uni hildesheim 80Hildesheim. - Am Institut für Kulturpolitik der Universität Hildesheim wird der UNESCO Chair "Cultural Policy for the Arts in Development" eingerichtet. Zunächst wollen die Wissenschaftler die internationalen Kooperationen mit dem afrikanischen Kontinent entlang kulturpolitischer Fragen ausbauen (Kulturelle Bildung, Rolle des Künstlers in politischen Veränderungsprozessen, kulturpolitische Rahmenbedingungen, Ausbildungsprogramme). Auftakt für den UNESCO-Chair bildet ein Festakt mit internationalem Kolloquium am 30./31. Januar 2013.

"Für die Universität Hildesheim ist es eine hohe Auszeichnung, dass sie jetzt einen von insgesamt zehn UNESCO-Lehrstühlen in Deutschland inne hat. Nach dem Lehrstuhl zur Hochschulbildung für nachhaltige Entwicklung an der Leuphana Universität Lüneburg hat Niedersachsen nunmehr zwei solcher bedeutender Lehrstühle. Diese bieten die große Chance, mit Hochschulen aus anderen Kontinenten wissenschaftliche Erkenntnisse mit grundsätzlichen Fragen zum Wohle und der Zukunft der Menschen zu verknüpfen. Die Universität Hildesheim ist somit zu einem niedersächsischen Botschafter der UNESCO geworden", sagte Wissenschaftsministerin Professor Dr. Johanna Wanka.

Ein wesentliches Anliegen der Hildesheimer Wissenschaftler ist, die internationalen Kooperationen zunächst mit dem afrikanischen Kontinent, später mit weiteren Weltregionen entlang kulturpolitischer Fragen auszubauen. In den kommenden Jahren untersuchen die Forscher unter anderem die Rolle des Künstlers in politischen und gesellschaftlichen Transformationsprozessen. "Künste sind nicht nur schön, sondern haben gesellschaftliche Relevanz. Das zeigen die Entwicklungen des 'arabischen Frühlings' und die Erfahrungen von Künstlern und Kulturvermittlern weltweit", so der Leiter des Chairs, Prof. Dr. Wolfgang Schneider.

Welchen Einfluss hat Kulturpolitik, haben Künstler auf Regierungen? Welche kulturpolitischen Rahmenbedingungen müssen geschaffen werden, damit die Künste gesellschaftliche Funktionen übernehmen können? Auftakt für den UNESCO-Chair bildet ein Festakt mit internationalem Kolloquium am 30. und 31. Januar 2013 auf dem Kulturcampus Domäne Marienburg. Kulturpolitikforscher und -akteure aus verschiedenen Teilen des afrikanischen Kontinents und Europas befassen sich mit der Verbindung von Kulturpolitik und "Good Governance".

Außerdem nehmen die Forscher die Lage der Kulturellen Bildung in Afrika in den Blick: "Gerade die Zielgruppe Kinder und Jugendliche steht nicht besonders hoch auf der kulturpolitischen Agenda der afrikanischen Regierungen. Zugleich gibt es eine Vielzahl von beispielgebenden Projekten und Programmen, mal aus dem Ausland angeschoben und finanziert, mal aus eigener Initiative geschaffen, die es dringend zu erforschen gilt." Welchen Einfluss haben zum Beispiel Musikprojekte mit Jugendlichen oder Kindertheaterprojekte auf die gesellschaftliche Entwicklung? Geplant ist, gemeinsam mit dem ARTerial Network (Kapstadt) und Hochschulen wie der University of Dar es Salaam die bisherigen Erfahrungen auszuwerten.

Außerdem soll der Aufbau von Ausbildungsprogrammen im Bereich Kulturmanagement in Afrika unterstützt werden. "Auf dem afrikanischen Kontinent gab es bisher praktisch keine Ausbildungsprogramme im Bereich Kulturmanagement", sagt Daniel Gad, wissenschaftlicher Mitarbeiter und Geschäftsführer des UNESCO-Chairs. In den letzten Jahren haben das Goethe- Institut, der British Council und das Arterial Network vereinzelt begonnen, Fort- und Weiterbildungsprogramme für Kulturmanager anzubieten.

"Gut ausgebildete Kulturmanager, die Kompetenzen in den Bereichen Kulturvermittlung, Kulturelle Bildung und Kulturpolitik besitzen, stellen einen wesentlichen Ausgangspunkt für florierende Kulturlandschaften dar", so Gad. Mit der Einrichtung des UNESCO-Chairs wolle die Universität Hildesheim die 30-jährige Erfahrung mit dem Studiengang "Kulturwissenschaften und ästhetische Praxis" international nutzen.

Mögliche Strukturbildungen an den Hochschulen Tshwane University of Technology in Südafrika, dem Instituto Superior de Artes e cultura in Mosambik und der University of Dar es Salaam werden derzeit diskutiert. Auch der Studierenden- und Dozentenaustausch sowie Forschungskooperationen sind geplant. Daran angeschlossen könne ein internationaler Masterstudiengang "Cultural Policy and Arts Management" in Kooperation mit dem Center for World Music an der Universität Hildesheim (Prof. Dr. Raimund Vogels) folgen.

Seit 20 Jahren stiften die Vereinten Nationen Lehrstühle ("UNESCO Chairs"). Rund 700 gibt es weltweit, zehn in Deutschland. Die Titel sind mit einem großen Renommee verbunden, das sich im Auswahlprozess wiederspiegelt.

www.uni-hildesheim.de
www.unesco.de


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