Peace ConventionColombo (epo). - In Sri Lanka herrscht seit zwei Jahren der Ausnahmezustand. Presse und elektronischen Massenmedien werden zensiert, Polizei und Militär genießen Sondervollmachten. Nachdem abzusehen war, dass der jüngste Angriff der 1972 gegründeten "Befreiungstiger Tamil Eelam" (LTTE) auf Jaffna erfolgreich verlaufen könnte, sind die Gesetze noch einmal verschärft worden.

Unter diesen Umständen fällt es Organisationen der Zivilgesellschaft naturgemäß schwer, für eine friedliche Konfliktbearbeitung zu werben, zumal die demokratischen Traditionen in Sri Lanka mit überkommenen, autoritären Strukturen konkurrieren müssen. "Der Konflikt zwischen Tamilen und Singhalesen reicht weit zurück", gibt Jeehan Perera, der Pressereferent des Nationalen Friedensrates (NPC), zu bedenken. "Im Grunde wurde die Insel ja nie zentral regiert - es gab immer schon zwei oder sogar mehr Königreiche hier. Erst die Engländer haben Sri Lanka eine einheitliche Verwaltung aufgezwungen, die wir jetzt mittels einer Verfassungsänderung aufheben wollen."

Perera

Das von den Briten übernommene zentralistische Westminster-System hat es der Zentralregierung bisher immer ermöglicht, die Wünsche der Minderheiten zu ignorieren. Der NPC arbeitet vor allem in den Bereichen Friedenserziehung, Netzwerk- und Mobilisierungsaufgaben, Lobby und Advocacy, aber auch auf dem Feld der informellen Diplomatie. "Wir fahren eine mehrgleisige Strategie", betont Perera. "Einerseits veranstalten wir landesweit große Konferenzen mit entsprechender Publikumswirkung." So hat der Friedensrat 1998 landesweit "Friedensdelegierte" unter dem Motto "Führt unseretwegen keinen Krieg" in der Hauptstadt Colombo zusammengerufen. Die Delegierten kamen vor allem aus verschiedenen NRO, von den Landfrauen über Lehrervereinigungen und Vertreter von Flüchtlingen bis hin zur Versehrtenorganisation der sri lankischen Armee. Von Bedeutung sind für Perera aber auch die regelmäßig durchgeführten Workshops für Lokalpolitiker. In gewissen Abständen werden dann die bereits geschulten Politiker beider Ethnien zu größeren gemeinsamen Treffen geladen. Sie helfen, das Verständnis füreinander und für die Probleme der Gegenseite zu fördern.

Natürlich schaltet sich der NPC auch in die aktuellen politischen Diskussionen ein - zum Beispiel um die Verfassungsänderung. Darüber hinaus gibt der Rat Untersuchungen und Umfragen in Auftrag: "Unsere Umfrage bezüglich der Haltung der Bevölkerung zum Kriegsgeschehen hat leider ein zwiespältiges Bild ergeben", beklagt Perera. "Nur 65 Prozent waren der Meinung, eine Lösung der Probleme des Landes seien einzig auf friedlichem Wege zu erreichen." Von den restlichen 35 Prozent optierte die Mehrheit für eine militärische Lösung.

Dass diese Haltung noch weit verbreitet ist, zeigt auch ein Vorschlag konservativer buddhistischer Kongregationen, die beiden senkrechten Streifen der sri lankischen Nationalfahne abzuschaffen. Sie symbolisieren - neben dem dominierenden Löwen auf rotem Grund - die Minderheiten auf der Insel: Tamilen und tamilisch sprechende Moslems. "Die Klärung der Verfassungsfragen löst nur ein Viertel des Problems", stellt Balakrishnan klar. Der Tamile weiß, wovon er spricht. Sein Haus wurde schon mehr als einmal von einem wütenden Mob angezündet, und er hat für seine Überzeugungen auch schon im Gefängnis sitzen müssen. Der Erstunterzeichner eines Aufrufs der "Bürgerinitiative für eine Verfassungsänderung" (CICC) betreibt seit dreißig Jahren aktive Friedenspolitik und hat den Versuchungen der Militanz nie nachgegeben. In Kandy, der größten Stadt der zentralen Bergregion der Insel, leitet er eine NRO "für Entwicklungsalternativen".

BalaWie sein singhalesischer Kollege Perera knüpft auch er Hoffnungen an die Vermittlungsofferte der Norweger und an das Versprechen der Opposition, einem eventuellen Friedensvertrag zwischen der Regierung und der LTTE im Parlament zuzustimmen. Er betont jedoch, dass der Krieg schon lange "industrialisiert" sei und wirtschaftliche und politische Interessen beider Seiten eine fatale Eigendynamik entwickelt hätten. Eine friedliche Beilegung des Konflikes - auch da ist er mit Perera einig - kann nur zusammen mit der LTTE erreicht werden, deren Kader anschließend teilweise im Privatleben rehabilitiert werden müssten, teilweise aber in Polizei und Militär aufgenommen werden sollten. Und er spricht sich für eine Vermittlung durch mehrere Mediatoren aus. "Die Norweger sind für ihre Leistungen auf diesem Gebiet bekannt", gibt er zu. "Aber ohne eine Beteiligung Indiens ist keine dauerhafte Lösung möglich." Seien mehrere Mediatoren in den Prozess involviert, könne auf die Kriegsparteien auch mehr diplomatischer Druck ausgeübt werden.

Eine Beendigung der Feindseligkeiten sei zudem die Voraussetzung für demokratische Wahlen. Erst nach einem Urnengang unter Friedensbedingungen könne man daran gehen, eine endgültige Lösung zu erarbeiten. Balakrishnan ist realistisch: Er glaubt nicht, dass die internationale Gemeinschaft einen Friedensschluss mit höheren Zuwendungen im Bereich der Entwicklungszusammenarbeit honorieren wird. Für unerlässlich hält er jedoch eine Friedenstruppe der UN, die einen möglichen Friedensprozess garantieren soll, bis eine endgültige Lösung gefunden ist, ein Zeitraum "der sicherlich mindestens fünf Jahre ausmachen wird".

War

Der Konflikt in Sri Lanka dauert nun bereits 18 Jahre an und hat in dieser Zeit schätzungsweise 62.000 Menschen das Leben gekostet. Die Verhandlungsbemühungen der Jahre 1987, 1990 und 1995 sind aufgrund mangelnder Vorbereitungen und fehlendem politischen Willen allesamt gescheitert. Vielleicht zwingen die militärischen Erfolge der LTTE die Regierung nun zum umdenken. Seit November letzten Jahres hat die Guerillaorganisation alle Gebietsgewinne der sri lankischen Armee aus den letzten drei Jahren zunichte gemacht. Nun setzt sie zum Sturm auf die Tamilenhochburg Jaffna an, die seit 1996 von der Regierung kontrolliert wird.

Uwe Kerkow
Fotos:  Ina Zeuch


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