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Schuldenreport 2025: Auslandsverschuldung weltweit auf dramatisch hohem Niveau 

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Berlin/Düsseldorf. – Die weltweite Schuldenkrise hat ihre Ursachen auch im ungerechten internationalen Finanzsystem. Misereor und erlassjahr.de haben bei der Vorstellung des Schuldenreports 2025 am Montag in Berlin deshalb umfassende Reformen noch in diesem Jahr gefordert. Mehr als die Hälfte der öffentlichen Haushalte in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen sind durch den Schuldendienst, den sie an ausländische Gläubiger leisten müssen, hoch oder sehr hoch belastet. „In mindestens 47 der 198 untersuchten Ländern müssen wir davon ausgehen, dass aufgrund der hohen Schuldenlast Menschenrechte verletzt werden“, erklärte Malina Stutz, Politische Referentin beim deutschen Entschuldungsbündnis erlassjahr.de.

Zu den von der Schuldenkrise betroffenen Ländern zählten Staaten wie Pakistan und Kenia, die Umschuldungsverhandlungen bisher vermeiden, sowie Sri Lanka und Suriname, deren Auslandsschuldenlast trotz abgeschlossener Umschuldung weiterhin sehr hoch bleibt. Weitere 28 Länder seien hoch belastet; in 13 Ländern bestehe ein latentes Belastungsrisiko.

Schuldendienst übersteigt vielfach Ausgaben für Bildung und Gesundheit

In den kommenden drei Jahren müssen die 47 sehr hoch belasteten Länder durchschnittlich mindestens 15 Prozent ihrer Staatseinnahmen für Zins- und Tilgungszahlungen an ausländische Gläubiger abführen. „Ihr fiskalpolitischer Handlungsspielraum ist dadurch massiv eingeschränkt“, beschreibt Klaus Schilder die Folgen. Der Experte für Entwicklungsfinanzierung bei Misereor erklärt: „In diesen Ländern sind etwa 231 Millionen Menschen von extremer Armut betroffen. Das sind rund 18 Prozent der Bevölkerung und damit gut doppelt so viele wie im weltweiten Durchschnitt. Das ist ein echtes Armutszeugnis im 21. Jahrhundert.“

In diesem Jahr wurden erstmals alle Länder weltweit in die Analyse des Schuldenreports aufgenommen. Die dadurch gewonnenen Ergebnisse machen deutlich, dass insbesondere Länder des Globalen Südens einem erhöhten Risiko ausgesetzt sind, in eine öffentliche Auslandsschuldenkrise zu geraten. „Zwar setzen viele Schuldnerstaaten auf nationale Reformanstrengungen, doch diese allein können das Krisenrisiko kaum verringern“, so Stutz. Die Länder seien weiterhin massiv benachteiligt, denn ihr Zugang zu Kreditfinanzierungen ist gegenüber Ländern mit höherer Bonität wie beispielsweise Deutschland deutlich erschwert. „Auch die untergeordnete Rolle ihrer Währungen in der internationalen Währungshierarchie ist ein großes Hemmnis“, sagt Stutz. „Um dauerhaft wirksame Lösungen zu schaffen, braucht es deshalb tiefgreifende Reformen der internationalen Finanzarchitektur.“

2025 ist Jahr der Weichenstellungen

„Gerade in diesem Jahr bieten sich einmalige Chancen zur Überwindung der globalen Schuldenkrise“, betont Klaus Schilder. Ein zentraler Moment sei die 4. Internationale Konferenz für Entwicklungsfinanzierung (FfD4), die vom 30. Juni bis 3. Juli 2025 in Sevilla stattfindet. „Die neue Bundesregierung muss sich jetzt klar positionieren und in den Vorbereitungen für Sevilla Reformvorschläge aus dem Globalen Süden aufgreifen. Dazu zählt insbesondere, einen zwischenstaatlichen Prozess unter dem Dach der Vereinten Nationen zu unterstützen, mit dem endlich ein faires Staateninsolvenzverfahren auf den Weg gebracht werden kann“, fordern Schilder und Stutz. 

Der Schuldenreport, der jedes Jahr vom deutschen Entschuldungsbündnis erlassjahr.de und Misereor herausgegeben wird, analysiert jeweils aktuell die Belastung durch Auslandsschulden von Staaten weltweit sowie die Rolle Deutschlands in der internationalen Entschuldungspolitik und gibt Empfehlungen für den Umgang mit der globalen Schuldenkrise. In diesem Jahr ist die Veröffentlichung des Schuldenreports eingebettet in die weltweite zivilgesellschaftliche Kampagne „Erlassjahr 2025 – Turn Debt into Hope“www.erlassjahr2025.de.

=> erlassjahr.de/schuldenreport-2025 
=> misereor.de/schuldenkrise
=> Schuldenkrise

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