004 sei willkürlich mehr als 100 Oromo-Studenten die Teilnahme an Abschlussprüfungen ihrer Studiengänge verweigert worden, obwohl sie alle geforderten Zulassungsbedingungen erfüllt hätten.

Die mehr als 30 Millionen Oromo bilden die größte Bevölkerungsgruppe in dem Vielvölkerstaat. Da die Oromo-Freiheitsbewegung Oromo Liberation Front (OLF) für einen unabhängigen Oromo-Staat kämpfe, würden pauschal alle Oromo, die mehr kulturelle Rechte für ihre Bevölkerungsgruppe fordern, als "Terroristen" und OLF-Unterstützer kriminalisiert, erklärte die GfbV.

 Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV)


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