
Die Umweltorganisation urgewald und PowerShift, ein Verein für eine ökologisch-solidarische Energie- und Weltwirtschaft, hatten Marianne Moor von PAX nach Berlin eingeladen. Den Recherchen zufolge haben die Kohleunternehmen in der Region in verschiedener Weise mit den Paramilitärs der „Juan Andrés Alvarez Front“ kooperiert. Aus den Aussagen ehemaliger Paramilitärs gehe hervor, dass die Bergbauunternehmen zudem Informationen an die Armee und die Juan Andrés Alvarez Front weitergegeben hätten, etwa über Aktivitäten entlang der Eisenbahnlinie oder kritische Gewerkschafter. Drei ehemalige Paramilitärs erklärten, dass die Ermordung von drei Gewerkschaftsführern im Jahr 2001 ein Ergebnis dieser Zusammenarbeit gewesen sei.
„Die Zeugenaussagen sowohl von Opfern als auch Tätern machen deutlich, dass die Bergbauunternehmen bis heute von dieser Kooperation profitieren. Die Paramilitärs haben Zehntausende Einwohner aus den Konzessionsgebieten von Drummond und Prodeco vertrieben. Die Morde und Morddrohungen haben den Kampf der Gewerkschaften für bessere Arbeitsbedingungen nachhaltig geschwächt. Und die Gewalt hat fast alle kritischen Stimmen aus der Zivilgesellschaft zum Schweigen gebracht“, so Moor.
Das bestätigt auch der Gewerkschafter Rubén Morrón, der seit 2013 im französischen Exil lebt, nachdem ein Anschlag auf ihn verübt wurde. „Bewaffnete Banden, die aus den Paramilitärs hervorgegangen sind, terrorisieren die Region weiter. Sie schüchtern all diejenigen ein, die Aufklärung, Gerechtigkeit, Wiedergutmachung und Landrückgabe verlangen“, sagte Morrón. Auch indigene Aktivisten haben auf die Umweltzerstörung und die Menschenrechtsverletzungen im Zusammenhang mit dem Bergbau in der Region aufmerksam gemacht.
Die Bergbauunternehmen Drummond und Prodeco sind laut urgewald auch Kohlelieferanten der deutschen Energieversorger. Urgewald und PowerShift konfrontierten die deutschen Unternehmen mit den Vorwürfen gegen ihre Zulieferer. „Wir waren sowohl vergangenes als auch dieses Jahr auf den Hauptversammlungen von RWE und E.ON und haben diese Fälle vorgebracht. Auch mit Vattenfall sind wir deswegen in Kontakt. Aber RWE, E.ON und Vattenfall verweisen bei jeder Kritik auf ihre Initiative ‚Better Coal‘, die alle Probleme lösen soll. Sie sind jedoch noch nicht einmal bereit, sich von Kohlelieferanten zu trennen, die in so schwerwiegende Menschenrechtsverletzungen verstrickt sind“, erklärte Heffa Schücking, Geschäftsführerin von urgewald.
„Dies zeigt, dass es sich bei `Better Coal’ lediglich um eine bedeutungslose Industrieveranstaltung handelt, die das Ansehen der Kohle verbessern soll“, sagte Sebastian Rötters, Kohleexperte von PowerShift.
Quelle: urgewald.org



