
Das Zentrum für Politische Schönheit, eine Gruppe von Aktionskünstlern um den Berliner Philipp Ruch, hatte gemeldet, man habe für die Bundesregierung ein Soforthilfeprogramm entwickelt: Unter www.kindertransporthilfe-des-bundes.de stellten die Künstler eine Rettungsaktion nicht nur schlüsselfertig vor, sondern riefen deutsche Familien im Namen des Familienministeriums auch dazu auf, sich als „Pflegefamilie für ein syrisches Kind“ zu bewerben.
„Trotz 150.000 Toten, zehn Millionen Vertriebenen und 5,5 Millionen hilfsbedürftigen Kindern droht die größte Flüchtlingskrise des 21. Jahrhunderts in der deutschen Öffentlichkeit unterzugehen“, erklärte das ZPS. „55.000 der laut UNICEF 5,5 Millionen unter dem Krieg leidenden Kindern zu helfen, stellt unvermittelt die Frage, ob Deutschland derzeit zu viele oder zu wenige Flüchtlinge aufnimmt.“
Das Zentrum für Politische Schönheit ist eine Menschenrechts- und Aktionskünstlergruppe aus Berlin. Zuletzt lobte es nach eigenen Angaben 25.000 Euro Belohnung für Hinweise aus, die zur rechtskräftigen Verurteilung der Eigentümer des Panzerkonzerns Krauss-Maffei Wegmann (Leopard II) führen.
Satire darf alles, heißt es gemeinhin. Das stimmt. Und man darf Journalisten auch gerne vorwerfen, nicht weiter nachrecherchiert zu haben. Insofern haben die Aktionisten um Philipp Ruch nicht nur die Bundesregierung, sondern auch Medien veräppelt. Der Nachteil dieser Verfahrensweise ist, dass die nächste Aktion der Künstler vermutlich nicht viel Verbreitung finden wird.
Ein weiterer Fehler des ZPS: Die Satire entfaltet deshalb keine Wirkung, weil die konkrete Politik der Bundesregierung bereits als Satire gelten darf. Oder wie soll man eine Politik bewerten, die den Begriff „Populismus„, also eine „um ‚Nähe zum Volk‘ bemühte Politik“, zur Diskreditierung Andersdenkender benutzt und angeblich Griechenland mit „Rettungspaketen“ rettet, während es in Wahrheit darum geht, französische Banken und damit das herrschende Finanzsystem zu retten? Wie schon die Frankfurter Schule in der „Dialektik der Aufklärung“ bemerkte: „Schon der Mythos ist Aufklärung, und: Aufklärung schlägt in Mythologie zurück“.




