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„Wilder Westen“ der Klimafinanzierung: Schwarzes Loch von 343 Milliarden US-Dollar

Berlin. – Während die Staats- und Regierungschefs in Dubai zur Eröffnung der COP28 zusammenkommen, präsentiert eine umfangreiche Datenanalyse der Entwicklungsorganisation ONE, wie stark der Kampf gegen die Klimakrise durch undurchsichtige, ungenaue und aufgeblähte Daten zu Finanzierungszusagen behindert wird. Die von ONE veröffentlichten „Climate Finance Files” stellen die weltweit solidesten und umfassendsten Open-Source-Daten zur öffentlichen internationalen Klimafinanzierung dar. Basierend auf über 200.000 öffentlichen Datensätzen zeigen sie auf, wie mangelnde Transparenz den globalen Kampf gegen den Klimawandel untergräbt. 

Bei der COP28 werden die Staats- und Regierungschef*innen voraussichtlich offiziell bekannt geben, dass sie das jährliche Ziel von 100 Milliarden US-Dollar für die Klimafinanzierung in Entwicklungsländern im Jahr 2022 erreicht haben. ONE warnt, dass dies aller Wahrscheinlichkeit nach nicht den Tatsachen entspricht. Die Datenanalyse ergab, dass fast zwei Drittel der zwischen 2013 und 2021 von der OECD gezählten Zusagen zur Klimafinanzierung – im Wert von schwindelerregenden 343 Milliarden US-Dollar – nie als ausgezahlt gemeldet wurden oder, falls ausgezahlt, kaum einen Bezug zum Klima hatten.   
 
Weitere wichtige Erkenntnisse aus den Daten:  

  • Über 20 Prozent der zugesagten Klimafinanzierung aus dem offenen Datensatz der OECD der Jahre 2013 bis 2021 – insgesamt 115 Milliarden US-Dollar – die angeblich für den Klimaschutz vorgesehen waren, wurden für Zwecke verwendet, die wenig oder gar nichts mit dem Klimaschutz zu tun hatten.
  • Bilaterale Geber melden durchweg weit weniger Auszahlungen, als sie zugesagt haben. Weniger als die Hälfte der Klimafinanzierung, die sie zwischen 2013 und 2021 zugesagt haben, wurde als ausgezahlt gemeldet oder hatte einen sinnvollen Bezug zum Klima, was einer Differenz von 135 Milliarden US-Dollar entspricht.   
  • Im Jahr 2021 erhielten die 20 Länder, die weltweit am stärksten durch die Klimakrise bedroht sind, nur 6,5 % der jährlich benötigten Finanzierung zur Bekämpfung des Klimawandels.  

Dr. David McNair, Executive Director Policy bei ONE warnt vor den Auswirkungen: „Die globale Klimakrise bedroht alles, was uns am meisten am Herzen liegt – aber wir werden die Situation nicht ändern können, wenn niemand die Belege prüft. Um die Welt wieder auf den richtigen Weg zu bringen, sind noch nie dagewesene Investitionen nötig. Stattdessen sehen wir uns mit dem „Wilden Westen“ der Klimafinanzierung konfrontiert – wo die Bemühungen zum Schutz der Menschen und des Planeten durch gebrochene Versprechen, Unwahrheiten und zweifelhafte Buchführung untergraben werden. Ohne eine bessere Rechnungslegung werden weiterhin Hunderte von Milliarden US-Dollar von diesem schwarzen Loch verschlungen.“

Stephan Exo-Kreischer, Europa- und Deutschland-Direktor bei ONE ergänzt: „Transparenz, Genauigkeit und Rechenschaftspflicht sind niemals nur „nice to have“. Angesichts der globalen Herausforderung, unser Klima zu retten, müssen wir sicherstellen, dass die Gelder dorthin fließen, wo sie am dringendsten benötigt werden, und dass sie effektiv eingesetzt werden. Die „Climate Finance Files” geben Menschen weltweit endlich die Instrumente an die Hand, um diese Finanzmittel zu verfolgen und von Regierungen und anderen Beitragszahlern Rechenschaft zu fordern. Das Ausmaß des „Inflated Reporting“, das seit Jahren von Klimaschützern und Wissenschaft angeprangert wird, konnte bisher nicht präzise bestimmt werden. Durch ONE ist es nun erstmals möglich, diese Missstände exakt zu quantifizieren: Deutschland meldete zum Beispiel lediglich Auszahlungen in Höhe von 47% seiner Verpflichtungen zur Klimafinanzierung an die OECD, was einer Differenz von 34 Mrd. US-Dollar entspricht.“
 
Zum Auftakt der COP28 fordert ONE die Geber auf, ihre historischen Zusagen zur Klimafinanzierung einzuhalten und die Finanzierungslücke zu schließen, d. h. die versprochenen 100 Milliarden US-Dollar tatsächlich bereitzustellen. Dabei begrüßt ONE, dass Deutschland 2022 die Zusage von 6 Milliarden EUR bereits übertroffen hat. Zugleich mahnt ONE an, dass mit Blick auf die aktuelle Finanzplanung das Niveau auch in den Folgejahren bis einschließlich 2025 gehalten werden muss. Außerdem müssen die Geberländer ihre Zusage von der COP26 in Glasgow erfüllen, die Anpassungsfinanzierung bis 2025 zu verdoppeln. 

 

Quelle: Climate Finance Files: https://datacommons.one.org/

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