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UNESCO beklagt Kluft zwischen reichen und armen Ländern

UNESCONew York/Bonn (epo.de). – Die UN-Organisation für Erziehung, Wissenschaft und Kultur (UNESCO) hat die Kluft zwischen reichen und armen Ländern bei der frühkindlichen Förderung und Erziehung beklagt. Während in Westeuropa nahezu jedes Kind ein vorschulisches Programm besucht, seien es in Lateinamerika und der Karibik 62 Prozent, in den arabischen Staaten 16 Prozent und in Afrika südlich der Sahara sogar nur 12 Prozent, heißt es in einem UNESCO-Bericht, der am Donnerstag in New York vorgestellt wurde.

Der Weltbericht „Bildung für alle“ (Education for All, EFA)2007 gibt einen Überblick über den Zwischenstand nach dem Weltbildungsforum in Dakar 2000, auf dem sich 164 Länder verpflichteten, sechs Bildungsziele bis zum Jahr 2015 zu erreichen. Im Mittelpunkt steht in diesem Jahr das EFA-Ziel der Förderung von Kindern bis zum Grundschulalter. Betrachtet werden sowohl das Lernen als auch Aspekte wie Gesundheit und Ernährung.

Der Bericht zeigt große regionale Unterschiede auf. Während in Westeuropa fast jedes Kind ein Vorschulprogramm besucht, sind es in Lateinamerika und der Karibik 62 Prozent, in den arabischen Staaten aber nur 16 Prozent und in Afrika südlich der Sahara sogar nur 12 Prozent. Die Bedeutung der frühkindlichen Förderung, so der Bericht, werde in vielen Regionen noch stark unterschätzt. Auch innerhalb der Entwicklungszusammenarbeit habe der Bereich keine Priorität.

„Mehr als 10 Millionen Kinder sterben jedes Jahr weltweit im Alter von unter fünf Jahren, häufig an vermeidbaren Krankheiten. Umfassende Förderprogramme, die auf Ernährung, Gesundheit, Pflege und Bildung abstellen, könnten hier viel bewirken“, sagte Nicholas Burnett, Direktor des Berichts. Frühkindliche Förderung wirke sich positiv auf Schulbesuch und -erfolg von Kindern aus und könne frühzeitig soziale und geschlechts-spezifische Benachteiligungen ausgleichen.

Aber gerade benachteiligte Kinder, die von frühkindlicher Förderung am meisten profitieren würden, haben laut Bericht am seltensten Zugang zu Vorschulbildung. Als Gründe dafür werden Armut, ein niedriges Bildungsniveau der Mutter, Aufwachsen auf dem Land, Behinderung oder Unterernährung genannt.

Der Bericht evaluiert auch den Stand der weiteren fünf EFA-Ziele: Grundschulbildung für alle, Verringerung der Analphabetenrate unter Erwachsenen, Lernangebote für Jugendliche, Gleichberechtigung der Geschlechter und Bildungsqualität. In einigen Bereichen lassen sich laut UNESCO beachtliche Fortschritte beobachten, insbesondere beim zentralen Ziel der Grundschulbildung für alle Kinder. Auch die Zahl der weltweit eingeschulten Mädchen sei gestiegen, das internationale Engagement für Bildung nehme zu. Es bleibe jedoch noch viel zu tun bis 2015.

Weltweit stieg die Einschulungsrate für die Grundschule dem Bericht zufolge von 83 Prozent 1999 auf 86 Prozent 2004. Dabei verzeichneten die Regionen mit den geringsten Einschulungsraten die größten Fortschritte: Afrika südlich der Sahara sowie Süd- und Westasien (Afghanistan, Bangladesch, Bhutan, Indien, Iran, Malediven, Nepal, Pakistan, Sri Lanka). Dem zum Teil beträchtlichen Zuwachs einiger Länder mit sehr niedrigen Raten wie Äthiopien oder Marokko stehe aber das Sinken der Einschulungsraten in zwei Dutzend Entwicklungsländern mit besserer Ausgangsposition gegenüber.

