
„Zwar ist endlich eine Lösung für die Bewohner von Tawergha gefunden worden. Doch der Rassismus gegen dunkelhäutige Menschen hält in Libyen weiter an. Fast täglich erreichen uns Berichte von entführten und gefolterten Flüchtenden aus Eritrea und dem Sudan, denen in Libyen von Menschenhändlern schwerste Menschenrechtsverletzungen zugefügt werden“, berichtete GfbV-Direktor Ulrich Delius am Mittwoch in Göttingen.
Rund 12.000 Familien dunkelhäutiger Libyer waren nach dem Sturz von Diktator Gaddafi im September 2011 gewaltsam aus der Stadt Tawergha vertrieben worden. Bewohner der Nachbarstadt Misrata hatten sie verdächtigt, das Gaddafi-Regime unterstützt zu haben, so die GfbV. Die Bewohner Tawerghas waren Libyer und keine Flüchtlinge aus anderen Staaten. Sie unterschieden sich nur durch ihre Hautfarbe von der arabischen Mehrheitsbevölkerung. Systematisch wurden ihre Häuser von Milizen angegriffen und zerstört, so dass der Ort zu einer Geisterstadt wurde. Viele Bewohner wurden von Milizionären aufgrund ihrer Hautfarbe verschleppt und zu Tode gefoltert.
Mehrfach hatten Menschen aus Tawergha in den vergangenen Jahren vergeblich versucht zurückzukehren. Sie wurden von Milizionären bedroht und mussten die Stadt wieder verlassen. Offiziell sind rund 48.000 Menschen als ehemalige Bewohner des Ortes registriert. Sie lebten seither in Camps in ganz Libyen oder haben im Ausland Zuflucht gesucht. Auch in Sachsen hat eine größere Gruppe ehemaliger Bewohner Tawerghas Schutz gefunden.
Jahrelang hatte sich die GfbV für ihre Rückkehr und für eine Aussöhnung mit den Bewohnern der Nachbarstadt Misrata eingesetzt. „Lange wurde das dramatische Schicksal der Vertriebenen von den libyschen Behörden ignoriert. Heute braucht das umkämpfte Land dringend positive Nachrichten, um den Anschein der Normalität zu erwecken. Der Skandal um die Versklavung von afrikanischen Flüchtenden hat dem Image Libyens nicht nur in Afrika massiv geschadet“, sagte Delius. „Doch die Lösung der Tawergha-Frage markiert kein Happyend, solange dunkelhäutige Menschen aufgrund ihrer Hautfarbe auf Libyens Straßen um ihr Leben fürchten müssen.“
Quelle: www.gfbv.de




