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WSISGenf (epo). - Sechs Wochen vor Beginn des zweiten UN-Gipfels zur Informationsgesellschaft (WSIS) sind wichtige Fragen nach wie vor ungeklärt. Die letzte Vorbereitungskonferenz (PrepCom 3) in Genf liess offen, wie die künftige Verwaltung des Internet geregelt sein soll und wie Mittel aufgebracht werden können, um ärmere Entwicklungsländer in die Lage zu versezten, den technologischen Vorsprung der Industriestaaten aufzuholen.

WSISGenf (epo). - Die letzte Vorbereitungskonferenz (PrepCom3) für den Weltinformationsgipfel im November in Tunis hat mit einem Eklat begonnen. Auf Intervention der chinesischen Delegation erhielt die Bürgerrechtsorganisation Human Rights in China (HRC) keine Akkreditierung für den Gipfel. Die USA, die EU und Kanada hatten für eine Teilnahme gestimmt. Das WSIS-Sekretariat begründete den Ausschluss mit einer unvollständigen Bewerbung. HRC habe einige seiner Sponsoren nicht nennen wollen, sagte der Chef des WSIS-Sekretariats, Charles Geiger.

Reporter ohne GrenzenBerlin/Genf (epo). - Anlässlich des heute in Genf beginnenden Vorbereitungstreffens für den Weltinformationsgipfel hat Reporter ohne Grenzen (ROG) die beteiligten Staaten aufgefordert, eine umfassende Meinungsfreiheit im Internet sowie die Rechte von Internetnutzern und -autoren zu garantieren. Gerade Länder, die wie China, Iran und Tunesien die Informationsfreihiet weltweit am wenigsten respektierten, spielten bei der Konferenz eine wichtige Rolle, kritisierte die Organisation.

Köln (DWJN). Vor einem "unkritischen Technikoptimismus" in den Debatten des Weltinformationsgipfels WSIS hat die Bochumer Medienwissenschaftlerin Annette Massmann gewarnt. Es fehle ein kritischer Diskurs über die sich ausbildende globale Netzwerkgesellschaft - ihr Beziehungsgeflecht aus Macht, Technik, Information und Kapital. Stattdessen werde der unkonkrete Begriff der "Informationsgesellschaft" verwendet und nicht hinterfragt.

wsisGenf (epo). - Am zweiten Tag des Weltinformationsgipfels in Genf trat die deusche Bundesregierung auf den Plan. Bundeskanzler Gerhard Schröder und Wirtschaftsminister Wolfgang Clement hatten wegen "dringender" innenpolitischer Verpflichtungen ihre Teilnahme am UNO-Gipfel abgesagt. Der Parlamentarische Staatssekretär im Wirtschaftsministerium, Rezzo Schlauch, erklärte am Donnerstag (11. Dezember 2003) vor dem Plenum in Genf, beim weiteren Ausbau der Informationsgesellschaft seien die Beachtung der Menschenrechte und die Meinungsfreiheit unabdingbar. Diese Menschenrechte umfassten die Meinungs- und Informationsfreiheit, den Schutz der menschlichen Würde und die Garantie auf freie, unabhängige und unterschiedliche Medien. "Die Beachtung der Menschenrechte ist für uns eine unverzichtbare Vorbedingung für eine weltweite Informationsgesellschaft", betonte Schlauch.
WSISGenf (epo). - Die Frage der Kontrolle über das Internet und die Überwindung des "digitalen Grabens" zwischen Industriestaaten und Entwicklungsländern - das sind die zentralen Themen des Weltinformationsgipfels, der vom 10. bis 12. Dezember in Genf tagt. Zu den dreitägigen Verhandlungen werden mehr als 16.000 Delegierte aus 192 Ländern erwartet. Rund 50 Staats- und Regierungschefs haben ihr Erscheinen angekündigt. Viele nichtstaatliche Initiativen und Bündnisse haben den "World Summit on the Information Society" (WSIS) allerdings schon vor Beginn für gescheitert erklärt.

Berlin (epo). - Selten hat ein neues Medium so viele Erwartungen geweckt und so viele Befürchtungen ausgelöst wie das Internet. Seit dem Beginn des Internet-Booms Mitte der 90er Jahre verbanden viele Aktivisten in Bürgerrechtsbewegungen und anderen Gruppen der Zivilgesellschaft mit dem heraufziehenden Informationszeitalter die Hoffnung auf globale Gerechtigkeit und weltweite Demokratisierung: "Die Internetionale erkämpft das Menschenrecht", lautete einer ihrer Slogans. Die Gegenseite machte in der digitalen Revolution sogleich Gefahren aus und rief nach Kontrolle, Regulierung und Zensur. Um die Gesellschaft vor Schaden zu bewahren, müssten politischer Extremismus, religiöse Militanz, Pornographie oder "westliche Dekadenz" aus dem Netz der Netze verbannt werden, lautet ihre Überzeugung.

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