WFPNew York (epo). - Die Vereinten Nationen haben der internationalen Staatengemeinschaft vorgeworfen, sie habe zu spät auf die sich lange abzeichnende Hungersnot im westafrikanischen Niger reagiert. In Niger sind nach Angaben des Welternährungsprogramms (WFP) rund 2,5 Millionen Menschen akut von der Hungersnot bedroht. "Wir hätten dies verhindern können, haben es aber unterlassen", erklärte UN-Hilfskoordinator Jan Egeland in New York.

Nach jahrelanger Dürre und der Heuschreckenplage im letzten Jahr habe sich die Katastrophe seit längerem angebahnt, sagte Egeland. Auf einen UN-Hilferuf im Frühjahr nach 16 Millionen US-Dollar Nothilfe sei von der Staatengemeinschaft aber nur eine Million Dollar bereit gestellt worden. Jetzt seien 800.000 Kinder mangel- oder unterernährt, 150.000 seien unmittelbar vom Hungertod bedroht.

Nigers Präsident Mamadou Tanja besuchte am Mittwoch den von der Dürre am stärkten betroffenen Süden des Landes. Er wies Vorwürfe zurück, seine Regierung habe das Ausmaß der Krise verharmlost. Bereits im November 2004 habe Niger vergeblich an die internationale Gemeinschaft appelliert, Nahrungsmittelhilfe bereit zu stellen, sagte Tanja. "Wir haben keine Antwort erhalten."

Nach Angaben der Hilfsorganisation Oxfam versuchen Eltern in Süd-Niger, ihre Kinder mit Gras und Blättern von Bäumen vor dem Verhungern zu retten. Nur jeder zehnte Hungernde erreicht nach Angaben des britischen Rundfunksenders BBC eine der Hilfsstationen, in denen Nahrungsmittel verteilt werden.

Jan Egeland sagte, die Welt wache erst auf, wenn Fernsehbilder mit hungernden Kindern zu sehen seien. In den vergangenen Wochen seien mehr Hilfszahlungen eingegangen, aber für viele Kinder komme die Hilfe zu spät.

Nachdem die Vereinten Nationen die Zahl der Hungernden auf 2,5 Millionen und die benötigte Hilfe auf 30 Millionen Dollar erhöht hatten, seien bislang 10 Millionen Dollar Hilfe eingegangen, teilte die UNO am Donnerstag mit.

 World Food Programme (WFP)


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