Verbraucher InitiativeBerlin (epo). - In einem gemeinsamen Memorandum zur Unternehmenstransparenz hat ein Bündnis aus Verbraucher-, Umwelt- und Sozialverbänden mehr Verbraucherinformationsrechte und die Einführung einer Publizitätspflicht für soziale und ökologische Unternehmensdaten gefordert. "Angesichts einer Ausweitung von Dumpinglöhnen, ausbeuterischer Kinderarbeit, radikalem Arbeitsplatzabbau und drohenden Langzeitfolgen für die Umwelt haben Verbraucher mehr denn je ein Recht zu erfahren, ob und wie Unternehmen ihre soziale und ökologische Verantwortung übernehmen", sagte Volkmar Lübke, Bundesvorstandsmitglied der Verbraucher Initiative.

Die Bundesregierung müsse endlich die Lücken in der entsprechenden Gesetzgebung schließen, fordert die Initiative. Nach Auffassung der Verbände darf das im Sommer gescheiterte Verbraucherinformationsgesetz nach der Bundestagswahl nicht ad acta gelegt werden. Die Öffentlichkeit habe ein Recht darauf, Zugang zu Unternehmensdaten zu bekommen. Dazu müsse auch eine Datenbank mit Unternehmensinformationen aufgebaut werden.

Deutschland brauche eine Diskussion über die ökologische und soziale Verantwortung der Unternehmen. Bisher herrsche in der deutschen Wirtschaft ein "Klima des Schweigens". In anderen Staaten, etwa Großbritannien, den Niederlanden oder den USA hätten die Bürger weitaus mehr Informationsrechte über die Unternehmen als hierzulande.

Gerhard Timm, Geschäftsführer des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), sagte: "Die Liste der durch regional und global agierende Unternehmen ausgelösten Umweltkatastrophen ist lang. Nur wenn die Verantwortlichen dafür auch zur Rechenschaft gezogen werden können, werden sie in Zukunft die erforderlichen Umweltstandards beachten. Mehr Transparenz ist eine unerlässliche Voraussetzung dafür."

Der Vorsitzende von Transparency International Deutschland, Hansjörg Elshorst, erklärte: "Das Verhalten der Unternehmen muss für die Öffentlichkeit transparenter werden. Das gilt auch für die Anstrengungen von Unternehmen, unethisches Verhalten zu unterbinden. All dies soll den Bürgern erleichtern, verantwortliche Entscheidungen als Konsumenten und Kapitalanleger zu fällen."

Angesichts der Dürren und Waldbrände in Spanien und Portugal und der Überflutungen im Alpenraum seien die Vorboten des Klimawandels nicht mehr zu übersehen, so Christoph Bals, Geschäftsführer von Germanwatch. Öffentlichkeit und Finanzmarkt hätten einen Anspruch darauf zu erfahren, wie viele Treibhausgase ein Unternehmen und dessen Produkte ausstoßen und wie das Unternehmen diesen Ausstoß verringern will.

Der geschäftsführende Vorstand von terre des hommes, Peter Mucke, verwies vor allem auf die Kinderarbeit in Entwicklungsländern. "Viele Produkte, die in den Regalen unserer Warenhäuser stehen, wurden von Kindern unter gesundheitsschädlichen und ausbeuterischen Bedingungen produziert. Wir wissen, dass die meisten Verbraucher und Anleger das nicht unterstützen wollen, doch es fehlt ihnen an Informationsmöglichkeiten. Hier ist die Bundesregierung dringend gefordert, die gesetzlichen Rahmenbedingungen für mehr Transparenz zu schaffen."

Das Memorandum wurde von der Verbraucher Initiative und fo.KUS (Forschung und Kommunikation für Konsum, Umwelt und Soziales) e.V. initiiert und wird von bislang 14 Nichtregierungsorganisationen sowie 12 Einzelpersonen aus Gewerkschaften, Forschungseinrichtungen und Verbänden getragen.

Das sechsseitige Papier ist als pdf-Download unter www.verbraucher.org/pdf/43.pdf verfügbar.

Verbraucher Initiative
o.KUS


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