Berlin/Frankfurt. – In den letzten drei Jahren haben Banken 385 Milliarden US-Dollar in die Kohleindustrie fließen lassen. Laut einer neuen Studie gingen die Kredite und die Zeichnungsaktivitäten von fast 650 Geschäftsbanken von 132 Milliarden Dollar im Jahr 2022 auf 123 Milliarden Dollar im Jahr 2023 zurück. 2024 stiegen sie aber wieder auf 130 Milliarden Dollar. Auf der UN-Klimakonferenz in Glasgow 2021 (COP26) hatten sich die Regierungen von 197 Ländern noch auf einen Ausstieg aus der Kohleverbrennung geeinigt und viele der größten Geschäftsbanken der Welt hatten sich verpflichtet, ihre Portfolios von fossilen Brennstoffen zu befreien.
Am Dienstag haben urgewald und 23 internationale NGO-Partner die diesjährige Kohle-Banken-Studie „Still Banking on Coal“ veröffentlicht, die die Entwicklung der Finanzströme von 650 Geschäftsbanken an Kohleunternehmen seit Glasgow untersucht. Die Ergebnisse sind ernüchternd: In den vergangenen drei Jahren haben weltweite Geschäftsbanken die Kohleindustrie mit mehr als 385 Milliarden US-Dollar unterstützt.
Katrin Ganswindt, Leiterin der urgewald-Finanzrecherche, erklärte:
„Wir hatten gehofft, nach Glasgow einen konstanten Abwärtstrend zu sehen. Unsere Daten zeigen, dass die Kohlefinanzierung zwar von 132 Milliarden US-Dollar im Jahr 2022 auf 123 Milliarden US-Dollar im Jahr 2023 zurückging. Im vergangenen Jahr stieg sie jedoch wieder auf 130 Milliarden US-Dollar an. Es ist, als hätte es Glasgow nie gegeben.„
Countdown für die Kohlefinanzierung bis 2030
Planungen für neue Kohlekraftwerke werden zunehmend unattraktiv, da erneuerbare Energieträger, insbesondere die Solarenergie, in fast allen Ländern der Welt inzwischen die günstigste Option für die Stromerzeugung sind. Im Jahr 2024 machten Solar- und Windenergie bereits 90 Prozent des weltweiten Kapazitätswachstums aus. Während die Anzahl neu geplanter Kohleprojekte rasant schrumpft, hat der weltweite Bestand an Kohlekraftwerken immer noch eine Kapazität von mehr als 2.100 Gigawatt (GW). Dessen anhaltende CO2-Emissionen führen immer näher heran an katastrophale Klimakipppunkte.
Die Internationale Energieagentur (IEA) warnte in ihrem jüngsten Dekarbonisierungsbericht, dass die Kohlenutzung in entwickelten Volkswirtschaften bis 2030 und weltweit bis 2040 beendet werden muss. Obwohl bis dahin kaum noch Zeit bleibt, haben nur 24 der 99 weltweit größten Geschäftsbanken Pläne, um ihre Kohlefinanzierung bis dahin einzustellen. „Die Kohleparty ist vorbei, doch die meisten Banken weigern sich, nach Hause zu gehen„, kommentierte Ganswindt.
Welche Banken die Kohle am Leben erhalten
92 Prozent der 385 Milliarden US-Dollar, mit denen weltweite Geschäftsbanken zwischen 2022 und 2024 die Kohleindustrie finanziert haben, stammen von Banken mit Hauptsitz in 5 Ländern oder Regionen: China (248 Mrd. USD), USA (51 Mrd. USD), Japan (21 Mrd. USD), Europa (20 Mrd. USD) und Kanada (12 Mrd. USD).
=> Sämtliche Ergebnisse: www.stillbankingoncoal.org
Quelle: urgewald.org







