Die gut 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Internationalen Konferenz "Für die Opfer der Apartheid - Entschädigung jetzt - und nicht erst in 50 Jahren!" vom 30. November bis 2. Dezember 2000 in Bonn verabschiedeten den "Bonner Aufruf der Internationalen Kampagne für Entschuldung und Entschädigung im Südlichen Afrika." Damit richtet die Kampagne Ihre Anliegen erstmals an die breitere Öffentlichkeit und verstärkte ihre Forderungen an die Vereinten Nationen, an Bundesregierung und Bundestag der Bundesrepublik Deutschland sowie an die Unternehmen und Banken, die in der Zeit des Apartheid-Regimes in Südafrika tätig waren.

 

Einer der Referenten, der ehemalige sambische Staatspräsident Dr. Kenneth Kaunda, sprach auf der Konferenz von einer "bedeutenden Aufgabe der Menschheit, dieses gemeinsame Anliegen von Frieden und Gerechtigkeit - eine angemessene Entschädigung und Entschuldung der Länder der Südlichen Afrikas - voranzubringen." Insbesondere erinnerte er an die direkten Opfer und Schäden der Apartheid in Südafrika und in den ehemaligen Frontstaaten, die während des jahrzehntelangen Kampfes gegen die Apartheid gebracht wurden. Er verband die Schuldensituation im heutigen Sambia beispielhaft mit den Kosten des Anti-Apartheidkampfes, mit menschlichen Opfern und Zerstörungen der regionalen Infrastruktur. "Die fatalen Auswirkungen der Verschuldung für die Gesellschaften im Südlichen Afrika verlangen eine langfristige Lösung der Schuldenfrage in unseren Ländern."

Der südafrikanische Sozialwissenschaftler und Theologe Neville Gabriel, Sekretär der Südafrikanischen Koalition Jubilee 2000, dem Pendant der bundesdeutschen Erlassjahrkampagne, präzisierte die Forderungen nach einem Erlass der sittenwidrigen Schulden (odious debt), die zur Aufrechterhaltung des Apartheidregimes gemacht wurden, "die Menschen in Südafrika sehen nicht ein, dass sie zweimal für die Apartheid bezahlen müssen, zumal die Kredite zu unserer eigenen Unterdrückung verwendet wurden." Er erinnerte auch an die zahlreichen TNCs, die von der Apartheid profitiert haben. Erfreulicherweise verwies er auf eine erfolgreiche Kooperation der Kampagne in den verschiedenen Staaten des Südlichen Afrikas und zudem auf Bündnispartner bei Kirchen, Nichtregierungsorganisationen und den Gewerkschaften.

Eine umfassende Kongressdokumentation ist im Januar 2001 bei der Kampagne erhältllich.


Der "Bonner Aufruf" im Wortlaut:
International Campaign on Apartheid-caused Debt in Southern Africa
Bonn Appeal

issued by the International Conference
"Reparation for the victims of apartheid - now and not in 50 years"
30 November to 2 December 2000, Bonn, Germany

The following appeal is addressed to the United Nations, the federal government and the federal parliament of Germany and to the enterprises and banks which were active in South Africa during the apartheid period. The participants at the international conference "Reparation for the victims of apartheid ? now and not in 50 years",

Considering

that the system of apartheid was condemned by the UN general assembly in 1973 as a crime against humanity,

- that United Nations therefore imposed political and economic sanctions on South Africa between 1962 and 1993,

- that nevertheless German and also Swiss, British and American companies and banks supported the regime with investments and loans, extending its rule for many years,

- that the German net capital exports to South Africa from 1985 to 1993 amounted to DM 4.27 billion the vast majority of which were used to finance the public sector (the administration but also parastatals like ESKOM, SASOL etc.) and therefore to support the infrastructure of the regime itself,

- that between 1971 and 1993 German companies and banks made DM 8.4 billion in profits thereby contravening international law,

- that democratic South Africa has to devote more than a fifth of its national budget and the bulk of its foreign exchange resources to pay for debts most of which stem from the apartheid period - a sum of DM 50 billion,

and

- that in 1993 German banks laid claim to a quarter of South Africa?s external debt of US$ 26 billion,

therefore CALLS UPON the banks and enterprises involved to compensate the people of Southern Africa in full for the brutal repression that they helped to finance.

This includes

- recognising the apartheid debt as 'odious' debt and therefore

- cancelling it unconditionally,

- reimbursing the debts already repaid by democratic South Africa,

- returning the profits made through the financing of apartheid in the form of payments designated for reparation, to be used both for the democratic and social development of South Africa and for the individual compensation of the victims.

Apartheid's reign of terror was not just directed at the majority of people in South Africa but also at people in Angola, Botswana, Malawi, Namibia, Mozambique, Swaziland, Tanzania, Zambia and Zimbabwe.

If these countries were not attacked militarily, they were destabilised politically, economically and socially. According to a UNICEF report, the damage caused directly and indirectly by apartheid is estimated at US$ 78 billion.

We therefore CALL FOR the cancellation of the apartheid-caused debt of these countries too.

In issuing this APPEAL we act in agreement with the International Campaign for Apartheid-caused Debts, the South African NGO Coalition (SANGOCO), Jubilee 2000, other social movements from Southern Africa and also the international Jubilee South movement.

2nd December 2000, Bonn

 

Die Internationale Kampagne für Entschuldung und Entschädigung im südlichen Afrika

Auf Initiative des südafrikanischen NRO-Bündnisses SANGOCO, von Kirchen und Gewerkschaften in Südafrika und unterstützt von Organisationen aus den südafrikanischen Nachbarländern hat sich 1998 die Internationale Kampagne für Entschuldung und Entschädigung im südlichen Afrika gegründet. In Südafrika eingebunden in die Kampagne Jubilee 2000, fordert die Initiative, dass die durch die Apartheid verursachten Schulden im südlichen Afrika gestrichen und die Opfer der Apartheid entschädigt werden.

In Deutschland beteiligen sich an der Kampagne ein Bündnis von Nichtregierungsorganisationen und von kirchlichen Gruppierungen. Die Kampagnenarbeit wird von medico international und KASA (Kirchliche Arbeitsstelle Südliches Afrika) getragen.

In der Schweiz koordinieren die Aktion Finanzplatz Schweiz-Dritte Welt, die frühere Anti-Apartheid-Bewegung und die Dritte-Welt-Kommission der katholischen Kirche eine starke Koalition von NGOs. Auch in Großbritannien und in den USA haben sich Sektionen der Internationalen Kampagne gebildet.

Kontakt:
medico international e.V.
http://www.medico.de


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