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Arktis: Bremer Umweltphysiker befürchten massiven Ozonabbau

Bremen (epo). – Infolge des kalten Winters erwarten Bremer Wissenschaftler einen massiven Ozonabbau über der Arktis. Möglicherweise würden die bisherigen Rekordwerte übertroffen. Diese Befürchtung äußerten die Umweltphysiker Holger Bremer und Harry Kuellmann von der Universität Bremen. Sie führten in einem Forschungsflugzeug der NASA Untersuchungen mit einem eigens entwickelten Messinstrument durch.

Das Ergebnis der Untersuchungen: hohe Werte an aktivem Chlor und geringe Werte an Salpetersäure. Beide Faktoren deuteten darauf hin, dass der Ozonabbau über der Nordhalbkugel bis weit in der Frühling hineinreichen und auch Gebiete über Mitteleuropa umfassen könne, so die Wissenschaftler.

Die Untersuchungen waren Teil der internationalen PAVE-Mission (Polar Aura Validation Experiment), um die Entwicklung und Veränderung des Klimas zu erforschen. Ausgestattet mit verschiedenen Messinstrumenten unternahm ein Forschungsflugzeug der NASA mehrere Messflüge in den polaren Gebiete über Kanada. Mit an Bord befanden sich auch die Bremer Wissenschaftler mit ihrem Instrument ASUR (Airborne Submillimter Radiometer). Das Instrument erfasst Konzentrationen von Ozon und der am Ozonabbau beteiligten Spurenstoffe in einem Höhenbereich von 15 – 70 Kilometern.

Aus Sicht von Klimaforschern stellt der diesjährige Winter eine Besonderheit dar. Die beobachteten Temperaturen in der unteren arktischen Stratosphäre – das ist in einem Höhenbereich zwischen 15-25 km – sind die kältesten der vergangenen 50 Jahre. Als Folge erwarten die Klimaforscher einen starken Abbau der stratosphärischen Ozonschicht, die die Erde vor der schädlichen UV-Strahlung der Sonne schützt. Denn erst bei sehr kalten Temperaturen, die nur im Winter in der polaren Stratosphäre auftreten können, bilden sich polare Stratosphärenwolken. Sie bestehen zumeist aus einer Mischung von Salpetersäure (HNO3) und Wasser bzw. Eis. Chlor, das durch die Freisetzung von Fluorchlorkohlenwasserstoffen (FCKW) in die Stratosphäre gelangt, kann an der Oberfläche dieser Wolken von seiner nicht aktiven in eine aktive Form überführt werden. Diese aktiven Chlorverbindungen sind die Hauptverursacher des stratosphärischen Ozonabbaus.

Nach der Aktivierung und bei Sonnenlicht ist nun ein katalytischer Ozonabbau möglich, wie er beispielsweise zum „Ozonloch“ in der Antarktis führt. Zum Ende des Winters mit steigenden Temperaturen lösen sich diese Wolke wieder auf und das freigesetzte HNO3 ist mit an der Rückführung des aktiven Chlors in seine inaktive und „harmlose“ Form beteiligt. Im Gegensatz zu der Antarktis treten diese extrem kalten Temperaturen über dem nordpolaren Gebiet jedoch weitaus seltener auf und der Ozonabbau ist „normalerweise“ weniger stark ausgeprägt.

Die Messergebnisse überraschten selbst Experten: Neben sehr hohen Konzentrationen von aktivem Chlor (Chlormonoxid) wurden im Vergleich zu früheren Jahren nur sehr geringe Werte von Salpetersäure gemessen. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass eine Normalisierung in diesem Jahr erst spät eintreten und sich der Ozonabbau bis weit in den Frühling hinein fortsetzen könnte. Doch diese Prozesse sind nicht nur auf die polaren Gebiete beschränkt: Am zweiten Märzwochenende schoben sich Teile der polaren Luftmasse über Mitteleuropa bis zur Mittelmeerküste. Erste Auswertungen der Messdaten zeigen, dass es in diesem Winter massive Ozonverluste geben kann, die die Verluste früherer kalter Winter durchaus übertreffen könnten. Die weitere Entwicklung wird jetzt von den Bremer Wissenschaftlern und ihren nationalen und internationalen Kollegen verfolgt.

 Universität Bremen

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