Die Zahl der Kinder im Grundschulalter, die keine Schule besuchen, sank nach Angaben der UNESCO weltweit um 21 Millionen auf immer noch 77 Millionen 2004. In Süd- und Westasien wurde die Zahl – vor allem durch Fortschritte in Indien – von 31 Millionen 1999 auf 16 Millionen fast halbiert. Die Hälfte aller Kinder ohne Schulbildung lebt nach wie vor in Afrika südlich der Sahara.

Ungefähr 781 Millionen erwachsene Menschen sind Analphabeten, jeder Fünfte weltweit, heißt es in dem Bericht. Ein Großteil von ihnen lebt in Süd- und Westasien, in Afrika südlich der Sahara, im pazifischen Raum und in Ostasien (Brunei Darussalam, China, Demokratische Volksrepublik Korea, Indonesien, Japan, Kambodscha, Laos, Macau, Malaysia, Myanmar, Philippinen, Republik Korea, Singapur, Thailand, Vietnam). Die absoluten Analphabetenzahlen in den beiden erstgenannten Regionen steigen wegen des Bevölkerungswachstums nach wie vor an. Ohne vereinte Anstrengungen der internationalen Gemeinschaft und nationaler Entscheidungsträger werde die weltweite Zahl der Analphabeten bis 2015 nur um 100 Millionen fallen, warnen die Experten.

Die Fortschritte auf dem Weg zur Gleichberechtigung der Geschlechter reichen nicht aus, um bis 2015 die Geschlechterdisparitäten im Bildungsbereich zu überwinden. In der Grundschulbildung kamen die gestiegenen Einschulungsraten den Mädchen zugute: Weltweit entfallen dem Bericht zufolge 94 eingeschulte Mädchen auf 100 eingeschulte Jungen. 1999 waren es noch 92. Von 181 Ländern haben zwei Drittel Gleichberechtigung in der Grundschulbildung erreicht. In den meisten Ländern mit niedriger Einschulung besteht das Geschlechtergefälle jedoch fort. Es ist in einigen Ländern wie Afghanistan, Tschad und Pakistan beträchtlich. Zwei Drittel der Analphabeten weltweit sind Frauen.

Der Bericht fordert umfassendere Bemühungen der Regierungen und der Geber ein. Die nationalen Ausgaben für Bildung seien zwar weltweit seit 1999 gestiegen, doch gebe es auch gegenläufige Tendenzen. Häufig müsse die Fähigkeit der Regierungen, nachhaltige politische Programme zu entwickeln und umzusetzen, gestärkt werden. Der Anteil von Hilfe für Bildung am Gesamtvolumen der öffentlichen Entwicklungshilfe habe zwischen 2000 und 2004 von 10,6 auf 13,6 Prozent zugenommen. Trotz dieser ermutigenden Anzeichen entfielen aber nach wie vor nur 4,8% der gesamten Entwicklungshilfe auf Grundbildung. Im Jahre 2004 seien fast drei Viertel der bilateralen Entwicklungshilfe für Bildung allein von Frankreich, Deutschland, Japan, Großbritannien und den USA aufgebracht worden.

Schätzungen zufolge wären jährlich 11 Milliarden US-Dollar, also mehr als ein Dreifaches der bisherigen Mittel, nötig, um „Bildung für alle“ zu erreichen. Selbst wenn die Geber ihre bis 2010 zugesagten Anhebungen einhalten, stünden jährlich nur 5,4 Milliarden US-Dollar, die Hälfte der erforderlichen Summe, zur Verfügung.

Der jährlich erscheinende Bericht wird im Auftrag der UNESCO von einem unabhängigen internationalen Expertenteam angefertigt, das unter anderem vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) unterstützt wird.

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