Berlin. – Der Stromsektor in den EU-Ländern müsste seine Treibhausgasemissionen eigentlich bis 2035 auf Null senken, um die Pariser Klimaziele zu erreichen. So hat es die Internationale Energieagentur (IEA) berechnet. Aber nicht einer der zehn großen Energieversorger, die für die Transformation der europäischen Energieversorgung eine zentrale Rolle spielen, habe bislang einen klaren Plan für die Abkehr von fossilen Brennstoffen“ veröffentlicht, meldete am Mittwoch die Umweltorganisation urgewald. Untersucht wurden die Unternehmen A2A (Italien), Enel (Italien), ENGIE (Frankreich), EPH (Tschechien), Iberdrola (Spanien), Naturgy (Spanien), PGE (Polen), RWE (Deutschland), SSE (Schottland) und Statkraft (Norwegen).
Der jetzt veröffentlichte „Power Transition Tracker“ der urgewald-Partnerorganisationen Beyond Fossil Fuels (BFF) und Reclaim Finance zeigt auf, dass sieben der analysierten Unternehmen (A2A, Enel, ENGIE, EPH, RWE, PGE, und SSE) sogar 37 neue Gaskraftwerke planen, die bis weit in die Zukunft Gas verbrennen würden. Insgesamt könnten so 25 Gigawatt an neuer fossiler Kapazität entstehen.
Gemeinsam fordern die an der Untersuchung beteiligten NGO-Partner (ReCommon, IEEFA, Workshop for All Beings, Polish Green Network, Friends of the Earth Scotland, WWF, Re-set, Ember und IIDMA) von den Energieversorgern, die geplante Ausweitung des Gaskraftwerksparks zu stoppen und ehrgeizige Transformationspläne zu veröffentlichen. Banken und Investoren müssten dies unterstützen, indem sie ihre finanzielle Unterstützung für fossile Expansionsgeschäfte einstellen und Energieversorger zu glaubwürdigen Plänen für die Dekarbonisierung drängen.
Urgewald hat sich RWE näher angeschaut. „RWE setzt auf fossiles Gas als Energieträger der Zukunftanstatt klare Pläne für den Ausstieg aus allen fossilen Brennstoffen zu formulieren„, sagt Moritz Leiner, Energie-Campaigner bei urgewald. „Diese anhaltende fossile Abhängigkeit verschärft die Klimaüberhitzung und sorgt so für eine weitere Eskalation klimabedingter Wetterextreme. RWE erschwert damit die Wende hin zur Klimaneutralität. Banken und Investoren, die fossil expandierende Unternehmen wie RWE unterstützen, machen sich mitschuldig an der Zerstörung unseres Klimas. Sie müssen ihre Geschäfte mit fossilem Gas schnellstmöglich beenden.“
Laut urgewald-Recherchen für die Öl- und Gasdatenbank Global Oil & Gas Exit List ist RWE an der Erschließung neuer Öl- und Gasressourcen im Umfang von gut 100 Millionen Barrel Öläquivalent (mmboe) beteiligt. Zudem habe RWE in den vergangenen Jahren „ökologisch und menschenrechtlich problematische Verträge“ für die Lieferung von Flüssigerdgas mit dem australischen Unternehmen Woodside, dem US-Konzern Sempra Infrastructure und dem Staatskonzern ADNOC aus den Vereinigten Arabischen Emiraten abgeschlossen.
Aktuell plane RWE außerdem den Bau neuer fossiler Gaskraftwerke mit einer kombinierten Leistung von 2,5 Gigawatt an den deutschen Standorten Weisweiler und Werne sowie im britischen Stallingborough. „Konzernchef Markus Krebber drängt die deutsche Bundesregierung, einen starken Ausbau von Gaskraftwerkskapazitäten zu ermöglichen“, kritisiert urgewald.
Brigitte Alarcon, Campaignerin bei Beyond Fossil Fuels, erklärte: „Der Versuch, Netto-Null zu erreichen und gleichzeitig in fossile Brennstoffe zu investieren, ist so, als würde man für einen Marathon trainieren und dabei jeden Tag eine Schachtel rauchen. Obwohl viele Stromanbieter in nachhaltige Energielösungen investieren, ist es entscheidend, dass sie ehrgeizige Pläne mit klaren Zwischenzielen einführen, um sich bis 2035 von fossilem Gas zu lösen. Nur so können sie ihr Potenzial ausschöpfen, um eine Triebfeder der europäischen Energiewende zu werden.“
Foto: Strommast in Süddeutschland. Copyright 2025 © boldtpublishing.com







