Hannover/Berlin (epo.de). – Die weltweit 191 Millionen Migranten haben im Jahr 2005 Schätzungen der Vereinten Nationen zufolge rund 232 Milliarden US-Dollar in ihre Heimatländer überwiesen. Davon seien insgesamt 167 Milliarden US-Dollar in Entwicklungsländer geflossen, berichtete die Deutsche Stiftung Weltbevölkerung (DSW) am Mittwoch in Berlin bei der Vorstellung des aktuellen Weltbevölkerungsberichtes 2006. Die Migration hat jedoch auch ihre Schattenseiten: Jedes Jahr werden dem Bericht zufolge Millionen Migrantinnen Opfer des Menschenhandels, von Misshandlungen und Ausbeutung am Arbeitsplatz.
„Frauen schicken einen weitaus höheren Anteil ihres Einkommens nach Hause als Männer“, sagte Bettina Maas vom Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen (UNFPA). So überweisen Migrantinnen aus Bangladesch, die im Nahen Osten arbeiten, 72 Prozent ihres Einkommens an ihre Familien in der Heimat. „Der überwiegende Teil ist für die Gesundheitsversorgung und die Bildung der Kinder bestimmt. Damit leisten die Frauen einen wichtigen Beitrag zur Armutsbekämpfung und Entwicklung ihrer Länder.“
Weltweit gibt es em UNFPA-Bericht zufolge 191 Millionen Migranten. Fast die Hälfte von ihnen sind Frauen – insgesamt 95 Millionen. „Niemand sollte aus Not zur Migration gezwungen sein“, erklärte Renate Bähr, stellvertretende DSW-Geschäftsführerin. In den Entwicklungsländern bleibe vielen Menschen aufgrund von Armut und fehlenden Perspektiven jedoch kein anderer Ausweg. „Um die Lebensbedingungen in den Herkunftsländern zu verbessern, müssen wir die Armut wirksam bekämpfen. Dazu gehören auch Maßnahmen zur Familienplanung und Gesundheit. Denn in vielen armen Ländern trägt das Bevölkerungswachstum zur Belastung der ohnehin schwachen Sozialsysteme und knappen Ressourcen bei und verstärkt so den Migrationsdruck.“
ABWANDERUNG QUALIFIZIERTER FACHKRÄFTE
Die Nachfrage nach qualifiziertem Gesundheitspersonal in einigen Industrieländern lockt dem Bericht zufolge immer mehr qualifizierte Migranten an. Von den 600 Ärzten, die seit der Unabhängigkeit 1964 in Sambia ausgebildet wurden, arbeiteten heute nur 50 in ihrem Heimatland. Im Jahr 2000 hätten doppelt so viele Krankenschwestern Ghana verlassen wie dort im selben Jahr ausgebildet wurden. „Es ist ein Skandal, dass gerade dort, wo die Aids-Epidemie am schlimmsten wütet, so viele Ärzte und Krankenschwestern fehlen“, sagte Renate Bähr. „Wenn weiterhin jährlich 20.000 medizinische Fachkräfte aus Afrika auswandern, werden die Entwicklungsziele zu HIV/Aids, Säuglings- und Müttersterblichkeit unerreichbar bleiben.“
MENSCHENHANDEL UND AUSBEUTUNG
Etwa die Hälfte der weltweit 12,7 Millionen Flüchtlinge im Jahr 2005 waren Frauen. Auf der Flucht seien Frauen und Mädchen vielfältigen Gefahren ausgesetzt, etwa sexueller Gewalt, heißt es in dem Bericht. Schätzungsweise 600.000 bis 800.000 Menschen würden jedes Jahr über Staatsgrenzen hinweg verschleppt und verkauft. 80 Prozent von ihnen seien Frauen und Mädchen. Durch eine verfehlte Politik würden Frauen zudem oft in ungeregelte Beschäftigungssektoren abgedrängt, wo sie leicht Opfer von Ausbeutung und Misshandlung werden. Dies gelte vor allem für Migrantinnen, die in Privathaushalten im Ausland arbeiten.
Mangelnde multilaterale Zusammenarbeit und das Fehlen von politischen Maßnahmen zum Schutz ihrer Rechte gehen auf Kosten dieser Frauen, so der Bericht mit dem Titel „Der Weg der Hoffnung. Frauen und internationale Migration“, der im Vorfeld des ersten UN-Migrationsgipfels Mitte September in New York erscheint. „Wir müssen die Gesundheit und die Menschenrechte von Migrantinnen besser schützen“, forderte Bettina Maas. „Darüber hinaus sind Maßnahmen zur Gleichberechtigung von Frauen und Investitionen in die Armutsbekämpfung ein wesentlicher Bestandteil für eine gerechtere internationale Migrationspolitik, die den Nutzen der Migration für alle erhöht und Frauen davor bewahrt, sich aus Not in Abhängigkeit zu stürzen.“
Zusammenfassung des Berichts
Deutsche Stiftung Weltbevölkerung
UNFPA




