Aachen. – Misereor trauert um Papst Franziskus. Der Montag früh verstorbene Papst habe mit seiner Sorge um ein würdiges Leben aller Menschen und um die ökologischen Grenzen unserer Erde die Arbeit von Misereor und seiner Partnerorganisationen auf der ganzen Welt „in besonderer Weise bestärkt“, erklärte der Hauptgeschäftsführer des katholischen Hilfswerks, Andreas Frick.
Bereits zu Beginn seines Pontifikates habe Papst Franziskus seine klaren Optionen für eine Kirche, die sich durch Einfachheit und eine besondere Solidarität mit armen und an den Rand gedrängten Menschen, deutlich gemacht. so Misereor. „Er war der Papst, der theologisch und politisch Themen wie Armutsbekämpfung, Bewahrung der Schöpfung, Einsatz für Frieden und Gerechtigkeit inhaltlich eine besondere Relevanz gegeben hat. „
Seine erste Reise als Papst führte Franziskus 2013 auf die italienische Mittelmeerinsel Lampedusa, wo er ein Zeichen für eine menschliche Behandlung von Flüchtenden setzte. Mit Blick auf die auf der Flucht Verstorbenen forderte er, das Mittelmeer dürfe kein Massengrab werden.
Mit seiner Vorstellung, eine Kirche für die Armen zu sein, habe Franziskus an den kirchlichen Paradigmenwechsel angeknüpft, der im Zweiten Vatikanischen Konzil grundgelegt wurde und wesentlich in den Ortskirchen des globalen Südens, vor allem in Lateinamerika, umgesetzt wurde. Er habe deutlich gemacht, so Misereor, dass das Plädoyer für eine Kirche der Armen nicht bedeute, sich karitativ und paternalistisch für die wirtschaftlich und sozial arm Gemachten einzusetzen, sondern dass dies eine klare solidarische Parteinahme erfordere. Besonders in seinem Lehrschreiben Evangelii Gaudium habe Papst Franziskus klar Position bezogen gegen das bestehende Wirtschaftssystem und seine Folgen.
„Seine Aussagen über eine ‚Wirtschaft, die tötet‘ (EG 56), die den Ausschluss und Tod von Millionen von Menschen zur Folge hat, benannten in drastischer Klarheit sowohl die Folgen eines grenzenlosen Kapitalismus für Millionen Menschen als auch die ökologische Katastrophe, in der wir uns weltweit befinden“, betonte Miseror.
Weiter heißt es in der Stellungnahme Misereors:
„Die Positionierung von Papst Franziskus zu gesellschaftspolitischen, globalen Fragestellungen zog sich wie ein roter Faden durch seine Lehrschreiben und Enzykliken. Vor allem mit seiner ersten Enzyklika Laudato Sí, die über den katholischen Kontext hinaus breite Rezeption fand, stellte er wichtige Weichen. Zentral darin war die Anerkennung des unauflöslichen Zusammenhangs von ökologischen und sozialen Fragen, verbunden mit der klaren Aufforderung an die Kirche, sich dem Kampf gegen Armut, Ausbeutung und ökologischer Zerstörung zu stellen. Die Arbeit Misereors, dessen Auftrag in der Umsetzung dieser Forderungen besteht, fanden durch die Worte von Franziskus eine besondere Bestärkung. Nicht nur konnten kirchliche Zielgruppen im Engagement für soziale und ökologische Gerechtigkeit im globalen Kontext unterstützt, sondern auch Allianzen zu unterschiedlichsten Gruppen und Organisationen gebildet werden, die sich gegen Klimawandel und ökologische Zerstörung einsetzen. Die Zusammenarbeit von Zivilgesellschaft und Kirche an gemeinsamen Fragen war Franziskus ein zentrales Anliegen.
Auch die Amazonien-Synode war ein Meilenstein seines Pontifikats und stark von der Beteiligung von Laien und indigenen Bewegungen geprägt. Auch hier zeigte sich, wie wichtig Papst Franziskus die Unterstützung der Kirche für indigene Völker, eine ganzheitliche Ökologie und eine Erneuerung der Pastoral war. Diese Synode, aber auch seine Reisen und Ernennungen von neuen Kardinälen, erfolgten grundsätzlich der Logik, die sogenannten Peripherien zu stärken und dabei festzustellen: Am Rand ist die Mitte zu finden – die Mitte der Gesellschaften, die Mitte des Glaubens.
Besonders aber wird seine starke Stimme für Frieden und Versöhnung fehlen. Immer wieder hat er gegen den Krieg geredet und insbesondere von christlichen Staats- und Regierungschefs mehr Einsatz für Frieden gefordert. Sie sollten sich mit aller Kraft für Verhandlungen in allen Konflikten einsetzen. So rief er auch immer wieder zu Friedensverhandlungen zwischen Russland und der Ukraine sowie Israel und der Hamas auf und forderte Mut, der nötig sei, um die Tür für Verhandlungen zu öffnen.“
Papst Franziskus wurde am 17. Dezember 1936 in der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires geboren. Er war der erste gebürtige Nichteuropäer im Papstamt seit dem im 8. Jahrhundert amtierenden Gregor III.
Quelle: misereor.de







