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Türkische Militärangriffe: medico befürchtet Verschärfung der humanitären Notlage in Syrien

medicoFrankfurt/Main. – Die Frankfurter Hilfsorganisation medico international befürchtet eine Verschärfung der humanitären Lage in Syrien. Indem der Westen das gleichzeitige militärische Vorgehen der autoritären Erdogan-Regierung gegen den Islamischen Staat (IS) und kurdische Gruppierungen dulde, trage er zu einer Verschlimmerung der Situation für Millionen Flüchtlinge bei, kritisierte medico am Mittwoch in Frankfurt am Main.

Medico international warf dem Westen einen „Deal“ mit der türkischen Regierung vor. Der Versuch, das Problem des IS militärisch zu lösen, geschehe „um den Preis der Duldung zunehmend autoritärer Regime wie jetzt in der Türkei“, sagte medico-Nahostreferent Martin Glasenapp. „Das Schicksal der Millionen Flüchtlinge steht leider nicht im Mittelpunkt der geostrategischen Überlegungen. Die Missachtung der Menschenrechte und der Demokratie wird auf Dauer das Problem vor Ort verschärfen.“

Die Auswirkungen für die yezidischen und kurdischen Bewohner und Flüchtlinge, die sich in der von der Türkei bombardierten Zone aufhalten, seien beträchtlich, berichtete medico. „Denn offensichtlich will die türkische Regierung weitere kurdische militärische Erfolge verhindern. Zeitgleich mit der dritten Angriffswelle der türkischen Luftwaffe auf Camps der PKK entlang der türkisch-irakischen Grenze am letzten Wochenende befreiten PKK-Einheiten zusammen mit yezidischen Selbstverteidigungsgruppen die Kleinstadt Bara westlich vom Shingal-Gebirge von IS-Terroristen.“

Gleiches gelte auch für Syrien, so medico. „Zeitgleich mit dem Beschuss von Grenzposten kurdischer YPG-Einheiten und arabischer FSA-Gruppen durch die türkische Artillerie westlich von Kobane, konnten beide Gruppen mit US-amerikanischer Luftunterstützung den IS aus der arabischen Kleinstadt Sarrin östlich des Euphrat in Zentralsyrien vertreiben. Das syrisch-kurdische Kobane wurde sofort nach dem Anschlag von Suruc seitens der Türkei mit einer militärischen Abriegelung der türkischen Grenze nach Rojava versehen, obwohl der mutmaßliche IS-Attentäter nicht aus Syrien, sondern aus der IS-Hochburg Adiyaman in der Südwest-Türkei kam. Zudem sind Helfer, mit denen auch medico zusammenarbeitet, um Hilfsgüter nach Kobane zu bringen, akut von der politischen Verfolgungswelle in der Türkei bedroht.“

Die Pläne der türkischen Regierung, eineinhalb Millionen Flüchtlinge in eine von ihr kontrollierte Zone in Syrien zu verlagern, spreche zudem Bände, „wie die Lösung des Flüchtlingsproblems in einer autoritären Ordnung aussehen soll“, so Glasenapp. Es gehe nicht an, „dass Europa und Deutschland dabei stillschweigend zuschauen, in der Hoffnung, so das auf Dauer gestellte Flüchtlingsproblem zu lösen“, kritisiert der medico-Nahostreferent.

Medico international unterstützt seit drei Jahren mit lokalen Partnern die syrische und kurdische Demokratiebewegung, versorgt Flüchtlinge im Libanon und in Syrien mit humanitärer Hilfe und beteiligt sich an dem sozialmedizinischen Wiederaufbau in Kobane.

Quelle: www.medico.de 

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