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Nigeria: Ogoni kämpfen noch immer für ein menschenwürdiges Leben

gfbv 200Göttingen. – Zum 20. Jahrestag der Hinrichtung (10.11.1995) des nigerianischen Schriftstellers Ken Saro-Wiwa und acht weiterer Ogoni-Menschenrechtler hat die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) mehr Initiativen für eine ökologische Sanierung der Ölfördergebiete des Nigerdeltas und für ein menschenwürdiges Leben der Ogoni gefordert. „Den Ogoni geht es heute kaum besser als vor 20 Jahren, als Diktator Sani Abacha neun ihrer Bürgerrechtler erhängen ließ, weil sie auf die Umweltkatastrophe im Nigerdelta international aufmerksam gemacht hatten. Zwar ist Nigeria heute eine Demokratie, aber das Nigerdelta ist noch immer eine ökologische Zeitbombe und grundlegende Menschenrechte der Ogoni werden verletzt“, erklärte der GfbV-Afrikareferent Ulrich Delius in Göttingen.

„Wir begrüßen, dass Nigerias neuer Staatspräsident Muhamadu Buhari die Sanierung des Nigerdeltas zur Dringlichkeitsaufgabe erklärt hat. Doch entsprechende Erklärungen gab es auch bereits früher, ohne dass sich die Lage der Ogoni grundsätzlich besserte.“

Mehr als 50 Jahre Ölförderung und Abfackeln von Gas haben die Böden, die Luft und die Seitenarme des Niger-Flusses massiv verseucht. So ist der Ölreichtum für die indigenen Bewohner des Nigerdeltas zum Fluch geworden. Die traditionellen Fischer können sich meist nicht mehr vom Fischfang ernähren, weil die Gewässer zu stark verschmutzt und die Fische mit Umweltgiften stark belastet sind.

In mehr als einem Dutzend Reporten wurden diese Missstände und ihre katastrophalen Folgen für die Gesundheit und Gesellschaft der indigenen Ogoni dokumentiert. Zuletzt legte das UN-Umweltprogramm UNEP im August 2011 nach fünfjähriger Recherche einen umfassenden Umweltreport vor. „Bislang fehlte es am politischen Willen zur Umsetzung der vielen in dem UNEP-Report geäußerten Empfehlungen“, kritisierte Delius. „Die Ogoni können nur hoffen, dass Buhari sich gegen die mächtigen Interessen der Ölindustrie durchsetzt und dem Nigerdelta und seinen Bewohnern endlich ernsthaft hilft.“

Mit großer Besorgnis verfolgt die GfbV, dass zwei Jahrzehnte nach Ken Saro-Wiwas Ermordung der Protest vieler indigener Bewohner des Deltas gegen die Umweltverseuchung nicht mehr friedlich ist. „Vor allem junge Leute haben sich aus Enttäuschung über die gebrochenen Versprechen der Politiker Milizen und kriminellen Banden angeschlossen. Ken Saro-Wiwa wäre entsetzt, wenn er sehen würde, wozu Korruption und Machtmissbrauch geführt haben“, sagte Delius.

„Ken Saro-Wiwa war ein enger Partner der GfbV und stimmte viele seiner Protestaktionen mit uns ab. Bis zuletzt haben wir versucht, seine Hinrichtung zu verhindern. Der Shell-Konzern reagierte damals auf unsere Proteste gegen die Folgen der Ölförderung mit der Bespitzelung unserer Menschenrechtsorganisation durch eingeschleuste Informanten des Konzerns.“

Quelle: gfbv.de

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