Start / News / Im Rosengarten der Märtyrer ein Portrait des Iran

Im Rosengarten der Märtyrer ein Portrait des Iran

BellaigueChristopher de Bellaigue
Im Rosengarten der Märtyrer. Ein Portrait des Iran
C.H. Beck Verlag, Februar 2006

Man ahnt, dass der Iran in der Geopolitik der kommenden Jahre eine ebenso bedeutende Rolle spielen wird wie auf dem Buchmarkt. Vereint er doch nahezu alle brisanten Themen (Anti- Amerikanismus, Islam, Fanatismus, Atombombe…), die in diesen Tagen die Feuilletons bestimmen.

 

Erfreulicherweise ist das Buch von Bellaigue, einem britischen Journalisten, der mit einer Iranerin verheiratet ist, keine vorschnelle Reaktion auf die gespannte politische Situation, in der sich das Land seit einiger Zeit befindet. Statt dessen kreiert der Autor ein wirkliches Portrait des heutigen Irans, weitgehend frei von Wertungen und Allgemeinplätzen. Das Buch beginnt mit der Beschreibung der Trauerzeremonien für den Imam Hossein, die zwei besondere kollektive Gefühle offenbaren: Trauer und Trotz.

Das Buch geht beinah planlos vor, es folgt die Beschreibung einer Fahrt nach Isfahan, die jedoch schnell zu einer Betrachtung über die Zeit des Schahs gerät. Die historischen Exkurse sind komplex, auf die Schnelle lässt sich dieses Buch nicht lesen. Grundkenntnisse der persischen Geschichte werden zwar nicht vorausgesetzt, aber die Flut der Namen und Schlachten kann den uninformierten Leser schnell ermüden.

In jedem Kapitel trifft Bellaigue auf einen besonderen Menschen, dessen Schicksal weitere historische und religiöse Sachverhalte erschließt. Taxifahrer kommen dabei ebenso zu Wort, wie fanatische Mullahs und ausgebrannte Soldaten. Der Leser ist oft schockiert von der Intensität die diese Menschen ausstrahlen, Gewalt und Gerechtigkeit sind hier interpretierbare Begriffe.

Bellaigue wird zum Chronisten dieser Menschen, füttert das Ganze noch mit oft bissigen Schilderungen der weltpolitischen Lage. Besonders eindringlich geraten die Schilderungen des Krieges gegen den Irak. Immer wieder zieht sich der Autor zurück und ermöglicht damit ein Einordnen in einen globalen Kontext. Treffend gerät etwa die Gegenüberstellung Rezas mit Attatürk.

Die Schwäche des Buches macht gleichzeitig auch seinen Reiz aus. Viele Zeit- und Themensprünge. So ist die Lektüre nie langweilig, wenn auch manchmal etwas strapaziös. Einen äußerst gelungenen Einblick in die Vielschichtigkeit der iranischen Kultur und Gesellschaft leistet Bellaigue jedoch allemal.

Autorin: Ulla Fricke M.A., geb. 1980 in München, Politologin in Köln

Login

Neue Jobs bei epojobs.eu

Bannerwerbung

GNE Banner
GNE Banner

Newsletter abonnieren!

Subscription Form

Events

Anstehende Events

Tags

Afrika Armut Bildung BMZ Brasilien CO2 Coronavirus Deutschland Entwicklungsfinanzierung Entwicklungshilfe Entwicklungspolitik Entwicklungszusammenarbeit Ernährung Europäische Union EZ Fairer Handel Flüchtlinge Gesundheit Humanitäre Hilfe Hunger Jemen Katastrophen Kinder Klimagipfel Klimakrise Klimaschutz Kolumbien Konflikte Kriege und Konflikte Landwirtschaft Medien Menschenrechte Migration Nachhaltigkeit News Nothilfe Oxfam Pressefreiheit Sudan Syrien Umwelt UNO USA Wahlen Weltwirtschaft