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Sudan: Hunderte Tote bei Milizenangriffen in Nord-Darfur

Sudan Mutual Aid

Khartum/Berlin. – Hunderte Zivilisten sind zwischen Donnerstag und Sonntag bei Angriffen der paramilitärischen sudanesischen Rapid Support Forces (RSF) auf Lager für Binnenvertriebene (IDP) in El Fasher, der Hauptstadt des Bundesstaates Nord-Darfur, getötet oder verletzt worden. Das hat der „Sudan War Monitor“ am Sonntag auf der US-Autorenplattform Substack und in Sozialen Medien gemeldet. Der Beginn des neu aufgeflammten Bürgerkrieges im Sudan jährt sich am Dienstag zum zweiten Mal.

Die jüngsten Angriffe auf die Flüchtlingslager Zamzam und Abu Shok, bei denen auch neun Hilfskräfte ums Leben kamen, markierten eine deutliche Eskalation der Gewalt in den IDP-Lagern seit Ausbruch des neuen Bürgerkriegs im April 2023, so der Sudan War Monitor, der von einem Kollektiv von Journalisten und Wissenschaftlern herausgegeben wird. In dem Konflikt stehen sich die RSF unter der Führung von Mohamed Hamdan Dagalo und die sudanesischen Streitkräfte (SAF) unter Abdelfattah Al Burhan gegenüber.

Der Sudan War Monitor lokalisierte Videos von RSF-Kämpfern im Zentrum des Lagers Zamzam. Sie zeigen zahlreiche tote Zivilisten am Boden. In einem Video sind RSF-Soldaten in der Nähe von neun Leichen zu sehen. Im Video erklärt ein RSF-Kämpfer, die paramilitärische Gruppe würde Zivilisten „so“ töten und deutete dabei auf die Leichen. Er identifizierte die Toten als „Falangayat“ [ein politischer Begriff, der von den RSF als ethnisches Schimpfwort verwendet wird] und gab als Datum den 11. April 2025 an.

Die Koordination der Widerstandskomitees von El Fasher erklärte am Samstag, dass seit Donnerstag mindestens 320 Menschen getötet oder verletzt worden seien.

Die RSF hat wiederholt behauptet, dass die Lager Zamzam und Abu Shok sowie weitere Lager rund um El Fasher Militärstützpunkte der Gemeinsamen Streitkräfte der Bewegungen des bewaffneten Kampfes (JSAMF) beherbergen. Diese Koalition ehemaliger Darfur-Rebellengruppen besteht laut Sudan War Monitor hauptsächlich aus der Sudanesischen Befreiungsarmee unter der Führung von Darfur-Gouverneur Minni Arko Minnawi und der Bewegung für Gerechtigkeit und Gleichheit (JEM) unter der Führung von Finanzminister Jibril Ibrahim.

In einem Video ist zu hören, wie RSF-Kämpfer Personen befragen: „Seht [in die Kamera], wo sind diese Leute [von der Gemeinsamen Streitkräfte] hin? Diese Leute leben bei euch, wo sind sie hin? Wohin sind sie geflohen? Wohin sind die Bewegungen geflohen? Sagt die Wahrheit, wenn ihr nicht die Wahrheit sagt, erschießen wir euch. Sagt die Wahrheit, wo die [Militär-]Garnison stationiert ist?“ Die Kämpfer wiesen die Männer dann an, eine Hütte zu betreten, offenbar für weitere Verhöre. Ein weiteres Video zeigt RSF-Kämpfer, die einen älteren Mann in einer weißen Dschalabiyya (traditionelles Männergewand) hinrichten.

In einer Erklärung gaben die RSF an, die Kontrolle über das Lager übernommen und bewaffnete Einheiten zum Schutz von Zivilisten und humanitären Helfern eingesetzt zu haben. Die paramilitärische Gruppe bestritt, gezielt Zivilisten angegriffen zu haben. Sie behauptete, das Lager sei von ehemaligen Darfur-Rebellen, die mit den Sudanesischen Streitkräften (SAF) verbündet seien, in eine militärische Operationsbasis umgewandelt worden.

Der Sudan War Monitor wies darauf hin, dass die sogenannte „Joint Force“ und Elemente der mit ihr verbundenen Söldnerbewegungen das Lager Zamzam weiterhin als Militärstützpunkt nutzten „und dabei unschuldige Zivilisten gezielt als menschliche Schutzschilde missbrauchen – ein klarer und eklatanter Verstoß gegen das humanitäre Völkerrecht“.

{Übersetzung: Redaktion mit KI-Unterstützung}

Hintergrund

Die Republik Sudan erlangte am 1. Januar 1956 ihre Unabhängigkeit von der Kolonialmacht Vereinigtes Königreich. 1989 kam General Umar al-Baschir durch einen Militärputsch an die Macht und regierte das Land fortan als Präsident mit repressiven Mitteln. Durch seine autoritäre Regierung kam es regelmäßig zu schwerwiegenden Verletzungen der Menschenrechte. Im Jahr 2019 wurde al-Baschir nach 30-jähriger Amtszeit nach einem weiteren Militärputsch verhaftet und abgesetzt. Militärführung und zivile Opposition einigten sich im selben Jahr auf eine Übergangsregierung, die das Land innerhalb von fünf Jahren demokratisieren sollte. Stattdessen brach nach mehreren Militärputschen ein Bürgerkrieg in Sudan aus, in dessen Verlauf der Sudan kollabierte und die Hauptstadt Khartum weitgehend zerstört und entvölkert wurde. Zuvor hatte dort über ein Fünftel der etwa 45 Millionen Einwohnern Sudans gelebt. (Wikipedia)

Sudan War Monitor

Der Sudan War Monitor ist eine gemeinsame Initiative sudanesischer und internationaler Journalisten, Analysten, Übersetzern, Geolokalisierern und anderer Spezialisten. Ziel des Sudan War Monitors ist es, eine Informationslücke an der Schnittstelle zwischen traditionellem Journalismus und den neuen Technologien der Open-Source-Recherche, Geolokalisierung, Kartierung und Analyse von Satellitenbildern zu schließen. „Wir bauen eine Plattform auf, um Desinformation und Kriegstreiberei zu bekämpfen und den Stimmen von Opfern, humanitären Helfern und Friedensstiftern Gehör zu verschaffen“, heißt es in der Selbstdarstellung der Gruppe.

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Foto: Screenshot der Website Mutual Aid Sudan Coalition

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