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Belutschistan: Aktivisten erklären Unabhängigkeit

Post eines Belutschistan-Aktivisten auf der Plattform X.

Aktivisten des Volkes der Belutschen haben Medienberichten zufolge ihre Unabhängigkeit von Pakistan erklärt. Die Ethnie kämpft seit 1947 für Autonomie- und Selbstbestimmungsrechte und fordert eine Beteilung an den Erlösen des Rohstoffabbaus in der Provinz in Belutschistan. „We changed the geography of Asia“, schrieb einer der Unterstützer der Unabhängigkeitserklärung unter dem Hashtag #Balochistan auf der Plattform X.

Das Volk der Belutschen ist auf die Staaten Pakistan, Afghanistan und Iran verteilt. Die Mehrheit der rund 5,6 Millionen Belutschen lebt in der Provinz Belutschistan, eine Million in Ost-Iran und ca. 100.000 in südlichen und westlichen Randgebieten Afghanistans. Wissenschaftler stufen die Auseinandersetzungen mit der pakistanischen Regierung als bewaffneten Konflikt geringer Intensität ein.

Ethnien in Pakistan. Karte: Furfur, CC BY-SA 3.0 , via Wikimedia Commons

Karte: Ethnien in Pakistan by Furfur, BY-SA 3.0 https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0, via Wikimedia Commons


Hyrbyair Marri, der sich „Baloch pro-independence leader“ nennt, nahm in einem Post auf X Ende April, als der pakistanisch-afghanische Grenzkonflikt wieder aufflammte, Bezug auf die historischen Ursachen der Unruhen in der Region: die künstlichen Grenzen, die das Britische Imperium in vielen Regionen der Welt einzog und damit Ethnien in verschiedene Staaten aufsplitterte. Die Durand-Linie, eine 2450 Kilometer lange Demarkationslinie zwischen Afghanistan und Pakistan, teilt auch das Volk der Belutschen.

Bei der Abspaltung Pakistans von Indien 1947 musste Pakistan die Durand-Linie als Grenze anerkennen. Die zentralistische Ausrichtung des pakistanischen Staates führte dazu, dass Minderheiten wie die Belutschen systematisch von politischen Entscheidungsprozessen ausgeschlossen wurden und wirtschaftlich benachteiligt werden. Viele Belutschen wollen eine Neustrukturierung des Staates und mehr politischen Einfluss auf der lokalen Ebene. Andere kämpfen für das Selbstbestimmungsrecht und einen unabhängigen Staat.

Aus diesen Gründen ist Belutschistan, vertreten durch die Balochistan National Party, seit 1996 Mitglied der Unrepresented Nations and Peoples Organisation (UNPO). Marri gründete das Free Balochistan Movement, das vom Exil in London aus arbeitet. Der seit Jahrzehnten schwelende Konflikt bleibt international weitgehend unbeachtet. Das Free Balochistan Movement berichtet immer wieder von Massenhinrichtungen von Belutschen im Iran und systematischer Unterdrückung in Pakistan.

In sozialen Medien wird darauf hingewiesen, dass sich Belutschistan im Bündnis mit Indien sieht, während Pakistan von China und vom Iran unterstützt werde. Der Aktivist Mir Yar Baloch soll sogar UN-Truppen angefordert und am Mittwoch die Unabhängigkeit ausgerufen haben.

Im März, so ein Bericht der Berliner Repräsentanz der Bewegung, hätten pakistanische Soldaten das Feuer auf unbewaffnete Demonstranten in Quetta eröffnet und drei Menschen getötet. Die Aktivisten beklagen, dass die Weltöffentlichkeit „die Augen vor dem andauernden Genozid“ in Belutschistan verschließt.

Aktuelle Brisanz erhält der Konflikt vor allem durch den kürzlichen Waffengang zwischen Indien und Pakistan und die Aufforderung, Indien solle ein freies Belutschistan anerkennen. Eine dritte Front in Belutschistan kann Pakistan nicht brauchen. Denn zwischen Afghanistan und Pakistan gibt es ebenfalls immer wieder bewaffnete Scharmützel in der Grenzregion.

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