Aachen. – Aus dem Norden des Iraks haben Partner der Hilfsorganisation MISEREOR am Freitag von einer dramatischen Zuspitzung der Flüchtlingssituation berichtet. Innerhalb von wenigen Tagen seien aus den irakischen Städten Mossul, Falludschah, Tikrit und anderen umkämpften Regionen insgesamt mehr als 600.000 Menschen in den kurdischen Teil des Irak geflüchtet. Auch aus Syrien strömen nach wie vor Tausende Menschen in das Gebiet. „Das ist, als hätte Deutschland innerhalb kürzester Zeit zehn Millionen Flüchtlinge aufgenommen“, erklärte MISEREOR-Geschäftsführer Martin Bröckelmann-Simon.
„Noch bei meinem letzten Besuch vor vier Monaten war die Situation in den Flüchtlingslagern, in denen vor allem syrische Flüchtlinge Schutz gesucht hatten, verhältnismäßig stabil und die humanitären Herausforderungen zu bewältigen. Jetzt allerdings ist die Lage dramatisch. Mit der IS-Offensive hat sich die Situation für die Flüchtlinge fundamental verschärft“, sagte Bröckelmann-Simon von MISEREOR. „Wir sind an einem Punkt angelangt, wo wir mit den bisherigen Hilfsmaßnahmen an eine Grenze stoßen. Der gesamte Nahe Osten brodelt und die Menschen leiden. Die bisherigen Hilfsmaßnahmen in der Region reichen bei weitem nicht mehr aus. Die Nothilfe muss dringend ausgeweitet werden.“
„Die Hilfsbereitschaft der Bevölkerung in Kurdistan ist groß. Doch für die Zahl der Menschen, die jetzt Hilfe brauchen, reichen die bestehenden Kapazitäten der Flüchtlingslager einfach nicht mehr aus. Die Brutalität der IS-Kämpfer ist derart, dass die Menschen in Panik und ohne Habseligkeiten geflüchtet sind“, erklärte Ahmad Salah, Leiter der Menschrechtsorganisation Jiyan Foundation for Human Rights. Darüber hinaus erschwert die große Hitze im Norden Iraks die Versorgung der Flüchtlinge. Familien hausen bei über 45 Grad in überhitzten Zelten. Nach Angaben der Jiyan Foundation fehlt es an Wasser, Nahrungsmitteln, Hygieneartikeln, Medikamenten und Kleidung. Der Ausbruch von Krankheiten wie Cholera und Hautkrankheiten drohe.
„Viele Flüchtlinge sind zudem schwer traumatisiert und berichten von unvorstellbaren Gräueltaten der IS-Kämpfer an der Zivilbevölkerung“, berichtete Salah. Die Jiyan Foundation bietet daher im Flüchtlingslager Domiz und sechs weiteren Zentren psychologische, medizinische und soziale Hilfe an. Mobile Einsatzteams helfen in entlegenen Gebieten.
Zuvor berichtete epo.de darüber wie die Gewalt im Nordirak eine halbe Millionen Menschen vertrieben hatte und wie sich sich die Versorgungssituation der Fllüchtlinge schon am 7. Juli zugespritzt hatte und Hilfsorganisationen mehr Gelder und Einsatz für die Region gefordert hatten. Auch medico international beteiligte sich an der humanitären Hilfe zur Unterstützung der Familien, die unter extremer Hitze (50 Grad im Schatten) und Wassermangel leiden und kritisierte dass die Politik sich nicht mit den Ursachen beschäftige, sondern versuche reaktiv, die wachsenden Gefahren abzuwehren.
Quellen: misereor.de | jiyan-foundation.org




